Stevic: "Im Moment ist hier keiner glücklich"

 Nach den Negativ-Schlagzeilen über die Finanzmisere des Fußball-Zweitligisten passt es nun auch sportlich nicht. So langsam gehen die Blicke sogar gen Tabellenkeller.  
von  dpa
Hat wie immer viel zu tun: Miki Stevic.
Hat wie immer viel zu tun: Miki Stevic. © sampics/Augenklick

Nach den Negativ-Schlagzeilen über die Finanzmisere des Fußball-Zweitligisten passt es nun auch sportlich nicht. So langsam gehen die Blicke sogar gen Tabellenkeller.

München – Der finanzielle Absturz ins Nichts konnte erst einmal noch abgewendet werden, doch nun droht Fußball-Zweitligist TSV 1860 München auch sportlich der freie Fall ins Jammertal. Nur fünf magere Punkte fuhren die Löwen in den bisherigen sechs Rückrunden-Partien ein, anstelle der erhofften Aufstiegszone könnte bei einer weiteren Pleite am Freitag bei Union Berlin der Tabellenkeller immer näher rücken. „Wir müssen schnell die 40-Punkte-Grenze erreichen, um gar nicht erst Druck von unten aufkommen zu lassen“, weiß 1860-Trainer Reiner Maurer um die angespannte Situation.   

Seit Monaten sorgt die finanzielle Krise der Löwen für immer neue Negativ-Schlagzeilen, doch spätestens mit der Derby-Heimpleite gegen den FC Augsburg ist die sportliche Misere ins Blickfeld gerückt. „Die Momentaufnahme ist enttäuschend, keine Frage“, räumte Sportdirektor Miroslav Stevic ein. Und Geschäftsführer Robert Schäfer bemängelte: „Unser Spiel geht nicht in die richtige Richtung. Dass wir sportlich insgesamt vorankommen, das sehe ich momentan nicht.“ Er könne im Spiel der Münchner einfach „keine Philosophie erkennen“.„    

Das geht natürlich vor allem gegen Trainer Maurer und Sportdirektor Stevic. „Ich habe einen Vertrag bis Saisonende und versuche, meinen Job jeden Tag mit Leidenschaft und Begeisterung zu machen. Andere Sachen kann ich nicht bestimmen“, betont Stevic zu seiner ungewissen Zukunft in München. „Im Moment ist hier keiner glücklich, ich am wenigsten“, zeigt sich Trainer Maurer frustriert.    

„Denkbar ist alles“, sagte Schäfer lediglich auf die Frage, ob Maurer und Stevic auch in der neuen Saison noch beim Münchner Traditionsclub sein werden. Erst nach der Lizensierung Mitte März werde sich die Vereinsführung mit der Planung für die nächste Saison befassen. „Den Gesprächen möchte ich nicht vorgreifen.“    

Die „Seuchen-Saison“ 2010/2011 scheint kein Ende zu nehmen. Erst der Punktabzug, dann der Kampf ums finanzielle Überleben – durch Gehaltskürzungen und Spielerverkäufe im Winter konnte die Saison gerade noch gerettet werden. Und ein Ende des harten Sparkurses ist nicht in Sicht: „Die Sanierung ist eine Drecksarbeit und wird mindestens drei Jahre dauern“, sagt Präsident Dieter Schneider. Zu allem Überfluss sind die Zeiten vorbei, in denen die Allianz Arena beim Zweitligisten gut gefüllt war. Nun herrscht gähnende Leere, meist kommen nicht einmal 20 000 Fans zu den „Löwen“-Heimspielen.    Die junge Mannschaft leidet unter der Flut von Negativ-Nachrichten. Youngster Kevin Volland sieht etwa eine „Blockade vor dem Tor“ – auch angesichts von vier Rückrundentreffern und 13 Saison-Heimtoren. „Uns fehlt vorne die Leichtigkeit“, sagt Stürmer Benjamin Lauth, dessen Verbleib angesichts der auch von ihm geforderten Gehaltskürzung unklar ist. „Es ist viel Unsicherheit im Spiel.“