Maurer rüffelt die Junglöwen

1860-Trainer Reiner Maurer vor dem Frankfurt-Spiel: Nicht alle werden so gut wie Leitner oder Volland – auch wenn sie’s glauben.
von  Marco Plein
Löwen-Trainer Reiner Maurer.
Löwen-Trainer Reiner Maurer. © sampics

MÜNCHEN - Die Übermannschaft der Liga bietet den Löwen kurz vor Ende der Hinrunde noch mal die Gelegenheit, das Halbjahr mit einem positiven Gefühl zu beenden. Dass Eintracht Frankfurt in dieser Saison auch nach 15 Spielen noch ungeschlagen ist, bedeutet für 1860-Sportchef Florian Hinterberger die „Chance, noch mal ein richtig dickes Ausrufezeichen zu setzen. Ich schreibe die Saison jedenfalls noch nicht ab. Wenn wir gegen Frankfurt was holen, wäre das der beste Beweis dafür."

Freilich haben die Löwen in dieser Saison wohl kaum noch ernsthafte Chancen, des Topquartett der Liga – neben Frankfurt gehören auch Düsseldorf, St. Pauli und Fürth dazu – anzugreifen, und deswegen beschäftigt sich Löwen-Trainer Reiner Maurer lieber mit der Feinarbeit an seinem eigenen Kader. Dort jedoch sind ihm nun neue Tendenzen aufgefallen, die ihn nun zornig verwunderten: Maurer missfällt die Einstellung seiner Nachwuchsspieler - und deswegen weist er die Talente vehement zurecht.

Freilich, unter der Regie des Allgäuers hat der heute für Borussia Dortmund spielende und als Kandidat für die Nationalelf geltende Moritz Leitner den Sprung zu den Profis geschafft. Auch den bereits an Hoffenheim verkauften Kevin Volland hat Maurer herausgebracht; zudem verhalf er dem Verteidiger Christopher Schindler zu einer festen Rolle bei den Profis. Doch nun will der Trainer bemerkt haben, dass die nachrückenden 18- und 19 Jahre alten Talente dermaßen ungeduldig geworden sind, sodass er darauf mit klaren Worten reagierte: „Den jungen Spielern kann es heute nicht schnell genug gehen. Die trainieren ein paar Mal mit und denken sofort, sie müssten bei den Profis auch spielen. Die wissen die Chance nicht zu schätzen, was es heißt, bei den Profis trainieren zu dürfen."

Und weiter: „Die wollen alle sofort wie den Leitner-Weg oder den Volland-Weg gehen, alle wollen sofort der nächste Shooting-Star werden und so schnell wie möglich in die erste Liga. Aber vielleicht sollte man sich auch mal fragen: Ist man überhaupt gut genug? Wenn ich mir jedenfalls unseren Nachwuchs anschaue, dann muss man auch einfach mal erkennen, dass nicht immer solche Kanonen wie die Benders oder einen Gebhart dabei sind."

Freilich nennt Maurer keine Namen, und doch ist klar, dass er sich auf die vereinseigenen Talente Markus Ziereis (19), Sebastian Maier (18), Daniel Hofstetter (19), Daniel Jais (18) und Phillipp Steinhart (19) bezieht, die mit der Ausnahme von Maier bei den Profis diese Saison noch nicht zum Einsatz gekommen sind Der 51-Jährige stört sich auch gewaltig an den Spielerberatern, die ihren Schützlingen „ständig einreden, dass sie spielen müssten" und somit die Entscheidungsgewalt des Trainer missachteten. „Ich will und muss ja eigene Talente einbauen, aber das geht nicht auf Teufel komm raus."

Unterstützung erhält Maurer von Christopher Schindler, der im vergangenen Jahr den Sprung zu den Profis schaffte und heute nah dran ist am Stammposten. „Wenn man sieht, wie schnell ein Leitner den Sprung nach ganz oben geschafft hat, kann einen das schon ungeduldig machen”, sagt der U21-Nationalverteidiger. „Aber man darf sich an so einem Beispiel nicht orientieren. Ich habe mich auch nie an den Benders orientiert, da hätte ich ja nur scheitern können.” Schindler weiter: „Die Talente werden heute immer schneller und jünger Profis, das ist ja schon im Vergleich zu mir fast eine andere Generation. Mit Ungeduld ist noch keiner weitergekommen. Ich denke, 1860 bietet mit dem Perspektivkader eine super Chance, wir haben allein drei Assistenztrainer, die sich individuell um junge Spieler kümmern. Wenn man sich darauf konzentriert, kommt man auch weiter."