Lovin im AZ-Interview: „Schwierig und sehr frustrierend“

Florin Lovin galt als der kommende Mann bei 1860. Doch nach seiner Verletzung kommt er nicht in Tritt. Er sorgt sich um seine Zukunft.
von  Abendzeitung
Will nicht länger die Bank drücken bei den Löwen: Florin Lovin
Will nicht länger die Bank drücken bei den Löwen: Florin Lovin © sampics/Augenklick

MÜNCHEN - Florin Lovin galt als der kommende Mann bei 1860. Doch nach seiner Verletzung kommt er nicht in Tritt. Er sorgt sich um seine Zukunft.

AZ: Herr Lovin, Sie galten als der Führungsspieler bei den Löwen und waren in der Vorbereitung in allen Spielen dabei. Seit dem Saisonstart sitzen Sie auf der Bank. Wie gehen Sie damit um?

FLORIN LOVIN: Das ist eine sehr komische Situation für mich. Es ist schwierig und sehr frustrierend. Ich fühle mich nicht wohl, denn ich habe so etwas noch nie erlebt und weiß eigentlich gar nicht genau, wie ich damit umgehen soll. Ich versuche es so professionell wie möglich zu nehmen.

Warum gehören Sie denn nicht mehr zur Stammelf?

Ich weiß es selbst nicht genau. Ich habe zwei schlechte Spiele gemacht. Eines in der Vorbereitung gegen Freiburg. Aber da haben einige Spieler einen schlechten Tag erwischt, das kann passieren am Ende einer harten Vorbereitung. Das andere war im Pokal. Da war ich wirklich nicht gut. Aber auch dort galt das für die ganze Mannschaft. Ich finde es schade, dass ich wegen der beiden Spiele bewertet wurde.

Trainer Reiner Maurer findet, Sie spielen zu verhalten, zu defensiv. Sehen Sie das auch so?

Eigentlich verlief die Vorbereitung gar nicht schlecht, da waren wirklich gute Spiele dabei. Nach dem Spiel gegen Dortmund soll ja sogar deren Trainer begeistert von mir gewesen sein. In Bochum saß ich trotzdem auf einmal draußen. Ich kann selbst gar nicht sagen, wieso genau. Ich habe das letzte mal zwei Wochen nach dem Trainingsauftakt unter vier Augen mit dem Trainer gesprochen. Jetzt muss ich es halt so akzeptieren, es ist die Realität. Man kann sich nichts wünschen.

Die Mannschaft spielt ohne sie allerdings auch nicht überragend. Es gab zwei Niederlagen aus drei Spielen. Hoffen Sie daher auf eine baldige Rückkehr?

Das ist eine blöde Situation für mich. Ich will ja spielen, weil der Trainer an meine Qualität glaubt und nicht, weil andere nicht gut drauf sind. Dominik Stahl und Moritz Leitner machen ihre Sache gut. Ich muss jetzt einfach härter trainieren und den Trainer überzeugen. Eine andere Chance habe ich nicht.

Wieso suchen Sie nicht das Gespräch?

Vor einem Jahr, vor meiner Verletzung (Lovin fiel sieben Monate wegen eines Kreuzbandrisses aus, d. Red.) wäre ich zum Trainer gegangen und hätte gefragt, was los ist. Damals hätte ich mich stark genug gefühlt, um auf den Tisch zu hauen. Jetzt aber bin ich einfach nur froh, gesund zu sein. Deswegen bleibe ich ruhig und warte ab.

Was sagt Ihre Familie dazu?

Ach, die unterstützt mich natürlich und gibt mir Halt. Aber klar, begeistert ist im Moment niemand. Ich werde ja auch ständig angerufen von meinem Berater und irgendwelchen Leuten aus der Fußballszene. Die sind alle überrascht und fragen mich, was los ist. Sie sagen alle, sie können nicht glauben, dass ich nicht spiele. Aber, was soll ich ihnen sagen, was soll ich machen? Ich muss das jetzt so respektieren.

Und wie geht es nun weiter?

Ich warte einfach mal ab und trainiere weiter, so gut ich kann. Vielleicht dauert es noch fünf Spiele, vielleicht noch acht oder auch zehn, bis ich wieder spielen darf. Klar ist nur, dass wir uns dringend über meine Zukunft unterhalten müssen, wenn ich bis Winter gar nicht mehr spielen sollte. Denn ich kann es mir nicht leisten, auf der Bank zu sitzen. Das ist nicht mein Anspruch.

Interview: Marco Plein