Wie viel ist Lauth wert?

Die Löwen bieten dem Top-Torjäger 150.000 Euro Gehalt weniger, der Star zögert zu bleiben. Die AZ fragt im 1860-Umfeld nach.
von  Joscha Thieringer

Die Löwen bieten ihrem Top-Torjäger Benny Lauth 150.000 Euro Gehalt weniger, der Star zögert. Die AZ fragt im 1860-Umfeld nach

München - Unbestritten, Benny Lauth besitzt beim TSV 1860 eine Sonderrolle. Dafür sind nicht nur seine zehn Saisontore verantwortlich, sondern vor allem seine Verbundenheit zu den Löwen, die vor bald 20 Jahren in der D-Jugend seinen Anfang nahm. Seinen Namen schreien die Fans vor dem Spiel besonders laut.
Wie sollen die 1860-Verantwortlichen also mit Benny Lauth umgehen, dem die Löwen-Bosse, allen voran der neue Präsident Dieter Schneider, eine Kürzung seines Gehalts um 150000 Euro – 450.000 statt 600.000 Euro pro Jahr – angeboten haben sollen? Wie viel ist ein Star wie Lauth wert? Wie wichtig ist er für den TSV 1860? Die AZ hat sich umgehört

Fredi Heiß (Meister-Löwe) : „Es müsste doch möglich sein, dass sich irgendein Sponsor bereit erklärt, ein bisschen Geld dazu zu schießen, damit es mit der Verlängerung klappt. Das hat doch bislang irgendwie immer funktioniert. Lauth ist bei 1860 ein Ausnahmespieler, der auch gar nicht gehen will. Ich bin überzeugt, dass sie sich einigen.”

Stefan Schneider (Stadionsprecher): „Die Liebe zum Verein muss schon sehr groß sein, wenn man von ihm verlangt, auf Geld zu verzichten. Man sollte auch die Profi-Seite sehen: Die können nur bis 35 Jahre Fußball spielen. Bei den Fans ist Benny Identifikationsfigur und Publikumsliebling. Es wäre schade, wenn es am Ende an 50 000 Euro scheitern würde."

Michael Hofmann (Ex-Teamkollege):  „Natürlich wird Benny kein Geld verschenken wollen, er ist jetzt 29, es geht wohl um seinen letzten höher dotierten Vertrag. Das ist der Unterschied zu Biero (Daniel Bierofka, d. Red.), der mit seinen Zugeständnissen ein tolles Zeichen gesetzt hat. Als Sechzig-Fan sähe ich es gern, wenn er bliebe: Er hat eine unglaublich große Qualität, die einzigartig in der Liga ist.”

Olaf Bodden (Ex-Löwen-Stürmer): „Endlich sind bei 1860 Leute am Werk, die den Sparkurs durchziehen. Sechzig kann und darf nicht mehr solche Gehälter bezahlen. Nur Herthas Kader ist teurer, das muss man sich mal vorstellen! In Oberhausen verdient keiner mehr als 10000 Euro im Monat und die spielen keinen Deut schlechter. 450 000 Euro für Lauth? So viel hat man noch vor ein paar Jahren als Toptorjäger in der Bundesliga bekommen! Aufwachen, Leute: Wir sind in der 2. Liga! Hört auf mit den Sentimentalitäten: Wenn Lauth in Augsburg mehr Geld bekommt, dann soll er eben gehen.”

Hans Vonavka (Pro-1860-Sprecher): „Wegen mir kann er sich verziehen. Wenn er ein echter Löwe ist, muss er seinen Beitrag leisten. Wieso sollte ich mit einem Mitleid haben, der 450.000 Euro verdienen soll? Entweder man zieht die Sanierung durch oder man lässt es sein. Lauth ist eh bei allen anderen Vereinen gescheitert, er ist halt eher ein Mitläufer und kein Leader.”  

Franz Hell (1860-Delegierter): "Mir würde es unglaublich leid tun, wenn Benny Lauth 1860 verlassen würde. Es wäre ein weiterer großer Stein, der vom Verein wegbrechen würde. Für mich ist Lauth 1860 – er spiegelt wider, was den Verein früher so stark gemacht hat: Er trägt Sechzig im Herzen. Eine Verlängerung mit Lauth wäre deswegen ein Zeichen an die vielen enttäuschten Löwen-Fans: Wir verlieren das Ziel Aufstieg nicht aus den Augen, wir haben eine sportliche Perspektive. Ich glaube, dass eine Sanierung des Vereins nur mit sportlichem Erfolg möglich ist."

Theo Waigel (Ex-Bundesfinanzminister und 1860-Fan): "Das ist eine schwierige Abwägungsfrage. Natürlich wäre es schön, wenn so ein Spieler wie Benny Lauth, der eine emotionale Beziehung zu 1860 hat und sich in den Spielen immer wieder in Szene setzen und Tore schießen konnte, gehalten werden könnte. Aber ich mag dem neuen Präsidenten keine Ratschläge erteilen – ich wäre ja auch stocksauer, wenn das jemand mit mir machen würde."