Ismaiks Blitzbesuch: Was und wen er sich für die Rückrunde wünscht

Der Löwen-Investor reist nach Troia – und bleibt nur kurz. Der Jordanier begrüßt Fans und Trainer, nur der Präsident ist schon weg. Als neuen Spieler wünscht sich Ismaik einen "Mittelfeldmotor".
von  Matthias Eicher
"Wir glauben an Dich, Vitor", sagt Ismaik (l.) über den neuen Löwen-Trainer.
"Wir glauben an Dich, Vitor", sagt Ismaik (l.) über den neuen Löwen-Trainer. © sampics/Augenklick

Troia - Montag, 16. Januar, 10.45 Uhr Ortszeit. Tag 13 im Trainingslager. Die Löwen trainieren im One Troia Training Centre von Trainerlegende José Mourinho. Plötzlich fährt ein Konvoi einiger Fahrzeuge vorbei. Militärfahrzeuge, die zum nahegelegenen Sperrgebiet brausen. Um 11.12 Uhr folgt eine Kolonne von fünf Mercedes-Limousinen und einem Range Rover. Sie hält dagegen an. Ein Wächter öffnet die Schranke, die Nobelkarossen rollen herein – und aus dem Mercedes an der Spitze steigt er aus: Hasan Ismaik.

Sechs Tage nach seiner ursprünglich geplanten Anreise konnte es der Investor des TSV 1860 einrichten, seine Löwen in Portugal zu treffen. Und zwar, wie es der schwerreiche Jordanier gerne zu tun pflegt, im Stile des Besuchs eines Staatsoberhaupts. "Wie geht’s? Schöne Anlage hier von Mourinho, ein guter Rasen – nächstes Jahr sind wir vielleicht in Abu Dhabi", sagte ein sichtlich gut gelaunter Ismaik zur AZ, nachdem er die Trainingsbedingungen der Sechzger inspiziert hatte und erklärte: "Ich habe nicht viel Zeit und werde heute schon wieder abreisen."

Weitere Nachfragen wehrte der kurz angebundene Geldgeber ab: "Es ist alles okay bei den Löwen." Zumindest ein bisschen Zeit hatte der Jordanier gefunden, um die Hände der Fans zu schütteln, sich einen Schal und eine Fahne umhängen zu lassen, die Spieler zu grüßen und mit Vitor Pereira zu sprechen. Auch ein gemeinsames Gruppenbild durfte nicht fehlen.

Was nicht mehr klappte, war die Zusammenkunft mit dem Präsidenten: Peter Cassalette reiste Minuten vor Ismaiks Ankunft ab – dabei war der eigens wegen des 39-Jährigen früher angereist. Dessen Tross fuhr ebenfalls schnell wieder ab und noch zum Teamhotel: Dort folgten eine kurze Besichtigung, ein Gespräch mit seinem Sanierer und Geschäftsführer Anthony Power und keine zwei Stunden später die Abreise – Ismaiks Power-Besuch bei Sechzig!

"Wir glauben an Dich, Vitor!"

Einige Dinge blieben bei Ismaiks kurzem Abstecher dennoch hängen. Wie bei Facebook angekündigt, nutzte er die Gunst der Stunde, um sich bei Pereira einen Eindruck über dessen neues Team und etwaige Transferwünsche zu holen. Interessant: Einem Allesfahrer zufolge soll der Coach einen "Mittelfeldmotor" gefordert haben. Während die ersten Verstärkungen wohl schon heute gegen den Ball treten könnten, soll’s also auch ein neuer Stratege in der Zentrale sein.

Bevor noch weitere Details durchsickern konnten, verlagerte das Duo die Konversation mitten auf den Rasen. Offensichtlich vertraut Ismaik weiterhin auf die Dienste des weltweit operierenden Beraters Kia Joorabchian – denn der war Mitglied der Entourage des Löwen-Mehrheitsgesellschafters. Wie Ismaik der AZ Anfang Januar erklärte, hat sich der im Fußballgeschäft öfter als zwielichtig verschriene Brite mit iranischen Wurzeln wie einige Berater einer Londoner Agentur in Ismaiks Stab positioniert und dürfte seine Finger bei einigen Transfers im Spiel haben.

Auf dem Platz wird ab 27. Januar beim Rückrunden Auftakt in Fürth entschieden, wohin die Reise geht: Nochmal Abstiegskampf – oder schafft Pereira mit seinen Wunschtransfers den Sprung aus dem Tabellenkeller? "Wir glauben an Dich, Vitor. Habt noch eine gute Trainingswoche in Troia und eine gute Rückreise. Ich wünsche Euch alles Gute für die Rückrunde. Ich hoffe, dass wir uns beim Spiel gegen Fürth wiedersehen und wünsche mir drei Punkte zum Start", ließ Ismaik durch seinen Übersetzer Mutaz Sabbagh verlauten. So schnell, wie Ismaiks Power-Trip lief, soll es schließlich auch aus dem Keller gehen.