Risiko-Rotation: Hertha wächst zusammen gegen Abstieg

Pal Dardais Plan zeigte die erhoffte Wirkung. Im Kampf um den Bundesliga-Verbleib und nach der Corona-Isolation präsentiert sich eine geeinte Hertha. Verletzungen aber trüben den Eindruck.
| dpa
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Herthas Spieler freuen sich nach dem Sieg.
Herthas Spieler freuen sich nach dem Sieg. © Annegret Hilse/Reuters-Pool/dpa
Berlin

Pal Dardai wusste, wie viel er riskiert hatte. "Man kann natürlich auch sagen, ich habe gute Entscheidungen getroffen, aber wenn es schief gegangen wäre, würden alle lachen", sagte der Trainer von Hertha BSC.

Seine Fast-Komplett-Rotation mit neun Veränderungen in der Startformation mitten in der womöglich vorentscheidenden Stresswoche im Kampf gegen den Abstieg aus der Fußball-Bundesliga zahlte sich so sehr aus, wie es sich der bestens gelaunte Ungar selbst wohl nicht erträumt hatte.

"Es war auch ein bisschen Gänsehaut, es war Teamgeist", lobte Dardai nach dem 3:0 (2:0)-Sieg über den SC Freiburg, durch den der Hauptstadtclub von 17. auf den 14. Tabellenplatz sprang.

WAGNIS: Selbst seine Co-Trainer seien überrascht gewesen, schilderte Dardai auskunftsfreudig und auch ein bisschen stolz nach seiner Risiko-Rotation. Als andere die ersten Gedankenspiele darüber anstellten, beim strammen Restprogramm der Berliner nach ihrer Corona-Quarantänepause verschiedene Mannschaften auflaufen zu lassen, "habe ich nie etwas gesagt". Im Kopf hatte der 45-Jährige die Variante aber schon. Gegen Freiburg setzte Dardai sie um.

"Vor dem Spiel ist der Trainer auf uns zugekommen und hat mit uns gesprochen, dass wir so rotieren", berichtete der stellvertretende Kapitän Niklas Stark. Der Nationalspieler gehörte zu denen, die im Olympiastadion nicht von Beginn spielten. "Und wer auf die Bank geschaut und gehört hat, hat gespürt, dass keiner geknickt war. Wir brauchen alle Mann, das haben wir in diesem Spiel gezeigt", betonte Stark. Durch die personellen Umstellungen änderte Dardai zudem das Spielsystem und ließ in der Abwehr eine Viererkette auflaufen.

ERKENNTNIS: Wer Hertha in diesem Spiel sah, vermochte sich schwer vorzustellen, dass diese Mannschaft gegen den Abstieg kämpft. Diszipliniert, entschlossen und unfassbar effektiv agierten die Gastgeber. Schon in der Pause lobte Sportdirektor Arne Friedrich, dass da etwas zusammenwachse. Dardai stimmte dem nach dem Spiel zu.

Die Isolation der Profis und Trainer für zwei Wochen nach fünf Corona-Fällen hat die Herthaner - so der aktuelle Eindruck - näher zusammenrücken lassen. Zugleich macht die neue Geschlossenheit die Berliner schwerer ausrechenbar. "Wir haben sie anders erwartet", räumte Freiburgs Kapitän Christian Günter ein mit Blick auf die neue taktische Variante und die personellen Umstellungen. Hinzu kam, dass die eingewechselten Hertha-Spieler den Auftritt der Gastgeber auch noch mal merklich belebten.

BETRÜBNIS: Mattéo Guendouzi fehlt gegen Arminia Bielefeld, er wird wohl auch die restlichen Partien nicht zur Verfügung stehen: Verdacht auf Mittelfußbruch. Er ist der Antreiber im Mittelfeld. Neben Alexander Schwolow im Tor war der 22 Jahre alte Franzose der einzige, der auch schon gegen den FSV Mainz 05 in der Startformation gestanden hatte. Kurz vor der Pause musste Guendouzi gegen Freiburg vom Platz.

Und dann saß auf einmal kurz vor Schluss auch noch der für Guendouzi eingewechselte Sami Khedira auf der Bank - Dardai hatte den Weltmeister von 2014 vom Platz beordert. Angesichts der beruhigenden Führung und der Wadenprobleme von Khedira ging's auch mit neun Feldspielern. Es handele sich um eine Verhärtung, meinte Dardai und rechnet mit zwei, drei Tagen Pause für Khedira. Dessen Einsatz am Sonntag daheim gegen Bielefeld ist damit äußerst fraglich.

© dpa-infocom, dpa:210507-99-501002/2

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