Der TSV 1860 München als Markenbotschafter in der Regionalliga

Für die Löwen ist die Regionalliga die Chance, zu den Wurzeln zurückzufinden: Der Arbeiterverein, der ehrlichen Fußball bietet. „Wir müssen das nutzen, um die sportliche Marke 1860 wieder aufzubauen“
von  M. Eicher
Kritisierte seinen Vorgänger scharf: Der neue Chef-Trainer Daniel Bierofka.
Kritisierte seinen Vorgänger scharf: Der neue Chef-Trainer Daniel Bierofka.

Memmingen, Buchbach, Schalding-Heining. Der TSV 1860 befindet sich nach dem Abstieg in die Regionalliga auf Bayern-Tour. Das Spiel bei der Reserve des FC Bayern mal ausgenommen, folgen für die Sechzger bei 18 Liga-Kontrahenten noch 14 Auswärtsfahrten, in denen die Löwen zwar gegen Underdogs viel zu verlieren haben. Aber eben auch etwas gewinnen können: Sympathien.

„Wir haben die Chance, uns mit unserer bayerischen Mannschaft in Bayern zu präsentieren. Das können und müssen wir nutzen, um die sportliche Marke Sechzig München wieder aufzubauen“, sagt Abwehrspieler Jan Mauersberger der AZ.

Der gebürtige Münchner weiß, wo seine Wurzeln liegen. Und er weiß, dass Sechzig trotz oder gerade wegen des tragischen Absturzes auch die Möglichkeit ergreifen kann, selbst in der Vierten Liga neu durchzustarten. Bei Volksfeststimmung in engen, aber rappelvollen Stadien. Und in jenen Gefilden, wo es – nicht zuletzt in den Reihen des Gegners – bereits zahlreiche Löwen-Fans gibt. Die Zuneigung der Anhänger wird verstärkt, aber auch neue Sympathien geholt und Herzen mit dem „weiß-blauen Virus“ infiziert, wie es Trainer Daniel Bierofka formuliert.

Als Giesinger Arbeiterverein. Als Münchens große Liebe. Als Fußballklub, dem man einfach gerne bei seinen Spielen zuschaut – und an den man in den kleinen Stadien auch nahe herankommt. Die Löwen auf ihrer Tour in der Regionalliga, sie laufen nicht nur als Fußballer auf – sondern auch als weiß-blaue Markenbotschafter. Das Projekt 1860 ist derzeit auf Eckpfeilern aufgebaut, die unter dem portugiesischen Ex-Trainer Vitor Pereira eingestürzt waren: Identität, Leidenschaft, Kampfgeist. Und Spaß. „Ich glaube schon, dass man sagen kann, dass der Spaß zurückgekehrt ist“, so Mauersberger, der sich mit Grauen an die Vergangenheit erinnert: „Die letzten anderthalb Jahre seit meinem Wechsel zu 1860 waren geprägt von extremem Druck. Die ganze letzte Saison, als man hoffte, dass es vielleicht endlich einen anderen Lauf nehmen kann, war einfach nur enttäuschend.“

Kritisierte seinen Vorgänger scharf: Der neue Chef-Trainer Daniel Bierofka.
Kritisierte seinen Vorgänger scharf: Der neue Chef-Trainer Daniel Bierofka.

Fan-Herzen sollen mit dem "weiß-blauen Virus" infiziert werden, sagt Trainer Bierofka.

Nun habe man die Möglichkeit, durch ein identitätsstiftendes Team, ehrlichen Fußball und nicht zuletzt die Rückkehr regelmäßiger Löwen-Siege zu punkten. „Ich bin von unserer Mannschaft begeistert, weil es einfach nur ehrliche Jungs sind, die einfach nur Bock zu kicken haben“, schwärmt der 32-jährige Innenverteidiger und zählt auf: „Wir haben acht oder zehn Münchner, fünf oder sechs bayerische Jungs.“ Er ist überzeugt: „Das kann der Weg für die nächsten Jahre sein.“

Eine übergeordnete Rolle spielt dabei – wie könnte es anders sein – Trainer Bierofka. „Ich weiß nicht, was passiert wäre, wenn er im Sommer nicht dagewesen wäre“, so Mauersberger über den 38-jährigen, dessen Charaktermerkmale kaum besser zu den Sechzgern passen könnten. Mauersberger: „Wenn er etwas sagt, hört jeder drauf. Das hat er sich hart erarbeiten müssen. Durch seine Einstellung, seine Kompromisslosigkeit lebt er diesen Kampf, die Verbissenheit und den Ehrgeiz vor.“ Davon könne der gesamte Verein nur profitieren. Während Sechzig in Memmingen und Schalding-Heining (jeweils 4:1) sowohl sportlich, als auch neben dem Platz gefallen konnte, setzte es in Buchbach eine 0:1-Pleite. Betriebsunfall.

Und: Mit gutem Fußball müssen die Sechzger dort ohnehin nicht mehr werben. Wo Bierofkas Onkel Erwin Vorsitzender eines 1860-Fanklubs ist, dem Buchbachs Trainer als Gründungsmitglied angehört, sind eh’ schon alle blau.

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