1860: „Warum will Wolf seinen Vertrag ändern?“

Miroslav Stevic, selbst noch ohne Vertrag bei 1860 als Sportdirektor tätig, erklärt, warum der neue Cheftrainer auf dem Papier nicht befördert wird.
von  Abendzeitung
Miki Stevic: „Dass wir noch keinen Trainer haben, war bei Nsereko kein Problem“
Miki Stevic: „Dass wir noch keinen Trainer haben, war bei Nsereko kein Problem“ © sampics/Augenklick

Miroslav Stevic, selbst noch ohne Vertrag bei 1860 als Sportdirektor tätig, erklärt, warum der neue Cheftrainer auf dem Papier nicht befördert wird.

AZ: Herr Stevic, der neue 1860-Coach Uwe Wolf will seine Trainingsjacke mit der Aufschrift „Co“ für Co-Trainer erst ausziehen, wenn er einen Cheftrainer-Vertrag unterzeichnet hat. Wann können Sie Vollzug melden?

MIKI STEVIC: Gar nicht. Ich würde an seiner Stelle die Jacke gar nicht mehr ausziehen – sie hat Uwe Glück gebracht. Warum soll man was ändern, wenn es funktioniert hat.

Wird Wolf also nicht auf dem Papier befördert?

Uwe hat doch schon ein Angestellten-Verhältnis bei 1860 – warum will Wolf dann seinen Vertrag ändern, nur weil dann Cheftrainer draufsteht? Ich sehe das so: Was im Vertrag drinsteht, ist unwichtig. So einen Schlüssel-Vertrag muss man zehnmal überdenken, bevor man ihn aufsetzt. Wichtig ist nun, dass Uwe möglichst viel Erfolg bei 1860 hat. Wenn Uwe das schafft, wird er von mir belohnt.

Wie?

Da werde ich mir was überlegen. Uwe hat hier eine Super-Gelegenheit bekommen, sich einen Namen zu machen. Dafür beneiden ihn viele Trainer in Deutschland. Als wir Marco Kurz beurlaubt haben, haben sich unglaublich viele Trainer selbst beworben. Wir aber haben uns für Uwe entschieden.

Wolf sagte am Montag in „Blickpunkt Sport“, dass er 20 Jahre Löwen-Coach bleiben und Kulttrainer Werner Lorant überflügeln will.

(lacht): Da hätte ich nix dagegen. Wie er spricht, so packt er auch die Mannschaft an. Aber Uwe darf eines nicht vergessen: Fußball ist Tagesgeschäft.

Zuletzt sind Sie auf der Tribüne auf Schalke neben dem arbeitslosen Trainer Thomas Doll beobachtet worden.

Nochmal: Wir suchen momentan keinen Trainer – sondern Erfolg Und dafür haben wir Uwe Wolf. Dass Doll neben mir gesessen hat, war Zufall. Wolf ist auf jeden Fall unser Trainer bis zum Saisonende.

Wolf hat nach dem Trainer-Wechsel viel verändert: Die Spieler dürfen zum Beispiel nicht mehr im Bus ihren iPod hören, sondern werden bei der Fahrt zum Stadion vom Bus-CD-Player mit dem Vereinslied „Stark wie noch nie“ beschallt.

Diese Idee finde ich genial, Spieler von 1860 sollen sich mit ihrem Verein identifizieren und nicht mit einem Knopf im Ohr seelische Alleingänge unternehmen. Wir sind eine Gemeinschaft – und werden diese weiter forcieren.

Neu ist auch die Besetzung des Torwarts: Michael Hofmann ist wieder Nr. 1, er hat Philipp Tschauner abgelöst. Befürworten Sie das?

Das ist die Entscheidung des Trainers, aber in Phasen, wo es nicht so läuft, braucht man Kommunikation und Körpersprache. Michael ist der Prototyp dafür.

Was wird aus Ausnahme-Talent Lars Bender? Laut „kicker“ soll er einen Vorvertrag bei Leverkusen haben.

Das stimmt nicht, ich habe mich beim Spieler und Berater (Manfred Schulte, d. Red.) versichert, dass es keine mündliche und schriftliche Zusage bei Bayer Leverkusen gibt.

Bleibt er also?

Das kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen: Natürlich wollen wir unsere jungen Talente wie Lars Bender halten, aber ich kann auch nichts dagegen machen, wenn er im Blickfeld der Bundesliga steht.

Gibt’s konkrete Anfragen?

Natürlich – es gibt etliche Anfragen aus der Bundesliga für Lars. Und da sprechen wir von den Spitzenvereinen im deutschen Fußball. Das Thema Bender wird uns noch einige Zeit beschäftigen.

Interview: Oliver Griss