Leute Sauber schlürfen mit Meister P(r)opper

Wo wird in München am wildesten gefeiert? Foto: Klaus Primke

In der Meinburk geht es so rein wie reich zu. Der junge Gast verfeiert 1000 Euro am Wochenende _ und huldigt gerne dem schönen Schein.

In zartem Lila erstrahlt das Haus an der Seidlstraße 15. Wie ein Leuchtturm weist die glühende Fassade der Meinburk den Nachtschwärmern den Weg in die Maxvorstadt. Und die lassen sich nicht lange bitte: Aufgeregt wie ein Schwarm Fliegen, der lustvoll um eine helle Glühbirne schwirrt, drängt das blutjunge Publikum ins Zentrum der lila Lichtquelle. Schnell wird klar: Hier zählt vor allem die Fassade. Man huldigt dem schönen Schein.

Seit dreieinhalb Jahren gilt der Club Meinburk als der In-Treff der Münchner It-Girls- und deren männlicher Artgenossen. Wo vor zwei Jahren noch ein Küchenstudio seine Waren anpries, wird heute wild, luxuriös und auch ein wenig prätentiös gefeiert.

„Die Meinburk ist ein typischer Münchner Club“, sagt Inhaber Konstantin Irnsperger: „Die Gäste sind ziemlich jung und wohlhabend.“ Sein Geschäftspartner Serge Dolkhani ergänzt. „Die meisten Gäste haben ein Budget von etwa 1000 Euro für ein Wochenende zur Verfügung“.

Moet&Chandon für schlappe 1055 Euro

Also kein Club für Arme und ältere Semester. Zum Glück ist Christian weder das eine noch das andere. „Viele meiner Freunde studieren in England und kommen über das Wochenende hierher“, erzählt der 21-Jährige. Neben dem DJ- Pult haben er und seine Freunde einen Tisch reservieren lassen und erfreuen sich nun an dem süfffigen und edlen Inhalt einer Sechs-Liter-Flasche Moet&Chandon für schlappe 1055 Euro. Stammgäste wie er können vorab im Internet ihr bevorzugtes Plätzchen reservieren. Auch wird den jungen VIPs keine Wartezeit vor dem Eingang zugemutet. Neben Türsteher Tommy legen sie einfach ihren Daumen auf den Scanner. Diente früher noch der gute Name als Eintrittskarte, genügt heute der passende Fingerabdruck. Und natürlich der richtige Style.

Christian und seine Jungs haben sich in helle Nadelstreifenhemden geworfen, ein Pullover hängt ihnen lässig über den Schultern. Haben die Popper der Neuzeit noch einen Termin auf dem Golfplatz? Ein wenig zeitgeistiger geben sich ihre Begleiterinnen: Leggins oder Designer-Kleidchen mit High Heels. Apart und adrett wirkt die Clique. Früh übt sich der elitäre Habitus.

Weitaus bodenständiger ist Bardame Anita. Die weite Welt hatte die 21-Jährige im Sinn, als sie ihrer niederbayerischen Heimat den Rücken kehrte. Als eine Zwischenetappe dient ihr der Job hinter der Meinburk-Theke. Nicht jeder könne hier bedienen, erzählt die hübsche Blondine. „Man muss immer freundlich sein – und die Chefs legen ganz großen Wert auf Service und Sauberkeit“, erzählt sie.

2010 muss die Maiburk wohl dicht machen

Tatsächlich wirkt die weiße Inneneinrichtung so porentief rein, als würde neben Verena Kerth, Jimi Blue und Wilson Gonzalez Ochsenknecht auch Meister P(r)opper zu den Stammgästen zählen.

Ist die Party auch noch so exklusiv, sie wird nicht ewig weitergehen. Schon Ende 2010 werden in der Meinburk die lila Lichter wohl ausgehen. Das Gebäude soll demnächst abgerissen werden, auch wenn der Termin immer wieder verlängert wurde. Niemand bleibt schließlich ewig jung. Und auch das Meinburk-Volk wird irgendwann erwachsen werden – aber sich nicht vor morgen.

Reinhard Keck

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