AZ exklusiv: Ein Schriftstück bringt den Mann der Ministerin in Bedrängnis. Es geht um ein Geschäft zwischen Arzt und Häftling

München/Ingolstadt Daran, dass er der Chef der Landgerichtsärztlichen Dienststelle Ingolstadt ist, lässt Dr. Hubert Haderthauer bei seinem Auftreten keinen Zweifel. Gesprächspartner, die den Gatten der bayerischen Sozialministerin etwa mit bloßem Namen anzusprechen wagen, werden von ihm sehr direkt auf seinen Doktortitel hingewiesen. Er ist schon wer. Momentan hat der Herr Doktor allerdings ganz andere Probleme. Steht gar sein Job auf dem Spiel?

Stefan Frey, Leiter der Pressestelle bei der Regierung von Oberbayern, winkt bei entsprechenden Anfragen seit Wochen ab: „Nein, die Stellungnahme von Herrn Haderthauer steht noch aus.“

Nach Bekanntwerden seiner Verwicklungen in die fragwürdigen Geschäfte mit hochwertigen Modellautos, die in den geschlossenen Abteilungen der Bezirkskrankenhäuser Ansbach und Straubing von psychisch kranken Straftätern produziert wurden, soll er gegenüber dem Dienstherrn seine Rolle genau erklären. Damit tut er sich offensichtlich schwer.

Wiederholt hat er erklärt, dass der Handel mit den kleinen, voll funktionsfähigen Flitzern kaum Geld in seine Privatschatulle gespült habe. Lediglich 6000 Euro pro Jahr sollen es demnach in etwa gewesen sein. Eine Größenordnung, die von dem langjährigen geschäftlichen Partner Roger Ponton, der sich ohnehin arglistig getäuscht fühlt, bezweifelt wird. Haderthauer räumte selbst ein, dass er sich für seine Geschäfte abseits seiner Tätigkeit als Arzt keine Genehmigung von seinem Dienstherrn erteilen ließ.

Der Umstand, dass er bei den Antworten von zahllosen Medienanfragen nicht immer auf der Höhe der tatsächlichen Gegebenheiten war und Dinge erzählt hat, die sich danach scheibenweise in Luft auflösten, ist für ihn noch das geringere Problem. Bemerkenswert ist es trotzdem, dass er so tat, als wäre er 15 Jahre lang der Miteigentümer der Firma „Sapor“ gewesen, die die Modellautos auf den Markt brachte. In Wirklichkeit war es zunächst zehn Jahre lang seine Frau. Und bemerkenswert ist auch, dass er als Psychiatriearzt den Vertrag mit „Sapor“ im Namen des Bezirks aushandelte.

Um die Bewertung derartiger Details, die ein deutliches Gschmäckle haben, dürfte sich die für Personalfragen zuständige Regierung von Oberbayern kümmern. „Selbstverständlich“, lässt der Sprecher der Behörde wissen, „bewerten wir bei unserer Prüfung jeden Aspekt, der uns in dieser Angelegenheit bekannt wird." Das könnte bei der Bewertung von Haderthauers Rolle unangenehme Folgen haben.

Unterlagen des Bezirks Mittelfranken zufolge wurde der Bau der Modellautos im Ansbacher Bezirkskrankenhauses vertraglich am 9. Februar 1990 auf die Beine gestellt. Hubert Haderthauer, damals Arzt in der Forensik, war der Vater dieses Projekts. Er hatte die besonderen handwerklichen Fähigkeiten des Dreifachmörders Roland S. erkannt, der die edlen Oldtimer-Modelle derart perfekt konstruierte, dass sich Sammler auf der ganzen Welt um die edlen Stücke reißen. Auf Auktionen und Verkaufsbörsen erzielen sie Preise im hohen fünfstelligen Bereich, in mindestens einem Fall wurde auch die 100000-Dollar-Grenze deutlich überschritten.

Um den Bau der Autos in Serie möglich zu machen, wurde auf Betreiben Haderthauers eigens eine Werkstatt dazu eingerichtet, in der bis zu zehn psychisch kranke Straftäter werkelten. Die Modellautos wurden von der Firma „Sapor“ in Auftrag gegeben, die zunächst dem französischen Geschäftsmann Roger Ponton gehörte. Ab 1993 war auch Christine Haderthauer mit einem 50-Prozent-Anteil an der Firma beteiligt. Ihr Mann hatte von ihr eine Vollmacht, um geschäftlich tätig zu werden.

Vor wenigen Wochen, nach Bekanntwerden der umstrittenen Geschäfte, bemühte sich der inzwischen zum leitenden Landgerichtsarzt aufgestiegene Gatte der Ministerin, der ausschließlich den therapeutischen Sinn des Modellbau-Projekts gelten lassen will, um Schadensbegrenzung. „Mein Engagement“, versicherte er treuherzig, „beruhte auf der Begeisterung für Oldtimermodelle und sicherlich nicht auf Gewinnstreben.“

Ein mittlerweile aufgetauchter, von ihm persönlich unterschriebener Vertrag dürfte ihm allerdings erhebliche Probleme bereiten, mit dieser Argumentation auch die Regierung von Oberbayern zu überzeugen. Es ist ein knallhart formulierter Kaufvertrag über den Erwerb von drei Modellen aus den Händen des Dreifachmörders. Er tritt darin als Privatmann mit seiner Ansbacher Wohnadresse auf. Und abgeschlossen wurde der Vertrag Monate bevor das Modellprojekt im Bezirkskrankenhaus überhaupt begann. Dieser Vorgang bringt ihn in Erklärungsnot.