Alfred Kohlhäufl: Pereira findet die richtige Mischung

In seiner AZ-Fußball-Kolumne spricht der ehemalige Löwen-Profi Alfred Kohlhäufl über das Unentschieden der Sechzger gegen den VfB Stuttgart.
von  Alfred Kohlhäufl
Ein "katastrophaler Fehler" von Sebastian Boenisch sorgte für das Gegentor in der Nachspielzeit - die AZ-Kolumne von Alfred Kohlhäufl.
Ein "katastrophaler Fehler" von Sebastian Boenisch sorgte für das Gegentor in der Nachspielzeit - die AZ-Kolumne von Alfred Kohlhäufl. © Sven Hoppe/dpa/AZ

München - Zwei verschiedene Spielkulturen der zweiten Liga trafen in der Allianz Arena aufeinander. Auf der einen Seite der TSV 1860 München, der immer noch im Abstiegskampf steckt, auf der anderen Seite der VfB Stuttgart, der als Tabellenführer anreiste und sich dementsprechend stark präsentierte. Dass die Partie am Ende 1:1 ausging, kann man als etwas unglücklich für die Gastgeber bezeichnen. Der Ausgleich für die Stuttgarter fiel erst in der Nachspielzeit.

Die Gäste waren spielerisch gesehen die deutlich stärkere Mannschaft und hatten die bessere Spielanlage. Sie schafften sich immer wieder Räume für ihren Kombinationsfußball, die sie auch nutzten. Obwohl sie sich als ein eingespieltes Team präsentierten, konnten sie sich aber kaum einmal eine Torchance erarbeiten. Eine gute Raumaufteilung, viel Ballbesitz und eine optische Feldüberlegenheit müssen nicht immer zwangsläufig auch zu Toren führen. Das änderte sich auch nicht durch die Hereinnahme von Daniel Ginczek als zweite Sturmspitze, der nach einer längeren Verletzungspause erst noch den Anschluss an die Stammelf sucht.

Die Sechzger konnten endlich einmal vor einer großen Kulisse spielen und auch überzeugen. Vor über 47.000 Zuschauern, darunter schätzungsweise 15.000 Stuttgarter Fans, zeigten sie eine engagierte Leistung. Die spielerischen Defizite glichen sie durch enorme Laufarbeit und gutes taktisches Verhalten aus.

Trainer Vitor Pereira ließ die gleiche Mannschaft, die in Düsseldorf 1:0 gewonnen hatte, auflaufen. Er scheint inzwischen die richtige Mischung gefunden zu haben. Sein Team zeigte sich in der Defensive stabil und geordnet, in der Offensive sehr variabel. Hier wurden die Positionen immer wieder gewechselt. Stefan Aigner, Ivica Olic und Amilton rochierten ständig. Allerdings fehlte die Durchschlagskraft. Sie konnten kaum Torchancen herausarbeiten. Außer dem Treffer von Romuald Lacazette, der nach einem schnellen Konter in der 23. Minute die Führung erzielte, war vom Angriff trotz aller Bemühungen wenig zu sehen.

Dass sie am Ende nur eine Punkteteilung erreichten, war durch einen katastrophalen Fehler von Sebastian Boenisch hervorgerufen worden. Anstatt den Ball mit einem Befreiungsschlag aus der Gefahrenzone zu befördern, verstolperte er ihn bei der Ballannahme. Marcin Kaminski ließ sich die Chance nicht entgehen und erzielte in der 92. Minute den Ausgleich.

Einzelkritik: Die Noten der Löwen-Spieler

Lesen Sie auch: Lucas Ribamar - Vom Löwen-Juwel zum Sechzig-Flop?