"Sind noch nicht fertig": Tischtennis-Männer spielen um Gold

Deutschlands Tischtennis-Männer spielen bei Olympia in Tokio um Gold. Gegner im Finale sind zwar die übermächtigen Chinesen, doch Timo Boll und Co. nehmen den Kampf an.
| Von Kristina Puck und Thomas Wolfer, dpa
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Die deutsche Mannschaft liegt sich nach dem gewonnenen Halbfinale in den Armen.
Die deutsche Mannschaft liegt sich nach dem gewonnenen Halbfinale in den Armen. © Kin Cheung/AP/dpa
Tokio

Nach seinem verwandelten Matchball fiel Dimitrij Ovtcharov seinen Teamkollegen glücklich in die Arme und ließ sich dann auf den Hallenboden sinken.

In einem Halbfinal-Krimi gegen Japan haben sich Deutschlands Tischtennis-Männer bei den Olympischen Spielen Silber gesichert und sind damit so erfolgreich wie seit 2008 nicht mehr. 13 Jahre nach dem Finaleinzug von Peking gelang dem Team am Mittwoch mit einem 3:2 gegen den Gastgeber wieder der Einzug ins Endspiel.

"Sollten an uns glauben"

Nachdem Patrick Franziska die Entscheidung noch überraschend knapp verfehlte, sorgte Dimitrij Ovtcharov im letzten Match für den dritten Punkt. Um den Erfolg zu vergolden, benötigt die an Position zwei gesetzte Auswahl am Freitag (12.30 Uhr MESZ) eine Sensation gegen Dauersieger China um Einzel-Olympiasieger Ma Long.

"Ich bin mega stolz. Mir fehlen noch ein bisschen die Worte. Wir sind hierher gekommen, um jetzt auch Gold zu gewinnen", sagte Franziska, nachdem er mit seinen Kollegen nur kurz über den Erfolg jubelte. "Wir sind noch nicht fertig. Ich bin so froh, dass ich gewonnen habe", ergänzte der starke Ovtcharov. Boll wollte das Finale gegen die Chinesen auch nicht schon vorher abschenken: "Ich denke, wir sollten an uns glauben. Es muss erst gespielt werden."

Bestmarke für Ovtcharov

Neben diesem sicheren Edelmetall und Bronze im Einzel für Ovtcharov ist noch eine dritte Medaille fürs deutsche Tischtennis bei diesen Sommerspielen in der japanischen Hauptstadt drin. Am Donnerstag (4.00 Uhr MESZ) wollen die Frauen gegen Hongkong Bronze nachlegen.

Der Olympia-Dritte im Einzel, Ovtcharov, hat mit seiner insgesamt sechsten olympischen Medaille schon jetzt eine Bestmarke aufgestellt. Ma Long könnte zwar zum fünften Mal Olympiasieger werden, so viele Medaillen wie Ovtcharov besitzt aber niemand. Wie Timo Boll feierte er schon Silber 2008 und Bronze 2012 und 2016 mit der Mannschaft.

Reine Zahlen spiegeln die Spannung dieses Halbfinals nicht wider. Beinahe wäre der Dritte im Bunde, Franziska, bereits zum Matchwinner geworden. Zusammen mit Boll hatte er im Doppel gegen den Mixed-Olympiasieger Jun Mizutani sowie Koki Niwa im fünften Satz zunächst für die Führung gesorgt. Ovtcharov entschied dann gegen den Weltranglisten-Vierten Tomokazu Harimoto nur den ersten Abschnitt für sich. Weil der 40-jährige Boll nach einem Satzrückstand gegen Mizutani sein Einzel aber wendete, führten die Deutschen mit 2:1, als Franziska wieder an die Tischtennis-Platte trat.

Gegen das Supertalent Harimoto legte er die ersten beiden Sätze vor. Im vierten Durchgang fehlten ihm nur drei, im fünften sogar nur zwei Punkte zum Coup. Doch Harimoto rettete sich noch einmal.

Revanche für 2016

Damit kam es wie schon beim 3:2 im Viertelfinale gegen Taiwan bei dieser noch kniffligeren Aufgabe gegen die an drei gesetzten Gastgeber auf Ovtcharov an. Mit dem 3:0 gegen Koki Niwa führte der Weltranglisten-Siebte sein Team ins Endspiel.

Die deutschen Männer revanchierten sich damit auch für die Halbfinal-Niederlage vor fünf Jahren in Rio gegen die Asiaten. Auf dem Weg zu Silber 2008 hatten sie die Japaner ebenfalls im Halbfinale besiegt. Eine solche Medaillen-Serie wie die Männer haben Deutschlands Tischtennis-Frauen nicht vorzuweisen.

Aber auch sie können zum zweiten Mal nacheinander nach dem Überraschungssilber 2016 bei den Olympischen Spielen eine Medaille holen. Zwar blieb die Mannschaft von Bundestrainerin Jie Schöpp in ihrem Halbfinale gegen die übermächtigen Chinesinnen erwartungsgemäß chancenlos. Im Spiel um Bronze rechnet sich die an drei gesetzte Auswahl selbstbewusst aber etwas aus. "Eine Medaille wäre unglaublich", sagte Han Ying und berichtete davon, wie sie im olympischen Dorf die Bilder von anderen Medaillengewinnern gesehen habe. "Wir waren alle neidisch. Wir haben dann darüber gesprochen, dass wir auch unbedingt eine gewinnen wollen", sagte die 38-Jährige.

© dpa-infocom, dpa:210804-99-708669/5

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