2:3 in Bochum: Es hat Chong gemacht

Bochums Nordkoreaner Tese verdirbt den Löwen mit seinen Toren den Auftakt. Trainer Maurer klagt nach dem 2:3 über einen verweigerten Elfer, lobt sein Team aber: „Wir haben nie aufgegeben“.
von  Abendzeitung
Gabor Kiraly: Die besten Bilder vom Löwen-Keeper - auf dem Rasen und abseites des Platzes
Gabor Kiraly: Die besten Bilder vom Löwen-Keeper - auf dem Rasen und abseites des Platzes © dpa/sampics,Schmalz

MÜNCHEN - Bochums Nordkoreaner Tese verdirbt den Löwen mit seinen Toren den Auftakt. Trainer Maurer klagt nach dem 2:3 über einen verweigerten Elfer, lobt sein Team aber: „Wir haben nie aufgegeben“.

Bei der WM in Südafrika erlangte Chong Tese weltweite Berühmtheit, als er vor seinem ersten Auftritt mit Nordkorea gegen Brasilien beim Abspielen der Nationalhymne einen mittelschweren Weinkrampf erlitt.

Gestern in Bochum brachte Tese die Löwen-Fans zum Heulen. Fast im Alleingang erlegte der in Japan aufgewachsene Bochumer Neuzugang beim alles in allem glücklichen 3:2 seines VfL die Sechzger. Tese, in seiner Heimat oft als „Wayne Rooney Asiens“ bezeichnet, erzielte zwei Tore selbst, bereitete das andere vor, überzeugte zudem mit großem Laufpensum, permanenter Anspielbarkeit, tollen Tricks – und gab hinterher nach nur vier Wochen in Bochum Interviews auf Deutsch. Dieser Mann, der den Löwen den Auftakt so richtig vermiest hat, ist die neue Attraktion der Zweiten Liga!

Zumindest attraktiv spielen wollte auch 1860 in Bochum. Weil Trainer Reiner Maurer vor allem das allzu defensive Spiel von Florin Lovin und Aleksandar Ignjovski als Hauptursache für das mühsame 2:1 im Pokal in Verl ausgemacht hatte, stellte er das System um: Für den angeschlagenen Ignjovksi, der in München geblieben war, spielte im defensiven Mittelfeld der 22-jährige Dominik Stahl. Davor sollte Löwen-Bubi Moritz Leitner (17) für mehr Offensive sorgen – und verdrängte damit Florin Lovin, den nominellen Chef im Löwen-Mittelfeld auf die Bank.

Doch die Bochumer kamen besser ins Spiel und gingen in der 13. Minute durch Toskis Tor in Führung. Verdient, und doch haderte Maurer damit. Nur eine Minute zuvor war nämlich Benny Lauth im Bochumer Strafraum von den Beinen geholt worden. „Ein ganz klarer Elfmeter“, befanden Stürmer und Trainer unisono. „Das war sicherlich eine Schlüsselszene im Spiel. Wer weiß, was passiert wäre, wenn wir da in Führung gegangen wären“, fügte Maurer noch hinzu. Der ansonsten starke Schiedsrichter Felix Zwayer entschied aber auf Weiterspielen.

Doch die Löwen fanden durch eine gelungene austromünchnerisch-serbische Koproduktion trotzdem wieder zurück ins Spiel. Zehn Minuten nach dem Gegentreffer spielte sich Leitner auf der rechten Außenbahn mit zwei Haken und einer Drehung schön frei, steckte den Ball zu Rukavina durch, der ihn punktgenau auf Rakic flankte, der dem Ex-Hachinger Philipp Heerwagen im Bochumer Tor keine Chance ließ – der Ausgleich in der 23. Minute.

Nach dem Ausgleich entwickelte sich ein munteres Spiel, bei dem beide Mannschaften zu Chancen kamen. Doch zunächst machte es zwei Mal Chong – Tese traf (38., 47.). Zwölf Minuten später gelang Benny Lauth zwar der Anschlusstreffer. Doch obwohl die tapferen Löwen den Druck erhöhten und fast schon sauer einen Angriff nach dem nächsten auf Heerwagens Tor inszenierten, schafften sie den Ausgleich nicht mehr.

Und so schaffte 1860 es auch im 13. Anlauf nicht, in Bochum zu gewinnen. „Dieses Spiel hätten wir nie verlieren dürfen“, meinte Lauth. Maurer fand den Auftakt – trotz der Niederlage – dennoch ermutigend. „Das war ein packendes, interessantes Spiel auf hohem Niveau. Wir haben nie aufgegeben und Moral bewiesen“, sagte er. Aber sie haben eben keinen Chong Tese.

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