"Es ist nicht wichtig, wer da als Cheftrainer steht"

Im AZ-Interview spricht Löwen-Torwart Stefan Ortega über seine Beförderung durch Bierofka, den Frust unter Runjaic und seinen wechselwilligen Kollegen Eicher: "Vitus hat es verdient, seinen Weg zu gehen".
von  Matthias Eicher
Überzeugte zuletzt im Löwen-Tor: Stefan Ortega.
Überzeugte zuletzt im Löwen-Tor: Stefan Ortega. © imago

München - Der 24-jährige Deutsch-Spanier spielt seit 2014 für den TSV 1860. Unter Trainer Daniel Bierofka wurde er wieder zum Stammtorwart.

AZ: Herr Ortega, wie ist die Gefühlslage beim stärksten Löwen der drei Spiele unter Interimstrainer Daniel Bierofka, in denen der Ertrag jedoch zu wünschen übrig ließ?
Stefan Ortega: Neun Punkte wären mir natürlich lieber gewesen als drei, dann hätte ich gerne auf die eine oder andere Parade verzichtet. Trotzdem freut es mich, dass ich wieder spielen kann.

Zuvor kamen Sie bisher nur zwei Mal bei den Amateuren zum Einsatz. Haben Sie nun gezeigt, dass Sie zu Recht zur neuen Nummer eins wurden?
In den letzten Wochen und Monaten hier habe ich sehr hart gearbeitet und im Training alles gegeben. Ich war mir sicher, dass ich meine Qualität abrufen kann, wenn ich meine Chance bekomme.

Kam der Torwartwechsel von Jan Zimmermann zu Stefan Ortega überraschend für Sie?
Ein Trainerwechsel bringt immer etwas Neues. In solchen Situationen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich etwas verändert. Insofern hat es mich ungemein gefreut, dass es jetzt endlich so weit war. Gut gegen die Ungeduld (lacht).

Inwieweit hat sich die Ungeduld bemerkbar gemacht?
Man trainiert die ganze Woche, um am Wochenende in den Wettkampf zu gehen. Wenn der fehlt, ist das sehr frustrierend. Dann kann das Umfeld die miese Laune schon mal abbekommen. Man hat immer zwei Möglichkeiten: Entweder man gibt auf, oder man zieht es durch.

Die Alternative wäre ein Vereinswechsel gewesen.
Darüber habe ich nachgedacht. Ich bin jung, ich will und muss spielen. So, wie es im Sommer gelaufen ist, sieht man sich nach anderen Klubs um, das ist doch völlig klar. 1860 hat mich nicht gehen lassen, daher lautete die Devise: im Training weiter anbieten.

Sie meinen, dass Ex-Trainer Kosta Runjaic mit Zimmermann seinen designierten Stammtorwart mitbrachte.
Jeder Trainer hat seine eigene Philosophie und eine Erwartung, wie ein Spieler eine gewisse Rolle interpretieren soll. Klar, Zimbo hatte bereits mit ihm zusammengearbeitet und wusste von daher genau, was er erwartet. In der Winterpause werden die Karten neu gemischt: Es kommt wieder ein neuer Trainer. Jetzt geht das Spiel von vorne los. Wir wissen aber noch nicht, wer es ist. Wir wissen nur, dass er bald vorgestellt werden soll. Wir sind alle sehr gespannt. Das ist doch in jedem Betrieb normal, wenn ein neuer Chef kommt.

Es soll der portugiesische Startrainer Vitor Pereira werden.
Ich kann keine Aussage über ihn treffen. Ich kenne ihn nicht persönlich, kann seine Arbeit nicht beurteilen. Ich konzentriere mich darauf, nochmal ein gutes Spiel zu zeigen.

Im letzten Spiel des Jahres treffen Sie auf Heidenheim, anstelle von Bierofka wird sein Assistent Denis Bushuev übernehmen.
Die beiden harmonieren gut, weil sie sehr unterschiedlich sind. Biero ist emotional, Denis ist ein ruhiger Typ. Ich denke, er wird nicht wahnsinnig viel ändern. Es ist gar nicht wichtig, wer da als Cheftrainer steht – wir wollen gewinnen.

Könnte kompliziert werden gegen den Tabellen-Vierten.
Wir müssen einen Meter mehr gehen als in den letzten Spielen, in den Zweikämpfen giftig sein. Heidenheim verteidigt ziemlich eklig und ist offensiv sehr gefährlich. Es wäre wichtig, über dem Strich zu bleiben. Klar ist es schwierig, wenn du wieder mal unten drinstehst, einen kühlen Kopf zu bewahren. Mit 18 Punkten könnte man einfacher eine Basis legen als mit einer Pleite vor der Winterpause.

Eine besondere Partie wird es für Vitus Eicher, obwohl er gar nicht spielt: Er möchte nach Heidenheim wechseln, hat aber noch keine Freigabe erhalten.
Ich kann Vitus absolut verstehen, als Nummer drei eine neue Chance zu suchen. Ich bin nicht der Entscheidungsträger, das müssen die beiden Vereine und Vitus untereinander klären. Aus der Sicht eines Spielers kann ich nur sagen: Man wünscht sich, dass es respektiert wird, wenn man einen Wechselwunsch hegt. Vitus ist ein einwandfreier Charakter, ein super Typ, mit dem ich hier wunderbar zurechtgekommen bin. Er hat es absolut verdient, seinen Weg zu gehen.