Bierofka: „Ich schlafe jetzt im Gästezimmer“

Wie Löwen-Kapitän Daniel Bierofka (31), der vor einem Monat zum zweiten Mal Vater geworden ist, genug Schlaf findet – und warum es das Größte ist, mit Frau und Kindern einen Sieg zu feiern.
von  Abendzeitung
Die Familie Bierofka bleibt in München: Daniel hat seinen Vertrag bei den Löwen verlängert.
Die Familie Bierofka bleibt in München: Daniel hat seinen Vertrag bei den Löwen verlängert. © sampics/Augenklick

Wie Löwen-Kapitän Daniel Bierofka (31), der vor einem Monat zum zweiten Mal Vater geworden ist, genug Schlaf findet – und warum es das Größte ist, mit Frau und Kindern einen Sieg zu feiern.

AZ: Herr Bierofka, Sie sind am 1. August zum zweiten Mal Vater geworden. Hat Ihre Tochter Zoe auch schon einen Stofflöwen?

DANIEL BIEROFKA: (lacht) Nein, man muss es nicht übertreiben. Ich habe ihr einen kleinen Elefanten gekauft. Den hat sie auch sehr lieb.

Wie haben Sie den Moment erlebt, als es bei Ihrer Frau mit den Wehen losging?

Ich war mit Sechzig im Trainingslager. Ich habe das ja bei unserem Sohn (David/4, d.Red.) schon miterlebt, aber auch jetzt war es wunderschön. Auch im Kreißsaal war ich freilich dabei. Das ist für jeden Vater das Größte. Es war eine normale Geburt – anderthalb Stunden, dann war die Kleine da.

Und was haben Sie gefühlt?

Es war nicht komplett anders als beim ersten Kind und nicht ganz neu für mich. Es war zwar genauso schön wie vor vier Jahren beim David, aber irgendwie hatte ich ein Déjà-vu.

Ein Déjà-vu?

Natürlich schauen Babys direkt nach der Geburt irgendwie alle gleich aus, aber es war dennoch ein traumhafter Moment. Déjà-vu, weil ich auch beim David vorher verletzt war und danach mein Comeback auf dem Platz hatte.

Ihr Vater heißt Willi, Ihre Frau Nicole und Ihr Sohn David. Wie kommt man da auf den doch eher ungewöhnlichen Namen Zoe?

Da die Mutter meiner Frau Engländerin ist und Nicki die englische Staatsbürgerschaft hat, wollte sie einen Namen, der auch im englischen geläufig ist. Und es sollte ein Name sein, der nicht so alltäglich ist. Außerdem hat mir und David der Name Zoe auch gefallen.

Hat Sie die Geburt von Zoe nochmal ein Stück verändert?

Ich glaube, das einschneidende Erlebnis überhaupt ist die Geburt des ersten Kindes. Dann stellt sich das Leben komplett um. Beim zweiten Kind weiß man, was auf einen zukommt. Bei uns wurde Familie immer groß geschrieben und meine Eltern sind jetzt wieder total im Baby-Wahn. So ein Ereignis ist unglaublich wertvoll.

Worauf legen Sie Wert in der Erziehung Ihrer Kinder?

Ich will meinen Kindern Werte wie Ehrlichkeit, Höflichkeit und Zuverlässigkeit mitgeben. Das sind die Grundtugenden, die jeder haben sollte und die einen guten Menschen ausmachen. Zudem soll David gerade an meiner Geschichte sehen, dass man mit Durchhaltevermögen viel erreichen kann.

Sie meinen, dass Sie nach Ihren Verletzungen nie aufgegeben haben?

Ja. Vor 19 Monaten haben mich fast alle abgeschrieben, und ich kenne wenige, die damals noch zu mir gehalten haben. Ich trage seit einigen Monaten einen Gurt aus Stoff, der mein Becken stabilisiert. Den Gurt benutze ich im Training und in den Spielen. Seit ich den trage, geht es mir auf jeden Fall besser. Ohne den würde ich nicht mehr trainieren oder spielen. Aber ich habe ohnehin nie resigniert – und das bekam natürlich auch David mit.

Der Kleine ist froh, dass der Papa wieder auf dem Platz steht, oder?

Na klar. Er freut sich unheimlich, dass er wieder ins Stadion kann und mich spielen sieht. Er hat mich oft gefragt, wann ich wieder spielen kann, und ich konnte ihm keine Antwort geben. Er lebt das jetzt alles viel intensiver mit. Mit David nach dem Spiel einen Sieg zu feiern, das ist das Größte.

Wer steht eigentlich nachts auf, wenn sich Zoe zu Wort meldet?

Wir haben da eine klare Rollenverteilung. Ich muss morgens beim Training ausgeschlafen sein und es ist klar, dass das Nickis Job ist.

Ist Daniel Bierofka etwa ein Macho?

Nein, aber ich bin Profisportler und kann mir nicht erlauben, müde zum Training zu kommen. Der Trainer (Reiner Maurer, d. Red.) würde mir etwas erzählen.

Haben Sie so einen festen Schlaf, dass Sie nachts nichts hören?

Nein, ich habe mich ausquartiert und schlafe jetzt im Gästezimmer.

Wie bitte?

Ja, da muss man Prioritäten setzen. Mein Beruf geht vor und Nicki kann ja am Tag in der Wohnung auslaufen (lacht).

Wie sieht's denn mit Windeln wechseln aus?

Ich kann es, aber ich glaube, die meisten Väter machen es nicht so gerne. Aber wenn Not am Mann ist, dann bin ich schon am Start.

Ihre Frau sagte, dass Zoe ein „Fußballzimmer“ bekommt. Alles in weiß-blau?

David hat ein Bett, das aussieht wie eine Torwand. Und da wird Zoe auch in Zukunft schlafen. Es gab mehrere Möglichkeiten – vom Piratenzimmer bis Formel-1-Zimmer, aber wir haben uns für das Fußballzimmer entschieden.

Sind Sie der typische Vater, der nach der Arbeit nach Hause kommt und mit den Kindern schmusen will?

Wenn ich nach Hause komme, dann freue ich mich natürlich auf Zoe genauso wie auf David. Man muss da ein gutes Mittelmaß finden. David bekommt das genau mit.

Ist die Familienplanung im Hause Bierofka beendet oder sagen Sie sich: „Aller guten Dinge sind drei"?

(lacht) Nein, die Produktion ist gestoppt. Eine Tochter, ein Sohn – wir sind glücklich, wie es ist.

Interview: Reinhard Franke