"Wenn der Felix gesund ist, ist er für eine Medaille gut"

Am 6. Februar startet die Ski-WM in St. Moritz. Exklusiv für die AZ checkt Olympiasieger Wasmeier die deutschen Starter und die Favoriten.
von  Interview: Thomas Becker
"Wenn der Felix gesund ist, ist er auf jeden Fall für eine Medaille gut", sagt Wasmeier über Neureuther.
"Wenn der Felix gesund ist, ist er auf jeden Fall für eine Medaille gut", sagt Wasmeier über Neureuther. © Ursula Düren/dpa/AZ

München - Die AZ hat mit Markus Wasmeier gesprochen. Der 53-Jährige aus Schliersee wurde 1994 Doppel-Olympiasieger in Super-G und Riesenslalom, 1985 war er Weltmeister im Riesenslalom.

AZ: Herr Wasmeier, nächste Woche beginnt die Ski-WM in St. Moritz. Was trauen Sie der Truppe um Neureuther zu?
Markus Wasmeier: Generell gilt immer das gleiche Prinzip: Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele haben eigene Gesetze. Die Favoriten erreichen nicht immer das, was sie sich so vorstellen. Klar gibt es Überflieger wie Marcel Hirscher oder Henrik Kristoffersen, die nur schwer zu schlagen sind. Aber plötzlich steht auch mal ein Stefan Luitz auf dem Stockerl, kann auch mal einer von ganz hinten kommen wie der Linus Strasser – alles ist möglich. Gerade bei Weltmeisterschaften gibt es immer mal wieder Überraschungssieger. Und wenn der Felix gesund ist, ist er auf jeden Fall für eine Medaille gut. Für Gold braucht er schon einen richtig guten Tag, an dem alles zusammenpasst. Die Luft ist dünn geworden da oben. Die Dichte ist gnadenlos.

Wobei man schon den Eindruck hat, dass Hirscher und Kristoffersen nochmal in einer eigenen Slalom-Liga fahren...
Würde ich gar nicht sagen. Es hat schon Rennen gegeben, wo es ganz anders ausgeschaut hat. Auch die beiden haben mal Fehler gezeigt und sind jetzt nicht unschlagbar. Und alle Fahrer werden bei der WM brutal riskieren – da wird keiner auf Punkte für die Startliste fahren. Da gibt jeder Gas.

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Wie gut sind die Abfahrer?
Das war schon viel schlimmer. Die Entwicklung ist schön, nicht so rasant wie bei den Technikern. Es gehen uns halt ein paar Burschen ab, die verletzt sind – immer ausgerechnet dann, wenn sie schnell waren. Andreas Sander gefällt mir sehr gut. Der bringt brutal viel Engagement und Körpersprache mit. Wobei St. Moritz eine Strecke ist, auf der man sehr geschmeidig fahren und nicht zu viel in den Boden pressen sollte. Auch Sepp Ferstl hat seine guten Läufe. Wenn er mal ohne Patzer das Ziel sieht, ist er richtig schnell. Von einer großen Medaillenchance würde ich bei den Abfahrern nicht sprechen. Das Potenzial unter die Top 5 zu fahren, haben sie.

Wie schätzen Sie die Lage bei den DSV-Frauen ein?
Es ist in der Geschichte selten der Fall gewesen, dass die Mädels so ein Dilemma hatten. Die Viki Rebensburg ist die einzige Medaillenkandidatin, in Abfahrt, Super G und Riesenslalom. Bei ihr ist es stark von der Tagesform abhängig. Ich hoffe, dass sie die Aggressivität findet, alles zu geben. Dann hat sie schon gute Chancen.

Und sonst?
Lena Dürr wäre noch die einzige, die raussticht. Danach wird’s schon schwierig. Ich hoffe nur, dass vier Deutsche am Start sind. Bei einer Weltmeisterschaft gehört sich das einfach, die vier Startplätze pro Nation auch zu besetzen. Es gibt ja auch noch den Team-Wettbewerb – da sollte man schon ein zweites Mädel dabei haben, denn die Viki Rebensburg wird dafür eher nicht in Frage kommen. Sobald der Kurs sehr drehend wird, hat sie Probleme. Dieser Parallelslalom ist nicht so ihre Disziplin. Diejenigen, die da schnell sind, das sind ganz eigene Typen. Selbst Hirscher und Kristoffersen haben da keine Chance.

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Was ist von Größen wie Lindsey Vonn, Anna Veith oder Mikaela Shiffrin zu erwarten?
Anna Veith ist zuletzt wieder ein richtig gutes Rennen gefahren. Wenn bei ihr die Sicht gut ist – was in St. Moritz mit den wenigen Kontrasten nicht immer die Regel ist –, hat sie durchaus Siegchancen. Vonn wird eine der Favoritinnen in Abfahrt und Super G sein, so wie Shiffrin im Slalom und Riesenslalom. Auch die Italienerinnen haben da gute Karten. Die haben eine sehr geschlossene Mannschaft. Und im Riesenslalom ist da natürlich noch Tessa Worley, die Französin. Die ist der Wahnsinn!

Sonst noch einen Geheimtipp, an den keiner glaubt?
Ich bin gespannt, was die Österreicher heuer machen. Im Slalom ist Hirscher gesetzt, klar. Aber dahinter stehen mit Marc Digruber, Michael Matt, Marco Schwarz und Manuel Feller auch ein paar Junge bereit, die gute Rennen fahren, wenn die Verhältnisse stimmen. Wenn einem von denen mal zwei Läufe aufgehen, dann kann der auch gewinnen. Es wird auf alle Fälle spannend.