Zverev vor Geister-Achtelfinale in Melbourne

Die Corona-Lage in Melbourne hat sich wieder verschlechtert. Die Metropole am Yarra River geht daher für fünf Tage in den Lockdown. Die Australian Open werden fortgesetzt - Zuschauer sind aber auch im Achtelfinale des besten deutschen Tennisprofis nicht mehr erlaubt.
| Von Lars Reinefeld und Wolfgang Müller, dpa
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Locker ins Achtelfinale der Australian Open: Alexander Zverev in Aktion.
Locker ins Achtelfinale der Australian Open: Alexander Zverev in Aktion. © Andy Brownbill/AP/dpa
Melbourne

Alexander Zverev machte sich nach seinem lässigen Achtelfinal-Einzug bei den Australian Open über die Unfähigkeit seines Bruders Mischa an der Playstation lustig und scherzte blendend gelaunt mit den Fans im Stadion.

Wenn der letzte im Feld verbliebene deutsche Tennisprofi am Sonntag jedoch um ein mögliches Viertelfinal-Duell mit dem Titelverteidiger und Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic kämpft, muss er auf die Unterstützung des Publikums und die Interaktion mit seinen zahlreichen Anhängern verzichten.

Weil für Melbourne wegen des Corona-Ausbruchs in einem Flughafen-Hotel ein fünftägiger Lockdown verhängt worden ist, geht das erste Grand-Slam-Turnier der Saison vorerst ohne Zuschauer weiter. Während des Lockdowns, der am 12. Februar um 23.59 Uhr im gesamten Bundesstaat in Kraft treten soll, bleiben Schulen und Geschäfte geschlossen, Restaurants dürfen nur Speisen zum Abholen anbieten. Menschen dürfen ihre Häuser und Wohnungen nur für wichtige Dinge verlassen, außerhalb der eigenen vier Wände herrscht Maskenpflicht.

Die Regierung stufte allerdings Profisportler in die Gruppe der "notwendigen Berufe" ein, weshalb Zverev & Co. trotz der neuen Einschränkungen weiterspielen dürfen. Allerdings sind vom 13. Februar auf der Anlage im Melbourne Park zunächst für die kommenden fünf Tage keine Zuschauer mehr erlaubt.

"Wir arbeiten weiter eng mit der Regierung zusammen, um die Gesundheit und die Sicherheit von allen Beteiligten zu gewährleisten" sagte Turnierdirektor Craig Tiley. "Die Spielerinnen und Spieler werden sich die kommenden fünf Tage in einer sogenannten Blase aufhalten, so wie sie es bereits seit Monaten gewohnt sind." Das heißt, sie werden nur zwischen Anlage und Hotel hin und her pendeln.

Der Ausschluss der Zuschauer bedeutet für die Veranstalter einen weiteren Rückschlag. Schon vor dem Start war das Grand-Slam-Turnier von Corona beeinflusst worden. Zunächst hatten sich mehr als 70 Profis sowie Betreuerinnen und Betreuer für zwei Wochen in harte Hotel-Quarantäne begeben müssen, weil es auf ihren Flügen Corona-Fälle gegeben hatte. Dann hatten sich mehr als 500 Personen für etwa einen Tag isolieren müssen, weil ein Hotel-Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden war.

"Es ist natürlich schade für jeden Spieler. Tennis ohne Zuschauer ist anders. Wir spielen für die Zuschauer, wir spielen für die Momente auf den großen Plätzen vor 20.000 Menschen", sagte Zverev nach dem beeindruckenden 6:3, 6:3, 6:1 gegen den Franzosen Adrian Mannarino und vor dem Achtelfinale gegen den Serben Dusan Lajovic.

Der 23 Jahre alte Hamburger wird seit dem vergangenen Jahr, als er einen Teil seines Preisgeldes für die Opfer der australischen Buschfeuer spendete und vor Turnierbeginn an den Benefizspielen "Rally for Relief" teilnahm, von den australischen Fans geliebt.

"Ob man Publikumsliebling ist oder nicht, man vermisst die Menschen so oder so. Aber die Gesundheit geht vor. Man muss auf sein Land achten, was für die Australier Australien ist, daher kann man das verstehen", sagte der Weltranglisten-Siebte. "Ein Tennisturnier ist nicht das Wichtigste auf der Welt für die Menschen jetzt gerade. Das Wichtigste ist die Gesundheit. Und darauf achten sie jetzt auch."

Für Zverevs Davis-Cup-Kollegen Kevin Krawietz ist das Turnier schon beendet. Mit Yannick Hanfmann im Doppel und Laura Siegemund im Mixed schied der Coburger am Freitag aus. Hanfmann war kurzfristig für den am Knie verletzten Andreas Mies eingesprungen, mit dem Krawietz 2019 und 2020 die French Open gewonnen hatte. Laut Krawietz wurde Mies inzwischen in Deutschland am Knie operiert. "Er ist erst einmal sechs Monate raus", sagte Krawietz über seinen Doppel-Partner. Damit dürfte Mies auch für die Olympischen Spiele in Tokio ausfallen. "Olympia wird eng. Das ist extrem bitter", sagte Krawietz.

© dpa-infocom, dpa:210212-99-412591/3

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