Kreuzer: "Selbst wenn ich einen Mini-Effenberg hole..."

1860-Sportchef Oliver Kreuzer spricht im Interview mit dem "kicker" über seine Zeit beim FC Bayern, sein Image, seine neue Aufgabe beim TSV 1860 und die Hierarchie in der Mannschaft. "Führungsspieler können nicht bestimmt werden"
von  AZ
Auf den Spuren der Löwen: Sportchef Oliver Kreuzer bei einer historischen Willkommenstour durch München, hier im TSV-1860-Fanheim in der Raintaler Straße.
Auf den Spuren der Löwen: Sportchef Oliver Kreuzer bei einer historischen Willkommenstour durch München, hier im TSV-1860-Fanheim in der Raintaler Straße. © sampics/Augenklick

München - Zwei Spiele, vier Punkte. Oliver Kreuzers Start beim TSV 1860 "hätte schlechter beginnen können", sagte der neue Sportchef der Löwen im Interview mit dem "kicker". nach dem 0:0 in Braunschweig folgte der 2:0-Sieg gegen den FC St. Pauli. Der Sportchef: "Euphorie wäre jetzt Fehl am Platze. Das war nur ein weiterer kleiner Schritt." Kreuzer spricht außerdem über...

die Stadt: Ich bin kein Fremder in München. Ich kenne die Stadt, habe hier immerhin sechs jahre für den FC Bayern gespielt.

seine Bayern-Vergangenheit: Es gibt sich der ein oder anderen 1860-Traditionalisten, der sagt: Das geht gar nicht. Das kann ich durchaus nachvollziehen, aber der Fußball hat sich mittlerweile sehr gewandelt. Es gibt immer wieder Spieler oder Funktionäre, die Lager gewechselt haben. Das gehört zum Fußball dazu und macht ihn ja auch so spannend. Meine Zeit bei Bayern liegt mittlerweile 18 Jahre zurück, deshalb habe ich keine große Sorge, dass mir das negativ ausgelegt wird.

die Bayern-Allstars: Am letzten Donnerstag habe ich noch mit Raimond Aumann telefoniert. Er hat mir zur neuen Aufgabe gratuliert, aber ich denke, dass ich nicht mehr bei den Bayern-Allstars spielen werde, solange ich ein Sechziger bin.

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sein Image: Ich versuche, ich selbst zu sein. Ich verstelle mich nicht gern. Es gibt Werte im Leben, an denen ich mich zu orientieren versuche. Ich war nie einer, der aufgrund sportlicher Erfolge oder Geld seine lebenseinstellung verändert hat.

seinen Plan mit Sechzig: Man muss einen Plan haben, der zum Verein passt. In unserem Fall heißt die Aufgabe und Priorität Klassenerhalt. Da helfen derzeit keine Power-Point-Präsentationen, wo wir in fünf Jahren stehen könnten. Auf Platz 17 ist Realismus angesagt. Natürlich habe ich Visionen und Ziele, aber die kommen später.

die Lage bei den Löwen: Sie ist nicht prekär. Es sind noch 57 Punkte zu vergeben. Man muss keine Panik verbreiten, aber man sollte den Tatsachen ins Auge schauen. Natürlich hat die Mannschaft mehr schlecht als recht gemacht. Trotzdem haben die Spieler mehr Qualität als Platz 16.

die Gründe für die Misere: Ich habe viele Spiele gesehen, und bei den meisten Niederlagen war die Mannschaft nicht schlechter als der Gegner. Es fehlten oft nur Kleinigkeiten, das Abschlussglück zum Beispiel. Wir erinnern uns, dass es in der Sommervorbereitung drunter und drüber ging, bis die Vertragsverlängerung von Torsten Fröhling unter Dach und Fach war, die doch sehr späten Transferentscheidungen, bis zum heutigen Tag die vielen Verletzungen etc. All das geht nicht spurlos an einer Mannschaft vorüber.

die Hierarchie im Team: In Braunschweig hielt Vitus Eicher eine Rede vor dem Spiel, da sage ich: Hut ab. Auch ein Schindler, ein Adlung haben das Poztenzial, um vorneweg zu marschieren. Da werde ich noch viel mehr einfordern. Selbst wenn ich einen Mini-Effenberg im Winter hole und sage: Das ist der neue Chef, ihm hinterher, wird das nicht funktionieren. Führungsspieler können nicht bestimmt werden. Aber natürlich gibt es gewisse charakterlicher Voraussetzungen, die man braucht, um zu führen.

Probleme zwischen Möhlmann und Kreuzer: Da gibt es nicht auszuräumen. Wir sind beide Profis und schon lange dabei, wollen den Erfolg, und der geht nur gemeinsam. Ich werde alle Entscheidungen eng zuerst mit Benno abstimmen, anschleißend mit der Geschäftsführung.