Auswärtsfluch beendet: 1860 blickt wieder nach oben

Der TSV 1860 kann doch noch in der Fremde siegen: Durch das mühevolle 3:2 bei Schlusslicht Havelse pirschen sich die Löwen in die obere Tabellenhälfte. Trainer Köllner: "Da kräht kein Hahn mehr danach".
von  Matthias Eicher
1860 Trainer Michael Köllner jubelt nach dem 3:2-Sieg in Havelse. (Archivbild)
1860 Trainer Michael Köllner jubelt nach dem 3:2-Sieg in Havelse. (Archivbild) © Angelika Warmuth/dpa/Archivbild

München - Die Löwen haben es in dieser verflixten Spielzeit 2021/22 höllisch schwer. Als Favorit in die Saison gestartet. Zuletzt, verdammt noch eins, ganz tief unten im Tabellenkeller gelandet! Nun scheint es für den TSV endlich in die richtige Richtung zu gehen.

Erster Auswärtssieg seit April

Zuerst gab es da den Unentschieden-Fluch (schon acht Stück!), den der TSV 1860 brechen musste. Am Samstagnachmittag, in der Hannoveraner HDI-Arena, brachen die Sechzger einen anderen, noch länger andauernden Fluch: Der mühevolle 3:2-Auswärtssieg bei Drittliga-Schlusslicht TSV Havelse war nicht nur der erste Dreier in der Fremde in dieser Saison. Es ist saisonübergreifend sogar der erste Erfolg seit Ende April: Damals musste (ausgerechnet!) der kommende Gegner Waldhof Mannheim (Dienstag, 19 Uhr) daran glauben.

Trainer Köllner: "Das war ganz wichtig, nach so einer langen Durststrecke"

"Wir sind natürlich überglücklich, dass wir das Auswärtsspiel mit drei Punkten beenden konnten", meinte Cheftrainer Michael Köllner über die knappe, letztlich viel zu knappe Besiegelung der Auswärts-Misere von neun sieglosen Spielen in Serie: "Das war ganz wichtig, wenn man so eine lange Durststrecke hingelegt hat." Acht Partien davon in der laufenden Spielzeit. Ganz nebenbei konnte der Oberpfälzer selbst seinen Frieden mit Hannover machen, wo er im Februar 2019 in seinem letzten Spiel als Club-Coach ein 0:2 hinnehmen musste.

Ein frühes, von Richard Neudecker eingeleitetes Eigentor durch Tobias Fölster (8.), Marcel Bär (32.) und Merveille Biankadi (55.) stellten die Weichen in die richtige Richtung. Weil die Sechzger einmal mehr beste Chancen ausließen, ließ der Doppelpack von Yannik Jaeschke (51., 85.) die Blauen bis zum Ende zittern. Folglich kritisierte Köllner zurecht: "Wir haben es unnötig spannend gemacht."

Droht dem Team schon ein neuer Fluch?

Umso wichtiger wäre, wenn es sich für Sechzig damit ausgeflucht hätte, denn es droht schon ein neuer Fluch: Wie schon gegen den MSV Duisburg kassierte der TSV trotz weitgehender Dominanz schon wieder zwei ärgerliche Gegentore. Die Innenverteidigung um Abwehrchef Stephan Salger und Semi Belkahia geriet dabei jeweils gehörig ins Wanken. Köllner über die beiden Gegentreffer nach ruhenden Bällen: "Das nervt natürlich, gerade, weil wir bei den Standards etwas verändert haben."

In der Offensive gäbe es ebenfalls reichlich Verbesserungspotenzial, schließlich hatten die Giesinger auch in Hannover reichlich Chancen, das Duell frühzeitig zu entscheiden. Allen voran Stefan Lex, Sascha Mölders und Merveille Biankadi, die allesamt freistehend vergaben.

Sind 19 Gegentore sind Anlass zur Sorge?

Doch während sich der TSV neben der Punktzahl (23) auch in der Offensiv-Statistik (24 Treffer) der Spitzengruppe nähert, geben satte 19 Gegentore vor den Duellen mit den Top-Teams aus Mannheim und erst recht Tabellenführer 1. FC Magdeburg (Samstag, 14 Uhr) Anlass zur Sorge.

Sei's drum, wie Köllner erklärte: "Am Ende bleiben die drei Punkte. Morgen wird kein Hahn mehr danach krähen, mit welchem Ergebnis wir gewonnen haben." Ganz getreu dem Motto: Hauptsache endlich gesiegt, weiter geht's.

Angreifer Bär, zum zweiten Mal in Folge sowohl Torschütze, als auch Interview-Gast bei "Magenta Sport", schob es zudem auch ein bisserl auf den Rasen: "Das war eine Katastrophe. Fußballspielen war bei diesen Bedingungen nicht möglich." Ob die Bedingungen auf Giesings winterlichen Höhen viel besser sein werden?

Die letzten Siege brachten Selbstvertrauen

Klar ist: Durch die beiden 3:2-Siege in Serie haben Bär und Co. Selbstvertrauen getankt. In Zukunft sollte Sechzig zusehen, den Chancenwucher wie die Abwehrschwächen zu minimieren. Nicht dass die Sechzger wieder was zu fluchen haben.