1860: Bitte auffüllen!

Manager Stevic muss die Löwen umbauen. Er verspricht mehr Profis der „Kategorie Lauth“ - Wettberg kritisiert Ex-Sportdirektor Reuter.
von  Abendzeitung
Gibt die Richtung bei den Löwen vor: Sportdirektor Miki Stevic.
Gibt die Richtung bei den Löwen vor: Sportdirektor Miki Stevic. © Rauchensteiner/Augenklick

Manager Stevic muss die Löwen umbauen. Er verspricht mehr Profis der „Kategorie Lauth“ - Wettberg kritisiert Ex-Sportdirektor Reuter.

MÜNCHEN Benny Lauth? Eh klar! Antonio Rukavina? Sowieso! Daniel Bierofka? Logisch! Auch Fabian Johnson ist einer, der Qualität hat. Aber dann? Ja, dann wird’s schon schwer bei der Suche nach Elite-Kräften im aktuellen Löwen-Kader für die Elf, die 2010 im Jubiläumsjahr den Bundesliga-Aufstieg anpeilen soll. Der Auftrag an Miki Stevic lautet: Bitte auffüllen – mit Stars! „Ich werde dafür sorgen“, verspricht der Sportdirektor, „dass wir mehr Spieler der Kategorie Lauth bekommen.“

Obwohl Stevic erst einige Wochen an der Grünwalder Straße arbeitet, hat der 39-jährige Manager (früher u.a. Profi bei Borussia Dortmund und Fenerbahce Istanbul) spätestens nach der 2:3-Pleite in Koblenz genug vom chronischen Mittelmaß beim TSV 1860.

Noch hat sich Stevic zwar nicht entschieden, wer alles aussortiert wird, aber viele der elf Spieler, deren Verträge auslaufen, werden wohl keine Zukunft mehr an der Grünwalder Straße haben. Dazu soll U20-Nationalspieler Lars Bender in diesem Sommer verkauft werden – um eine höhere Ablöse zu erzielen, als die festgeschriebene für das Jahr 2010 (1,6 Millionen Euro).

Stevic will auch mit den Bender-Millionen eine völlig neue Struktur im Spielerkader des TSV 1860, er will Profis mit Temperament, Können und Klasse – und keine Allerweltsfußballer mehr wie seit dem Bundesliga-Abstieg 2004.

Was Aufsichtsrat Karsten Wettberg, dem einzigen Fußball-Fachmann im Aufsichtsrat des TSV 1860, nur recht sein kann. „Ich bin fest überzeugt“, sagt der 67-Jährige der AZ, „dass Miki Stevic für diese Mission der richtige Mann am richtigen Ort ist. Endlich hat unser Verein wieder einen Manager, der die notwendige Ahnung vom Fußball und das Netzwerk hat.“

Hört sich ein klein wenig auch nach einer Abrechnung mit Ex-Sportdirektor Stefan Reuter an. „Weder Mathieu Beda noch Sascha Rösler haben bei uns eingeschlagen“, schimpft Wettberg, „und von Chhunly Pagenburg oder Mustafa Kucukovic will ich gar nicht erst reden. Vor dem habe ich eindringlich gewarnt und dann kriegt der einen Dreieinhalb-Jahres-Vertrag!“ Die Altlasten lassen den TSV 1860 nicht los.

Fehler in der Einkaufspolitik, die Stevic nun nicht wiederholen will – auch weil er weiß, dass die nächste Saison möglicherweise der letzte Anlauf der Löwen in Richtung OPberhaus sein könnte – für lange Zeit.

Aber welches Spielerprofil benötigt 1860, um wieder ein Bundesligist zu werden? „Seit Göktan weg ist, fehlt uns ein Kreativspieler“, sagt Wettberg, der als Trainer des Bayernligisten SV Seligenporten ein erfolgreiches Comeback (vier Punkte in zwei Spielen) hinter sich hat. Und was noch fehlt: „Einer, der perfekte Standards schießt“, fordert Wettberg, „viele Spiele in der Zweiten Liga werden durch Ecken und Freistöße entschieden, da krankt’s bei uns. Aber das ist moderner Fußball. Das haben uns andere Mannschaften wie Freiburg oder Nürnberg einfach voraus.“

Einen neuen Vertrag anbieten würde Wettberg für das Unternehmen Aufstieg 2010 in jedem Fall Verteidiger Markus Thorandt. „Den muss man halten – wie auch Michael Hofmann. Auf der Torwart-Position haben wir die wenigsten Sorgen.“ Oliver Griss