Tischtennis-Topfunktionär Weikert neuer DOSB-Präsident

Thomas Weikert ist neuer Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. Auf der Mitgliederversammlung des DOSB in Weimar setzte er sich gegen Claudia Bokel klar durch.
| dpa
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Thomas Weikert ist der neuer Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes.
Thomas Weikert ist der neuer Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. © Michael Reichel/PA/DOSB/dpa
Weimar

Thomas Weikert ist neuer Präsident des krisengeschüttelten Deutschen Olympischen Sportbundes.

Mit 361 zu 56 Stimmen setzte sich der 60-jährige Jurist bei der DOSB-Mitgliederversammlung am Samstag in Weimar deutlich gegen die deutsche Fechtpräsidentin Claudia Bokel durch. Der frühere Tischtennis-Weltpräsident Weikert tritt die Nachfolge von Alfons Hörmann an der Spitze der Dachorganisation des Sports mit rund 27 Millionen Mitgliedern und 90.000 Vereinen an.

"Ich bin ein bisschen überwältigt. Jetzt packen wir es gemeinsam an und dann kommen wir auch voran. Danke auch an Claudia, ich möchte nicht auf deine Expertise verzichten", sagte Weikert nach seiner Wahl.

Anzug tragen, im Trikot denken

"Der dunkle Anzug muss fälschlicherweise oft als Entfremdung der Sportfunktionäre von der Basis herhalten. Das will ich ändern", sagte Weikert bei seiner Vorstellungsrede. Er wolle Mannschaftskapitän eines starken Teams mit Transparenz, Offenheit und vielen, richtigen Weichenstellungen sein: "Geben Sie mir und uns die Chance zu beweisen, dass wir oft Anzug tragen, aber immer Trikot denken."

Der Familienanwalt aus dem hessischen Limburg an der Lahn gilt als Mann des Ausgleichs, der "einvernehmliche Lösungen" sucht und damit möglicherweise die Idealbesetzung für den Topjob ist. "Das ist mein Stil, das war so im Deutschen Tischtennis-Bund, so ist es im Weltverband ITTF gewesen, aber auch im sonstigen Leben", sagte Weikert. Schon 2018 war er als DOSB-Chef im Gespräch, als eine Reihe von Spitzenverbänden den Aufstand gegen Hörmann probten und sich über dessen Umgangston und Benehmen beklagten.

Der umstrittene Hörmann hatte die Konsequenz aus der Affäre um einen anonymen Mitarbeiterbrief gezogen und nach acht Jahren im Amt auf eine Kandidatur verzichtet. In dem Brief wurden ihm und der DOSB-Führung vorgehalten, eine "Kultur der Angst" im Haus des Sports in Frankfurt/Main geschaffen zu haben.

Verschärft wurde die Krise durch anwaltliche Drohbriefe im Auftrag von ihm und der Vorstandschefin Veronika Rücker an das Ex-Vorstandsmitglied Karin Fehres. Sie wurde als Urheberin des anonymen Schreibens verdächtigt und mit Strafanzeige sowie Zivilklage bedroht. Fehres wies die Vorwürfe entschieden zurück.

Hörmann nicht in Weimar anwesend

Der Wirtschaftsmanager Hörmann war wegen der Folgen einer Corona-Infektion auf ärztliches Anraten nicht nach Weimar gereist, schürte im Interview mit der "Allgäuer Zeitung" (Samstag) aber weiter seine Theorie, Opfer einer Intrige geworden zu sein. Umfangreiche Hinweise würden belegen, "dass es sich um einen ganz gezielten Umsturz an der gesamten Spitze des DOSB handele", sagte er.

Als ehrenamtliche Nummer eins im DOSB wird Weikert alle Hände voll zu haben. Frieden, Ruhe und Vertrauen im Dachverband zu schaffen, dürfte an erster Stelle stehen. Gefragt sind ein kluges Corona-Management, die Reparatur der Beziehung zum Internationalen Olympischen Komitee, Korrekturen am Spitzensportsystem - auch im Dialog mit der neuen Bundesregierung über die im Koalitionsvertrag fixierten Sportthemen.

"Das ist erstmal ermutigend", sagte Weikert zu den Vorstellungen der Ampelkoalition von SPD, FDP und Grüne, betonte aber: "Es ist klar, dass die Politik nicht einseitig vorgehen darf und umgekehrt der DOSB nicht. Man muss das gemeinsam entwickeln." Trotz des Berges an Herausforderungen geht er ohne Angst ans Werk. "Ich habe Respekt, ja", meinte er. Aber man müsse schließlich "nicht bei Null anfangen."

Claudia Bokel, seit 2016 Präsidentin des Deutschen Fechter-Bundes, verzichtete auf die Präsenz in Weimar und ließ sich nur digital zuschalten. Die Entscheidung, sich nicht persönlich zu präsentieren, auf jeglichen Wahlkampf zu verzichten, erst Weikert öffentlich Unterstützung zuzusagen und dann selbst zu kandidieren, dürften der früheren Degenweltmeisterin viele Sympathien und Stimmen gekostet haben.

© dpa-infocom, dpa:211204-99-255053/4

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