"Stolz" auf Silber: Tischtennis-Herren verlieren gegen China

Silber hatten die Tischtennis-Herren sicher, an Gold glaubten sie - gegen die Top-Nation China aber nicht lange. Die Ausnahmespieler des Gegners waren im Olympia-Finale zu stark.
| Von Kristina Puck, Maximilian Haupt und Tom Bachmann, dpa
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Die deutschen Tischtennis-Herren um Timo Boll (l) und Patrick Franziska haben die große Sensation gegen China verpasst.
Die deutschen Tischtennis-Herren um Timo Boll (l) und Patrick Franziska haben die große Sensation gegen China verpasst. © Swen Pförtner/dpa
Tokio

Mit einem bittersüßen Lächeln gratulierte Timo Boll den wieder einmal übermächtigen Chinesen, bevor er seinen Teamkollegen nach dem geplatzten Gold-Traum in die Arme fiel.

Die deutschen Tischtennis-Herren sind im Olympia-Finale von Tokio klar mit 0:3 an China gescheitert und haben wie schon 2008 Silber gewonnen. Nur drei von zwölf Sätzen gewonnen, lautete die enttäuschende Ausbeute - für die angestrebte Sensation reichte das bei Weitem nicht. Dennoch darf das deutsche Trio seinen zweiten Platz als großen Erfolg feiern. Gold war angesichts der Dominanz der Asiaten nicht zu erwarten gewesen.

"Den chinesischen Drachen gekitzelt"

"Wir haben ein großes Turnier gespielt, auch im Finale. Wir haben unsere kleine Chance gehabt. Wir sind sehr stolz auf dieses Turnier und mit der Silbermedaille mehr als zufrieden", sagte Bundestrainer Jörg Roßkopf. Das empfand auch Ehrenpräsident Hans-Wilhelm Gäb: "Wir haben die Chinesen im Finale auf ihr höchstes Niveau getrieben."

"Unser Team hat den chinesischen Drachen gekitzelt, mutig gegen ihn gekämpft, konnte ihn letztlich aber leider nicht zähmen", sagte DTTB-Präsident Michael Geiger, der in Deutschland die Daumen drückte. "In der Summe haben sich sowohl unsere Damen als auch unsere Herren in Tokio hervorragend präsentiert und viele neue Fans gewonnen. Spieler-, Trainer- und Betreuer-Team haben toll zusammengearbeitet. Zwei Medaillengewinne sind ein hervorragendes Ergebnis."

Vierte Mannschafts-Medaille in Serie

Nach Silber vor 13 Jahren und zweimal Bronze 2012 und 2016 ist es für die deutschen Männer im Mannschafts-Wettbewerb die vierte Medaille in Serie. Bei diesen Sommerspielen in Japan ist es die zweite nach dem Gewinn von Bronze für Spitzenspieler Dimitrij Ovtcharov im Einzel. Die Damen hatten im Team-Event ihr kleines Finale um Bronze verloren.

Ovtcharov und seine Teamkollegen hatten gegen die chinesischen Goldmedaillen-Abräumer diesmal mehr denn je von der Sensation geträumt. "Der Unterschied zum Olympia-Endspiel 2008 ist, dass es für uns damals das Größte war, überhaupt das Finale erreicht zu haben", sagte Sportdirektor Richard Prause vor dem Endspiel: "Wir sind jetzt nicht nur damit zufrieden, es erreicht haben, sondern brennen darauf, es zu spielen."

China deutlich zu stark

Doch die Chinesen mit den ersten Drei der Weltrangliste waren wieder zu stark und steckten zum vierten Mal in der vierten Austragung dieses Wettbewerb-Formats den Sieg ein. Einzel-Olympiasieger Ma Long polierte seine Sammlung mit der fünften Goldmedaille auf. Ovtcharov aber ist nun zum sechsten Mal mit olympischem Edelmetall dekoriert - diese Anzahl kann kein anderer Athlet im Tischtennis aufweisen.

Das klare 0:3 im Doppel von Boll und Franziska durchkreuzte den Plan, die Nummer eins der Setzliste mit einem Auftaktsieg unter Druck zu setzen. Gegen Ma Long und Xu Xin lag das Duo viel zu schnell deutlich hinten. Lautstark bejubelten die Chinesen jeden Punkt, unterstützt von einer in diesen Tagen ungewöhnlich großen Gruppe von rund 25 Landsleuten allein im Block der Betreuer.

Bolls Blick wirkte dagegen bereits genervt, als es bei 2:9 im zweiten Satz wohl auch ihm klar wurde, dass gegen dieses chinesische Doppel an diesem Tag nichts zu holen ist. Boll und Franziska schienen angesichts der schnellen Punktgewinne der Rivalen ratlos. Durchgang drei lief zwar enger ab, kein einziges Mal aber lagen die Deutschen vorn.

Ovtcharov mit vielversprechendem Start

Ovtcharov stellte gegen den Weltranglistenersten Fan Zhendong seine derzeit Weltklasse-Form unter Beweis und startete vielversprechend. Mit 2:1-Sätzen lag die Nummer sieben der Welt vorn und lieferte sich mit dem Olympia-Zweiten von Tokio im Einzel Ballwechsel, die eine volle Halle verdient gehabt hätten. Nach einem 4:4 im vierten Satz entschied der 32-Jährige aber nur noch vier weitere Ballwechsel für sich und verlor den Entscheidungssatz klar. Nach dem 2:3 schlich er mit hängenden Schultern davon. Auch diese Hoffnung, die Chinesen mehr als nur zu ärgern, war dahin.

Nur vier Sätze hatten die Chinesen in den drei Runden zuvor in diesem Team-Wettbewerb abgegeben. Ein Spiel hatten sie nicht verloren - und dabei blieb es auch an diesem Final-Abend. Zwar hielt Boll gegen Ma Long dagegen, gewann einen Satz und wehrte insgesamt fünf Matchbälle ab. Doch letztlich war die Entscheidung in nur drei statt fünf möglichen Partien gefallen.

© dpa-infocom, dpa:210806-99-744727/4

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