Dampfen statt rauchen Was man über E-Zigaretten wirklich wissen sollte

Gesünder rauchen? - Ein Mann zieht an einer E-Zigarette. Foto: dpa

Der Trend ist eindeutig: Europaweit geht die Zahl der Tabakraucher zurück. Parallel dazu gibt es immer mehr Nutzer von E-Zigaretten (elektrischen Zigaretten). Die Zahl in Deutschland soll Erhebungen nach in die Millionen gehen. Jedoch: Für viele Raucher ist die elektronische Zigarette noch immer ein Buch mit sieben Siegeln. Und auch viele "E-Dampfer" stochern im Nebel.

Welche Schadstoffe bleiben tatsächlich? Ist der Geschmack mit dem einer gewöhnlichen Zigarette vergleichbar? Taugt sie zur Entwöhnung? Wo darf bedenkenlos gedampft werden und wo nicht? Und vor allem: Wie funktioniert sie überhaupt? Viele Mythen umgeben das Thema E-Zigarette, das medial meistens – je nach Interessenslage – übertrieben positiv oder negativ besetzt ist. Viele Fragen, wenige verlässliche Antworten… Zeit für eine klare Sicht auf die Dinge!

E-Zigaretten dampfen - wie funktioniert das überhaupt?

Viele Raucher scheuen den Umstieg, weil sie die durchaus komplexe Funktionsweise einer E-Zigarette nicht verstehen. Wichtig zunächst: Bei gewöhnlichen Zigaretten wird Tabak verbrannt, der Rauch samt aller schädlichen Stoffen wird eingeatmet. Bei E-Zigaretten wird eine Flüssigkeit mit mehr oder minder hohem Nikotingehalt erhitzt, das so genannte "Liquid" oder "E-Liquid". Nur der Dampf wird inhaliert, sodass die Bezeichnung "Dampfen" inzwischen in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen ist. Den Moment des Ziehens an der E-Zigarette registrieren Sensoren. Es entstehen keine Asche und kein Rauchgeruch. Lediglich das Aroma des verdampfenden Liquids ist als Bestandteil des austretenden Dampfes riechbar.

Der Aufbau der E-Zigarette: Verdampfer, Akku und Liquid Tank

Die wesentlichen Bestandteile einer E-Zigarette sind trotz der bisweilen sehr unterschiedlichen Ausführungen in der Regel gleich. Im "Verdampfer" (Clearomizer) wird das Liquid mithilfe einer elektrischen Heizspirale verdampft. Die Flüssigkeit selbst ist im Liquid-Tank untergebracht. Den Strom zieht das Gerät aus dem Akku, der je nach Produkt auf unterschiedliche Weise aufgeladen wird. Entweder er bleibt fest installiert oder er wird zum Laden entnommen. Viele Geräte lassen sich auch per USB-Kabel laden. Möglich ist es zudem, die E-Zigarette per Bluetooth mit einem Smartphone zu verknüpfen, um die konsumierte Nikotinmenge zu überprüfen. Hinzu kommt das Mundstück, gegebenenfalls auch Drip Tip genannt.

E-Liquid: Tabakaroma oder Tiramisu?

Das Liquid ersetzt beim Dampfen den Tabak. Es ist eine Mixtur aus verschiedenen Flüssigkeiten, besteht aber im Wesentlichen aus "Basis", Aroma und gegebenenfalls Nikotin. Die Basis (häufig auch Englisch "Base" genannt) beinhaltet Wasser, Glycerin und Propylenglykol, allesamt als Lebensmittelzusatz zugelassen. Die Nikotinmenge des eigenen Liquids kann selbst festgelegt werden. Auch 0 Milligramm sind möglich, durchschnittliche Raucher liegen etwa bei 12 Milligramm pro Milliliter. Der gewünschte Geschmack wird über die Aromen erreicht, von denen es Hunderte Geschmacksrichtungen gibt. Letzten Endes ist die Auswahl eine Frage der persönlichen Vorlieben. Neben klassischer Tabakaromen gibt es auch eher abseitige bis fantasievolle Angebote, von Apfel und Banane über Cola bis zu Honig und Tiramisu.

Der Umstieg zur E-Zigarette: Die Kosten für ein Starterset

E-Zigaretten sind in der Regel eher ein Umsteiger- als ein Einsteiger-Produkt. Laut Studien beginnen nur in seltenen Fällen Nichtraucher mit einer E-Zigarette. Die so genannte "Gateway-Hypothese", also die medizinische Theorie zur Einstiegsdroge, hat sich hier bislang nicht bestätigt. Ein aufschlussreicher Artikel zum Thema E-Zigarette als Einstiegsdroge in den Tabakkonsum für Jugendliche wurde Ende 2016 in der ÄrzteZeitung veröffentlicht.

Wer umsteigen will, kommt um eine persönliche Beratung in einem Shop nicht herum, nachdem der Markt auf den ersten (und auch auf den zweiten) Blick vollkommen unübersichtlich erscheint. Viele Anbieter werben mit sogenannten "Startersets" für Einsteiger, die preislich zwischen 30 und 100 Euro liegen. Sie sollten die E-Zigarette mit Akku-Träger, Verdampfer, Ladegeräte samt Adapter, Ersatz-Verdampferköpfe (Coilhead), Mundstücke und Bedienungsanleitung enthalten. Die Laufzeit des Akkus sollte gerade bei regelmäßigen Rauchern nicht zu kurz sein.

Nutzer von E-Zigaretten raten dazu, sich danach schrittweise an das passende individuelle Produkt heranzutasten und sich insofern nicht in überhöhte Erstausgaben zu stürzen. Wer qualitativ gute Ware will, sollte anfangs nicht unter 40 bis 50 Euro planen. Abzuraten ist von sogenannten "Cigalikes" - Mini-E-Zigaretten, die wie echte Zigaretten aussehen und besonders einfach zu handhaben sind, da sie lediglich aus einem Liquid-Depot und Akku bestehen (und deswegen häufig als "Depot E-Zigaretten" bezeichnet werden. Zum einen gehören sie in der Regel in ältere Produktlinien, zudem könnten andere in öffentlichen Räumen die E-Zigarette für eine Tabak-Zigarette halten. Der Ärger wäre vorprogrammiert. Dazu kommt, Cigalikes nicht die Vielfalt von Aromen der modular aufgebauter E-Zigaretten bieten, da jede Mini-E-Zigarette über einen fest verbauten Liquid-Tank verfügt. Dementsprechend gibt es nur eine begrenzte, massentaugliche Auswahl an Geschmacksrichtungen.

Wo gibt es E-Zigaretten - Tipps für Käufer

Nach einer Beratung vor Ort bleiben die meisten E-Dampfer entweder "ihrem Shop" treu oder machen sich auf die Suche nach preiswerten Alternativen im Netz. Die Zahl der Dampfer-Shops ist riesig. Inzwischen gibt es aber auch seriöse Vergleichsseiten im Netz, bei denen unterschiedliche E-Zigaretten ebenso wie Liquids unter die Lupe genommen werden. Alle Ersatzprodukte lassen sich im Netz, durchaus auch bei großen Versandhändlern bestellen. Offline sind Tankstellen, Apotheken und auch Tabakläden sinnvolle Alternativen zum Bezug von E-Zigaretten und Liquids.

Wartung, Nachfüllen und die laufenden Kosten

Mit vielen Dampfern verhält es sich wie einst mit dem Pfeifenrauchern. Sie entwickeln ein geradezu liebevolles Verhältnis zu ihrem Produkt. Was in gewisser Hinsicht auch notwendig ist: So sind die Verdampfer Verschleißteile, die nach einer gewissen Zeit gereinigt oder entsorgt werden müssen. Verdampferköpfe halten je nach Gebrauch etwa 7 bis 30 Tage, was Zusatzkosten pro Monat von etwa bis zu 12 Euro bedeutet. Ebenso lohnt ein regelmäßiger Blick auf das Gewinde zwischen Akku und Verdampfer. Es sollte ab und an mit einem Lappen gereinigt werden.

Auch der Akku wird nach spätestens einem Jahr ausgetauscht werden müssen. Wer zu häufig, zu spät oder zu lange auflädt, schadet dem Akku. Ebenso zu vermeiden sind, wie bei jedem elektrischen Gerät, übermäßige Hitze und Feuchtigkeit. Die Akku-Kosten variieren und liegen bei etwa 10 bis 20 Euro. Nachzukaufen sind zudem die Mundstücke. Ein riesiger Markt hat sich beim Zubehör entwickelt. Vor allem Dampfertaschen sind gefragt, aber auch Etuis und Ständer.

Liquids für E-Zigaretten haben ein Mindesthaltbarkeitsdatum und sollten dunkel und kühl gelagert werden. Kostenpunkt: rund 30 Euro im Monat.

Ist "Dampfen" gut für die Gesundheit?

Natürlich ist es das nicht. Aber fraglos ist es um ein Vielfaches weniger schädlich als Rauchen. Unter dem Titel "E-cigarettes safer than smoking says long-term study" veröffentlichte die britische Cancer Research UK im Februar Ergebnisse einer ersten Langzeitstudie: Die toxischen Werte im Körper der Teilnehmer waren deutlich niedriger als bei Tabakrauchern. Teer, Kohlenmonoxid und weitere schädliche Stoffe fallen weg. Über den Schadstoff Nikotin und dessen Menge entscheidet der Dampfer selbst. Die durch das Passivrauchen entstehende Gefahr entfällt bei E-Zigaretten völlig, da das Nikotin nicht weitergegeben wird. Viel diskutiert wird derweil vor allem über die Aromastoffe, von denen bisweilen hohe Konzentrationen aufgenommen werden. Die Zeitschrift ÖkoTest führt hierzu eine Studie von Professor Hermann Fromme des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit an, nach der Emissionen von E-Zigaretten durchaus für Passivdampfer nachweisbar sind. Generell gilt, was eigentlich inzwischen jeder weiß: Naturgemäß gibt es zum Dampfen, das seit 2010 in Deutschland en vogue ist, noch keine verlässlichen Langzeitstudien. Die Auflagen sind klar: Der Verbraucher muss durch Hinweise auf der Verpackung über die Inhaltsstoffe des Liquids aufgeklärt werden. Die Wissenschaftler Londoner Royal College of Physicians halten die E-Zigarette für eine gute, weil gesündere Alternative zum klassischen Tabak. Die typischen Raucherrisiken könnten bis auf 5% minimiert werden. Ein Überblick der E-Zigaretten-Analyse in Englischer Sprache kann auf der Webseite des British Journal of Industrial Medicine nachgelesen werden.

Taugt das "Dampfen" zur Raucherentwöhnung?

Aufhören dank E-Zigarette? Ein hehres Ziel! Viele Raucher steigen um, weil sie sich auf diesem Wege den "Anfang vom Ende" erhoffen. Ob das gelingt, ist noch nicht einheitlich geklärt, jedoch eher unwahrscheinlich. Wer seine Gesundheit im Blick hat und aufhören will, sollte Rat bei seinem Arzt oder der Krankenkasse einholen. Als sicher gilt zunächst, dass die Umstellung auf E-Zigaretten bei der Mehrheit der Raucher funktioniert. Rund drei Viertel der Dampfer greifen nicht mehr zur gewöhnlichen Zigarette. Zudem lässt sich die Nikotinmenge regulieren, also auch schrittweise herunterfahren.

Ob man letzten Endes völlig davon loskommt, bleibt hier wie dort eine Frage der Disziplin und des Willens. Anders als andere Entwöhnungs-Angebote wie etwa Nikotinpflaster oder Kaugummis, belassen E-Zigaretten jedoch das Ritual, das jeder kräftige Raucher als wesentlichen Teil seiner Sucht nennen würde. Bedeutet: Man hat was in der Hand, nimmt einen Zug, atmet etwas ein. Aber: Dampfen ist nicht Rauchen. Und es fühlt sich auch nicht so an. Aber es werden Parallelen hinsichtlich Geschmacks und des individuellen Empfindens in Mund- und Halsraum erzeugt. Auch eine Wolke entsteht.

Probleme bei der Umstellung auf die E-Zigarette

Gerade starke Raucher beklagen nach der Umstellung immer wieder Kopfschmerzen oder auch Schwindelgefühle. Die Ursache dafür liegt vor allem in der Zugtechnik – das kennt jeder, der schon einmal von starken auf sehr leichte Zigaretten umgestellt hat. Zudem wirkt das Nikotin einer Zigarette innerhalb von Sekunden, nikotinhaltiges Liquid aber erst nach einigen Minuten.

Vorteile der E-Zigarette

Wer dampft, hat nicht unter einigen der bekannten Begleiterscheinungen des Rauchens zu leiden. Neben den oben genannten gesundheitlichen Vorzügen des Dampfens im Gegensatz zu normalen Zigaretten, kommen zudem einige weitere positive Aspekte zum Tragen: Die Wände in der Wohnung bleiben weiß. Die Zähne ebenso, Finger verfärben sich nicht. Die Kleidung riecht nicht mehr nach Rauch.

E-Zigarette: Nutzung im Flugzeug, Büro, Zug oder an der Tankstelle

Manches ist hier klar, das meiste nicht. Sicher ist: Elektronische Zigaretten dürfen nicht an Kinder und Jugendliche verkauft werden. Ein generelles Verbot ist aber nicht in Sicht. Da bei einer E-Zigarette kein Tabak verbrannt wird, fällt sie nicht unter den Begriff des Rauchens aus dem Nichtraucherschutzgesetz. Bedeutet: Ja, es darf eigentlich überall gedampft werden, sofern Betroffene nicht von ihrem Hausrecht Gebrauch machen. Am Arbeitsplatz kann die E-Zigarette also zum Einsatz kommen. Jedoch geht es im Büro wie anderorts auch um die zwischenmenschliche Komponente. Viele Nichtraucher stehen dem immer noch recht ungewohnt wirkenden Produkt skeptisch gegenüber. Hier sind, Dampfer kennen das, permanente Erklärungen an der Tagesordnung. In jedem Fall entfällt die bekannte Geruchsbelästigung.

Aber: An öffentlichen Orten, wie zum Beispiel Bahnhöfen, gilt in der Regel die jeweilige Hausordnung. Und die besagt, etwa im Falle der Deutschen Bahn, dass das Dampfen im Zug und am Bahnhof außerhalb des gekennzeichneten Raucherbereiches untersagt ist. In Restaurants oder Diskotheken darf ebenso der jeweilige Hausherr entscheiden. An Tankstellen gilt ein völliges Rauchverbot zur Risikominimierung von Explosionen durch Benzindämpfe. Dementsprechend sollten dort weder normale noch E-Zigaretten konsumiert werden.

Fast alle Fluggesellschaften untersagen das Dampfen ebenso wie das Rauchen. Jedoch müssen der Internationalen Luftfahrtorganisation ICAO zufolge E-Zigaretten beim Fliegen ins Handgepäck. Es seien Vorfälle bekannt geworden, "bei denen sich die Heizelemente irrtümlich einschalteten und so Brände im Gepäck verursachten", erklärte ICAO-Ratspräsident Olumuyiwa Benard Aliu. Auch Liquids müssen ins Handgepäck, was kein Problem darstellt, nachdem in der Regel die erlaubte Flüssigkeitsmenge von 100 Milliliter nicht überschritten wird.

Weitere Fragen & Antworten zur E-Zigarette

Lösen E-Zigaretten Rauchmelder aus? Normalerweise nicht, außer man bläst den Dampf direkt in das Gerät. Auf Flugzeugtoiletten oder in manchen Hotels befinden sich jedoch weit empfindlichere Geräte, sodass hier unbedingt Zurückhaltung angesagt ist.

Ist es möglich, sein eigenes Liquid zu mischen? Ja. Benötigt werden dazu Basisliquid (mit oder ohne Nikotin) und Aroma. Dazu Messbecher, Spritzen und leeren Flaschen. Im Netz finden sich Anleitungen und Dosierungsempfehlungen zuhauf. Letzten Endes ist es aber auch, was das Aroma betrifft, eine Frage des Geschmacks.

Spart man mit E-Zigaretten Geld? Die Erfahrung zeigt: Nach den notwendigen Anfangsinvestitionen fahren Dampfer preiswerter als Raucher, zumal auch keine Tabaksteuer anfällt. Dabei hängen die Kosten, wie beim Tabak auch, schlicht von der Menge ab. Im Netz finden sich sogar praktische Vergleichsrechner. Wer sich von der Technik nicht abschrecken lässt, kann zudem sparen, indem er selbst "wickelt". Bedeutet: Nachdem Einweg-Verdampfer eine begrenzte Lebensdauer haben, gibt es so genannte Selbstwickler. Hier wickelt der Dampfer selbst eine neue Heizspirale (häufig auch als die Englische Begriffsentsprechung "Coil" bezeichnet) und beeinflusst so ganz nebenbei auch die Dampfentwicklung nach oben oder unten. Hier empfiehlt sich eine Videorecherche bei Youtube zu den entsprechenden Schlagworten.

Was ist dran an den Unfall-Storys bei E-Zigaretten? Immer wieder sind in den Medien Geschichten zu lesen, in denen über Verletzungen als Folge von explodierenden E-Zigaretten berichtet wird. Die meisten davon stammen aus dem Ausland. Wichtig bleibt, dass keine Zubehörteile verwendet werden, deren Herkunft nicht eindeutig klar ist. Markenprodukte besitzen eine Abschaltautomatik, die eine Überhitzung oder Überlastung der Batterie verhindert. Zudem sollten nur Ladekabel verwendet werden, die für E-Zigaretten vorgesehen sind. Inzwischen gibt es auch hier Plagiate. Bei regulärem Gebrauch gilt eine E-Zigarette nicht als gefährlich, sondern als ebenso sicher wie Laptops oder Smartphones. Dementsprechend lohnt sich eine umfassende Beratung zu verlässlichen Markenprodukten rund um die E-Zigarette bei einem lokalen Anbieter Ihres Vertrauens.

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