Gehalt reicht nicht Immer mehr Münchner Polizisten brauchen Nebenjobs

Bei der Polizei arbeiten, eine anstrengende Aufgabe, nur vom Geld her reicht’s oft trotzdem nicht. Foto: imago

Rund 15 Prozent der Münchner Polizisten arbeiten nebenher in einem anderen Job. Der Grund sind Neugierde und Spaß – aber auch Bezüge, die in der teuren Stadt schlichtweg zu wenig sind.

München - Komparse, Kellner, Hausmeister, Fitness-Trainer oder Tankwart: 930 Münchner Polizisten haben einen Nebenjob. Das heißt, rund 15 Prozent der Beamten bessern sich ihr Gehalt als Staatsdiener nach Feierabend regelmäßig auf. Nicht immer ganz freiwillig, wie manche hinter vorgehaltener Hand zugeben. Vor allem bei jungen Beamten mit Familie reicht das normale Gehalt hinten und vorne nicht.

Das Leben in der Landeshauptstadt ist teuer, Mieten von teils bis zu 20 Euro pro Quadratmeter, hohe Lebenshaltungskosten, teure Kindergartenplätze und Ähnliches. "Ein Kollege in der Oberpfalz hat im Vergleich zu einem in München rund 500 Euro mehr im Monat zur Verfügung“, rechnet Jürgen Ascherl vor; er ist Personalrat im Präsidium München und Bezirksvorsitzender der Polizeigewerkschaft DPolG. Er selbst jobbte fast acht Jahre lang nach dem Dienst als Lastwagenfahrer.

Große Sprünge sind mit einem Beamtengehalt nicht drin. Vor allem, wenn man sich nebenbei etwas gönnen will, eine nette Auslandsreise, ein schickes Auto oder dergleichen.

Mancher geht deshalb nach Feierabend einer Zusatzbeschäftigung nach. Besonders beliebt sind diese Branchen:

  • 16 Prozent arbeiten als Kassierer, Fahrer oder Aushilfen.
  • 14 Prozent arbeiten als Komparsen oder Statisten bei Film oder Fernsehen.
  • Acht Prozent verdienen sich als Trainer in Sport- und Fitnessstudios etwas dazu.
  • Sechs Prozent übernehmen Ehrenämter, für die es meist nur eine geringe Aufwandsentschädigung gibt.
  • Fünf Prozent halten als Dozenten oder Referenten Vorträge.
  • Vier Prozent tauschen die Polizeiuniform in der Freizeit mit der eines Rettungssanitäters.
  • Drei Prozent sind als Betreuer aktiv.
  • Zwei Prozent sind Musiker oder bekleiden öffentliche Ehrenämter.
  • Größter Brocken sind die "sonstigen Tätigkeiten“ mit 25 Prozent. (Was sich darunter verbirgt, wird in der Statistik des Präsidiums nicht genau erklärt.)

Die Zahl der Nebentätigkeiten steigt seit Jahren "gering, aber kontinuierlich“, sagt Polizeisprecher Michael Riehlein. Auffallend ist, dass vor allem Beamte aus dem mittleren Dienst (58 Prozent) nebenbei arbeiten. Jeder Zweite von ihnen hat die Besoldungsgruppe A9 oder A9+AZ (Amtszulage). Dabei verdient man rund 2700 Euro im Monat – brutto.

Der Nebenjob bringt zusätzlich etwa 450 Euro. Wobei einige Branchen tabu sind. So darf ein Polizist nicht als Türsteher arbeiten oder für eine Sicherheitsfirma. Verboten ist alles, was zu einem Interessenkonflikt führen könnte: Ein Polizist etwa, der an der Bar fleißig Biere zapft und dann einem Gast wegen Alkohol am Steuer ein paar Tage später den Führerschein abnehmen muss. So eine Konstellation könnte heikel werden.

Jobs als Hausmeister oder Handwerker, die Dienstleistungen und Reparaturen ausführen, sind dagegen unproblematisch.

In jedem Fall muss das Präsidium die Nebeneinkünfte genehmigen. Erlaubt sind maximal acht Stunden pro Woche, also ein sechster Arbeitstag. Teilzeitbeamte dürfen nicht mehr, sondern weniger jobben. Die Regelung im Beamtengesetz nennt "ein Fünftel der Dienstzeit“ als Limit.

Gewerkschafter sehen den Trend zum Zweitjob mit Unbehagen. "Die Freizeit ist eigentlich dazu da, sich zu regenerieren“, sagt Jürgen Ascherl, "nicht damit man sich München leisten kann“.

75 Euro Ballungsraumzulage bekommen Polizisten in München vom Freistaat gezahlt. Allerdings nur bis zur Gehaltsgruppe A9+AZ. Dann ist Schluss. Das sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein, kritisieren viele Polizisten.

Notwendig wäre eine Zulage von 500 Euro monatlich, das fordert zumindest die DPolG. In der freien Wirtschaft sei schon längst üblich, in Ballungsräumen höhere Löhne zu bezahlen. Bei BMW bekommt ein Mitarbeiter in München mehr als ein Kollege in Niederbayern.

Bei der Polizei hingegen verdient ein Beamter in Hof genauso viel wie der in München. Nur dass die Leberkassemmel in der Landeshauptstadt doppelt so viel kostet wie beispielsweise bei einem Metzger in der Oberpfalz.

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