Handball: So stehen Deutschlands Chancen bei der Mega-EM

Am Donnerstag beginnt für die Handballer ein Kontinental-Turnier in drei Ländern. Was ist bei der Handball-EM für das DHB-Team drin? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.
von  AZ/joh
Der Anführer: Routinier Uwe Gensheimer führt das deutsche Team als Kapitän aufs Feld.
Der Anführer: Routinier Uwe Gensheimer führt das deutsche Team als Kapitän aufs Feld. © Uwe Anspach/dpa

Wien/München - Während ihres Fluges von Wien nach Trondheim durften die deutschen Handballer schonmal ein wenig träumen, von Siegen und dem großen Coup bei der anstehenden Europameisterschaft. Nach Rang vier bei der Heim-WM im Vorjahr will das DHB-Team bei der am Donnerstag beginnenden Endrunde (bis 26. Januar) diesmal etwas Handfestes mitnehmen, also mindestens eine Medaille. "Wenn wir am Ende etwas Schweres um den Hals baumeln hätten, dann wäre das die absolute Krönung", meinte Bundestrainer Christian Prokop. "Wir alle brennen!"

Der Coach geht in sein drittes Turnier mit der Nationalmannschaft – ein Turnier, das aufgrund der Gastgeber- und Teilnehmerzahl ganz neue Herausforderungen bereithält. Wie stehen die Chancen für sein Team? Wer sind die Favoriten? Und wo finden die Spiele überhaupt statt? Die AZ beantwortet die wichtigsten Fragen zur Handball-EM.

Wo wird gespielt?

Die Endrunde wird zum ersten Mal in drei Ländern ausgetragen. Gastgeber sind Norwegen, Österreich und Schweden. Insgesamt gibt es sechs Spielorte. Die Vorrundenspiele werden in Graz (Gruppe A), Wien (Gruppe B), Trondheim (Gruppe C mit Deutschland und Gruppe D), Malmö (Gruppe E) und Göteborg (Gruppe F) ausgetragen. Die Hauptrundenspiele finden in Wien und Malmö statt. Das Halbfinale und die Platzierungsspiele inklusive des Finals steigen in Stockholm.

Was ist noch neu?

Mehr Teams, mehr Spiele: Die erste paneuropäische EM ist in vielerlei Hinsicht ein absolutes Novum. Das Teilnehmerfeld wurde von 16 auf 24 Mannschaften aufgestockt, was zur Folge hat, dass in den zweieinhalb Turnierwochen insgesamt 65 statt bisher 47 Spiele ausgetragen werden. Die beiden Finalisten werden also bereits acht Spiele absolviert haben.

Nach welchem Modus wird gespielt?

Die Vorrunde wird in sechs statt bisher in vier Vierergruppen ausgetragen. Die ersten beiden Mannschaften jeder Gruppe ziehen in die Hauptrunde ein, in der es dann zwei Sechsergruppen gibt. Die beiden bestplatzierten Teams der beiden Hauptrundengruppen erreichen das Halbfinale.

Wer ist in der deutschen Gruppe?

Die Mannschaft von Bundestrainer Christian Prokop bekommt es zum Auftakt mit dem EM-Neuling Niederlande zu tun. Danach kommt es zum Duell mit Titelverteidiger Spanien. Zum Abschluss trifft die DHB-Auswahl auf Lettland.

Was spricht gegen Deutschland?

Durch die Verletzungen etlicher Stammkräfte geht das Team um Kapitän Uwe Gensheimer mit einigen Fragezeichen an den Start. Allein im Rückraum hatte der Bundestrainer sieben Absagen zu verschmerzen. Das senkt die Qualität im Kader.

Was spricht für Deutschland?

Als großer Vorteil könnte sich der Spielplan erweisen. Die vergleichsweise leichte Vorrundengruppe sollte kein Problem darstellen. In der Hauptrunde gilt es dann, Kroatien und/oder Spanien hinter sich zu lassen, um das Halbfinale zu erreichen. Dann ist alles möglich.

Wer sind die Favoriten?

Topfavoriten sind Olympiasieger und Weltmeister Dänemark sowie der WM-Zweite und Co-Gastgeber Norwegen. Zum erweiterten Kreis der Gold-Kandidaten zählen Titelverteidiger Spanien, der WM-Dritte Frankreich, Kroatien, Schweden und die deutsche Mannschaft.

Kann sich Deutschland schon ein Ticket für Olympia sichern?

Ja, aber dafür müsste die DHB-Auswahl wie 2016 Europameister werden oder im Falle eines Titelgewinns der als Weltmeister bereits qualifizierten Dänen EM-Zweiter werden. Die Teilnahme an einem von drei Quali-Turnieren hat die deutsche Mannschaft als WM-Vierter bereits sicher.

Werden die Spiele im TV übertragen?

Ja. ARD und ZDF werden alle EM-Spiele der deutschen Mannschaft live übertragen. Das ZDF zeigt unter anderen das Auftaktspiel der DHB-Auswahl gegen die Niederlande und würde im Falle der Qualifikation auch das Halbfinale mit Deutschland übertragen. Ein etwaiges Finale oder das Spiel um Platz 3 mit deutscher Beteiligung wäre in der ARD zu sehen. Zudem überträgt Eurosport bis zu 18 EM-Spiele ohne deutsche Beteiligung live. Der Internetanbieter Sportdeutschland.TV zeigt alle Endrundenpartien ohne deutsche Beteiligung live.