Als ihr Fahrrad gestohlen wird, ermittelt die Münchnerin Mara P. auf eigene Faust – und findet das Gefährt in einer Kleinanzeigenbörse im Internet. Sie erhält den Zuschlag. Dann wird es brenzlig.

München - Eigentlich wollte sie nach Gauting radeln, zum Krankenhaus. So wie jeden Morgen. Doch als die Medizinstudentin Mara P. an diesem Mittwoch um 6 Uhr in der Früh aus der Haustür tritt, ist ihr Fahrrad weg.

Satte 1200 Euro hat es gekostet. Gekauft vom Examensgeld der Eltern und mit einem hochwertigen Schloss gesichert. „Normalerweise hätte ich das Rad gar nicht draußen stehen lassen, aber unser Fahrradkeller war komplett vollgestellt“, erinnert sich Mara. Sie geht zur Polizeiinspektion Au/Haidhausen und zeigt den Diebstahl an.

Zunächst fühlt sie sich gut aufgehoben: Die Beamten fragen genau nach, nehmen die Rahmennummer auf. Maras Hoffnung ist dennoch gering.

Jedenfalls solange, bis ihr Freund das Radl am darauffolgenden Freitag wiederfindet: Auf der Internet-Kleinanzeigen-Börse „Quoka“ bietet der dreiste Radl-Dieb es zunächst für 230 Euro – am nächsten Tag sogar für 430 Euro an.

„Ich wurde im Regen stehen gelassen“

„Wahrscheinlich hat er gemerkt, dass es doch ein hochwertiges Rad ist“, vermutet Mara. Sie meldet die Kleinanzeige sofort der Polizei, in der Hoffnung, diese könne den Täter nun leicht identifizieren. Doch es passiert nichts.

Man müsse das Ganze über die Kriminalpolizei laufen lassen und bräuchte einen richterlichen Beschluss, erklärt man ihr. Offenbar ist das zu aufwendig.

Die Beamten raten ihr zum Kaufangebot

„Ich war sehr enttäuscht, konnte es gar nicht glauben. Ich wurde komplett im Regen stehen gelassen“, sagt die Medizinstudentin. Bei der Polizei wird ihr geraten, ein fiktives Kaufangebot zu machen und einen Übergabetermin zu vereinbaren. Dann wäre die Polizei in jedem Fall dabei.

Gesagt, getan: Mit verschiedenen Fake-Profilen schreibt Mara P. den Fahrraddieb an, der anfangs auch antwortet, kurz vor einem endgültigen Übergabetermin jedoch immer wieder einen Rückzieher macht.

Ein pensionierter Kommissar schaltet sich ein

Zehn Tage geht das Hin und Her, immer wieder macht sie sich Hoffnungen und wird dann doch enttäuscht. Als der Verkäufer ihr schreibt, dass das Radl am Sonntag für 500 Euro an einen anderen Käufer gehen soll, wird’s brenzlig: Sie mobilisiert alle Freunde und Bekannte, gerät schließlich über ihren Vater an einen pensionierten Kriminalhauptkommissar.

Er schafft, was ihr allein bisher nicht gelungen war: einen Übergabetermin auszuhandeln.

Festnahme!

Dann geht’s recht schnell. Sie informieren die Polizei, die sich äußerst beschämt zeigt, der Studentin nicht schon früher besser geholfen zu haben. Man schickt einen Streifenwagen, der befreundete Kriminalkommissar erscheint zum Treffpunkt mit dem Käufer – und die Polizei nimmt den Fahrraddieb fest. Das Rad wird sichergestellt.

Wie sich herausstellt, hat der Dieb noch acht weitere gestohlene Räder in seiner Wohnung stehen.

„Dann bin ich direkt nach Hause geradelt“

Der Studentin ist klar: Das Rad wird sie nie wieder über Nacht draußen stehen lassen, sondern im Fahrradkeller abstellen. „Ich weiß jetzt, dass man jedes Schloss knacken kann und es niemanden abhält, der Ahnung hat.“

Dass es dank ihres Einsatzes letztlich doch noch ein Happy End gegeben hat, freut Medizinstudentin Mara P. umso mehr.

Ein paar Tage hat es noch gedauert, bis sie ihr Radl schließlich auf dem Polizeirevier abholen konnte: „Dann bin ich direkt nach Hause geradelt. Mit einem fetten Grinsen im Gesicht.“