Aigners Doppelpack rettet die Löwen

Fußball-Zweitligist 1860 München steht dank eines Doppelpacks von Stefan Aigner in der zweiten Runde des DFB-Pokals. Die Löwen gewannen am Samstagmittag mit viel Mühe 2:1 beim Regionalligisten SC Verl.
von  Abendzeitung
Illustration
Illustration © MIS

Fußball-Zweitligist 1860 München steht dank eines Doppelpacks von Stefan Aigner in der zweiten Runde des DFB-Pokals. Die Löwen gewannen am Samstagmittag mit viel Mühe 2:1 beim Regionalligisten SC Verl.

Hinterher durften sie kräftig durchatmen, denn das erste Pflichtspiel der Saison des TSV 1860 hat doch noch ein versöhnliches Ende genommen. Lange Zeit sah es so aus, als ob die Löwen beim Regionalligisten SC Verl scheitern könnten und sich damit über verpasste Zusatzeinahmen aus dem DFB-Pokal ärgern müssten. Doch dazu ließen sie es nicht kommen; und dafür durften sie sich in erster Linie bei drei Spielern bedanken: Stefan Aigner, Moritz Leitner und Gabor Kiraly.

Bei Aigner, weil er gleich beide Löwen-Tore beim 2:1-Sieg erzielte. Beim erst 17 Jahre alten Leitner, weil er nach seiner Einwechslung zur Pause für eine deutliche Belebung des zuvor erschreckend schwachen Spieles sorgte. Und bei Kiraly, weil er die Sechzger unmittelbar nach deren Ausgleichstreffer mit einer glanzvollen Parade vor einem erneuten Rückstand bewahrte.

"Das Wichtigste ist, dass wir weiter sind. Für uns ist es ganz entscheidend, dass wir die Einnahmen aus dem Pokal haben und dass bei uns nach diesem Sieg Ruhe im Verein herrscht", sagte Sechzig-Trainer Reiner Maurer. "Aber wir müssen uns natürlich für das nächste Spiel erheblich steigern. Wir haben noch sehr viele Abstimmungsprobleme, die müssen wir abstellen."

Aigner erkannte: "In der ersten Halbzeit sind wir rumgelaufen wie Falschgeld. Wir haben den Gegner nicht unterschätzt. Das war schließlich immerhin ein Regionalligist, der auch sechs oder sieben Mal pro Woche trainiert. Trotzdem war das am Anfang nicht gut von uns. Zum Glück haben dann nach der Pause Moral gezeigt und das Spiel gedreht."

Maurer hatte zum ersten Mal seit dem Trainingsstart den jungen Serben Aleksandar Ignjovski von Beginn an aufs Feld geschickt, der 19-Jährige verdrängte damit Eke Uzoma aus der ersten Elf. Auf der linken Seite spielte Zugang Savio Nsereko von Anfang an, doch der Dribbler fand nie so recht ins Spiel – nach der Pause durfte Daniel Bierofka für ihn ins Spiel und kam damit zu seinem ersten Pflichtspieleinsatz nach 539 Tagen Verletzungspause.

Weil die Verler schon nach sieben Minuten durch Thomas Bertels, der sich gekonnt gegen Antonio Rukavina durchgesetzt hatte, in Führung gingen und sich danach weit in die eigene Hälfte zurückzogen, hatten die Sechzger riesige Probleme, sich überhaupt mal eine Torchance zu erspielen. Das klappte erst nach 39 Minuten, als Neuling Djordje Rakic nach einem feinen Anspiel von Benni Lauth freistehend vergab. Vorher hatten die Löwen sogar Glück, weil Torschütze Bertels mit einem Drehschuss aus 20 Metern nur die Latte traf (21.).

„Wir haben die erste Hälfte verschlafen. Da haben wir kein Spiel nach vorne hingekriegt“, sagte Maurer kritisch. Doch danach lief es ja besser, vor allem dank der Einwechslung des jungen Leitners, der den unglücklich spielenden Ignjovski bestens vertrat. Mit frechen Aktionen nach vorne stellte der Österreicher die Verler vor Probleme – und bereitete auch den Ausgleich durch Aigner vor. Der Rechtsaußen der Sechzger köpfte eine flanke des Nachwuchsmannes ein (69.) und war nur vier Minuten später bei einer Hereingabe von Linksverteidiger Stefan Buck schon wieder mit dem Köpfchen zur Stelle. "Das war eingeübt", sagte Maurer zu den Toren. "Wenn wir über links kommen, rückt die rechte Seite nach innen." Leitner meinte abgeklärt: "Es war ein hartes Stück Arbeit heute. Ich habe ein Tor vorbereitet, das ist sehr schön für mich."

Die beiden späten Löwen-Treffer, zwischen denen Kiraly eine Großchance von Bertels vereitelte, sollten letztlich reichen, um die unangenehme Hürde Verl zu nehmen. Für das Spiel am kommenden Montagabend beim VfL Bochum, wenn die Sechzger in ihre Zweitligasaison starten, dürfte diese Leistung jedoch kaum zu einem Erfolg genügen. VfL-Trainer Friedhelm Funkel, der sich das Spiel vor Ort in Verl ansah, dürfte von den Löwen jedenfalls nur wenig beeindruckt gewesen sein – vor allem von deren erster Hälfte nicht.

"Wir können uns unter anderem bei Gabor Kiraly bedanken, dass wir nicht die Überraschung des Tages sind, sondern St. Pauli", sagte Maurer, der vor dem Spiel in Bochum nun noch viel Arbeit zu bewältigen hat. Gut möglich, dass ihm diese durch einen weiteren Zugang vereinfacht wird. Denn der hochgeschätzte Stefan Bell von Mainz 05 steht unmittelbar vor einem Wechsel zu den Löwen. Der 18 Jahre alte Innenverteidiger muss nur seinen bis 2012 laufenden Vertrag bei den Rheinhessen um ein Jahr verlängern (was er wohl am Montag machen wird), danach stünde einer Ausleihe für ein Jahr nach München nichts mehr im Wege.

Marco Plein, Maximilian Wessing