Marcel Halstenberg: Der Verlierer hinter Robin Gosens

Nationalverteidiger Marcel Halstenberg ist in der Rangordnung hinter den Shooting-Star aus Bergamo zurückgefallen. "Robin hat grandios gespielt - und die Besten müssen spielen", sagt er selbst.
von  Patrick Strasser
"Da kann man etwas galliger sein", sagt Nationalverteidiger Marcel Halstenberg (l.), hier im Zweikampf mit Rafa Silva, der beim zweiten Treffer der Portugiesen keine gute Figur abgegeben hat.
"Da kann man etwas galliger sein", sagt Nationalverteidiger Marcel Halstenberg (l.), hier im Zweikampf mit Rafa Silva, der beim zweiten Treffer der Portugiesen keine gute Figur abgegeben hat. © picture alliance/dpa

Marcel Halstenberg kann's nicht mehr hören - und schon lange nicht mehr verstehen.

Diese ständigen Verwechslungen mit seinem Leipziger Teamkollegen Lukas Klostermann. Auch wenn beide stets als RB-Flügelzange beschrieben werden, gibt es laut dem Linksverteidiger "Halste" (wie er in der Nationalelf gerufen wird) Unterschiede zu Rechtsverteidiger "Klosti".

"Wir wundern uns schon, warum wir so oft verwechselt werden"

Man sei sich zwar von der "Größe und Statur sehr ähnlich", räumte der vier Jahre Ältere im EM-Quartier der deutschen Nationalmannschaft in Herzogenaurach ein: "Aber es gibt gewisse Unterschiede wie die Sommersprossen, die Haarfarbe und mein Bart. Da wundern wir uns schon, warum wir so oft verwechselt werden."

Selbst im Rahmen einer DFB-Pressekonferenz wurde Klostermann mit "Marcel Halstenberg" angesprochen. Er hoffe, dass dies jetzt nicht mehr passiere, sagte Klostermann, der Bundestrainer Joachim Löw für das Gruppenfinale gegen Ungarn am Mittwoch  aufgrund einer Muskelverletzung nicht zur Verfügung stand. Halstenberg ist fit und steht dennoch ganz klar in der zweiten Reihe: als Ersatzmann für den Senkrechtstarter des Turniers, als Back-up von Robin Gosens.

Der 26-Jährige von Atalanta Bergamo überzeugte beim 4:2 gegen Portugal mit drei Torbeteiligungen, hatte aber seinen Stammplatz im linken Mittelfeld ("Ich bin ein dynamischer Schienenspieler") bereits zuvor gesichert.

Skeptischer Blick? Bundestrainer Joachim Löw (l.) und Marcel Halstenberg, einer seiner Männer für die linke Außenbahn.
Skeptischer Blick? Bundestrainer Joachim Löw (l.) und Marcel Halstenberg, einer seiner Männer für die linke Außenbahn. © picture alliance/dpa

Dabei war der 29-jährige Halstenberg, der nun bei neun Länderspielen und einem Tor steht, zunächst der Favorit auf dieser Position, hatte bereits im November 2017 sein DFB-Debüt gegeben, aber dann oft wegen Verletzungen (Kreuzbandriss 2018) gefehlt.

Ist Gosens fit, stellt sich Halstenberg hinten an

Doppelt bitter: Weil Gladbach Jonas Hofmann die DFB-Auswahl Ende März wegen eines positiven Corona-Tests vor dem ersten WM-Qualifikationsspiel gegen Island (3:0) verlassen und sich in Quarantäne begeben musste, wurde Halstenberg als seine Kontaktperson identifiziert. Weil beide am Vortag gemeinsam Backgammon gespielt hatten, musste auch Pechvogel Halstenberg abreisen.

Beim 4:2 gegen Portugal wurde er für den angeschlagenen Gosens eingewechselt und gab keine besonders gute Figur ab. Was Halstenberg zugab. "Wir waren aber beim zweiten Gegentor zu offen, da sah ich am langen Pfosten auch nicht gut aus. Es waren mehrere Gegenspieler frei, da muss man besser kommunizieren. Man kann da galliger sein. Wir hatten es trainiert, aber haben das Gegentor zu einfach bekommen."

Ist Gosens fit, stellt sich der Leipziger hinten an. "Robin hat ein grandioses Spiel gemacht. Und die Besten müssen spielen", sagt der Teamplayer. Bleibt es gar bei diesem einzigen Turniereinsatz? Wo er zum Einsatz kommt, spielt für ihn keine Rolle. Auch das Zentrum der Abwehr wäre bei einem Ausfall der Innenverteidiger eine Option. "In Leipzig habe ich viel als linker Innenverteidiger gespielt, dort sehe ich mich auch. Aber ich kann auch auf dem linken Flügel spielen, ich bin vielseitig." Etwas Werbung in eigener Sache kann nie schaden. Man weiß schließlich nicht, was noch kommt.

Robin Gosens (ganz rechts neben Serge Gnabry) hat Marcel Halstenberg (l.) den Rang in der DFB-Elf als Linksverteidiger abgelaufen.
Robin Gosens (ganz rechts neben Serge Gnabry) hat Marcel Halstenberg (l.) den Rang in der DFB-Elf als Linksverteidiger abgelaufen. © firo/Augenklick

Doch das ist alles relativ. Es gibt wichtigere Dinge. Nach einem schweren familiären Schicksalsschlag (sein Vater hatte Knochenkrebs) meinte Halstenberg: "Es war kein einfaches Jahr, mein Vater ist gestorben, da ist es schön, Einsatzzeit zu bekommen." Nach dem Spiel in München habe er sich mit einigen Kumpels im Stadion über das "sehr, sehr schöne Erlebnis" seiner Turnier-Premiere ausgetauscht und sei "mit den Gedanken ein bisschen bei meinem Vater und der Familie zu Hause" gewesen.