Mahmoud Charr: "Das war enttäuschend für meine Zuschauer"

Mahmoud Charr gewinnt seinen Comeback-Fight gegen den hilf- und lustlosen Christopher Lovejoy durch Abbruch in der 2. Runde.
von  Matthias Kerber
Mister Lovejoy bei der Arbeit: Der amerikanische Schwergewichtler (l.) verliert gegen Mahmoud Charr in der 2. Runde durch K.o.
Mister Lovejoy bei der Arbeit: Der amerikanische Schwergewichtler (l.) verliert gegen Mahmoud Charr in der 2. Runde durch K.o. © IMAGO / Eduard Bopp

Es war ein Spektakel. Ohne Frage. Zumindest, wenn man es als Inszenierung versteht, die die Schaulust des Publikums befriedigt und es nicht nur als Ereignis versteht, das Aufsehen erregt, sondern eben auch als eine Veranstaltung mit seichtem - oder gar befremdlichem - Charakter.

Die Ringrückkehr von Mahmoud Charr, der sich nach seiner Deutscher-Pass-Posse eben nicht mehr Manuel nennt, erfüllte - so verstanden - alle Aspekte eines Spektakels. Dreieinhalb Jahre war der 36-Jährige nicht mehr im Ring gestanden, eine (später aufgehobene) Doping-Sperre, die Corona-Krise und geplatzte Kämpfe hatten ihn zum Box-Frühruhestand genötigt.

Fünfminütiges Spektakel gegen Christopher Lovejoy

Er, der wegen Arthrose zwei Titan-Hüften eingesetzt bekommen hat und sich nun nach dem unverwüstlichen "Sechs-Millionen-Dollar-Mann" benennt, stieg in dem gar nicht glamourösen Sportstudio Baaden in Köln gegen Christopher Lovejoy, dessen einziger Glamour-Faktor sein Name und sein aufgeblähter Kampfrekord (19 Fights, 19 Siege, 19 Knockouts) ist, in das Seilgeviert.

Nach insgesamt vier Minuten und neun Sekunden war das Spektakel schon vorbei. Ringrichter Jürgen Langos hatte in der 2. Runde ein Einsehen und beendete das ungleiche Duell der Kämpfer, die in natura nicht ansatzweise so durchtrainiert waren, wie das Kampfplakat suggerieren wollte.

Lovejoy, der Anfang des Jahres seine "Karriere" beendete hatte, war stramme 27,5 Kilo schwerer als Charr (111,5 kg).

Lovejoy: hoffnungslose Überforderung

Der 37-Jährige war von Anfang an hoffnungslos überfordert. Oder anders gesagt: Er zeigte, was er kann - und das ist nicht viel. "Das war enttäuschend für meine Zuschauer. Es tut mir leid. Aber ich selbst bin glücklich", sagte Charr danach.

Zuvor hatte er sich noch als Kunstturner versucht, nach dem Abbruch ein Rad im Ring geschlagen. Zumindest das hatte etwas von dem Unterhaltungswert, den der Kampf nie hatte. Es war offensichtlich, dass Lovejoy mehr der Charr-Zahltag, als die sportliche Herausforderung zu einer Ring-Rückkehr motiviert hatte.

Warmboxen für Charr

Für Charr war es eher ein Warmboxen, um sich im Gespräch zu halten, um selber noch einmal vielleicht an einen großen Namen und damit das große Geld zu kommen.

Der Verband WBA führt Charr, der sich 2017 den Weltmeistertitel durch einen Abbruch-Sieg gegen Aleksandr Ustinow geholt hatte (wobei bei der WBA der Weltmeister nur die Nummer 2 hinter dem Superchampions ist), als "Weltmeister im Wartestand". Der Titel wurde ihm aberkannt, weil er Anfang des Jahres aufgrund von Visa-Problemen nicht in den USA gegen Trevor Bryan verteidigen konnte.

Er fordert die Weltmeister heraus

Und jetzt? "Wer mich kennt, weiß, dass mein Wille Berge versetzen kann. Ich will die Besten boxen", sagte Charr. Sein nächster Fight soll im September stattfinden, sagte er und forderte die aktuellen Weltmeister: "Ich denke, Anthony Joshua oder Tyson Fury müssen gegen mich boxen." Müssen sie sicher nicht, werden sie auch ziemlich sicher nicht...