Club-Manager Bader: "Wir sind kein Trümmerhaufen"

Club-Manager Martin Bader im AZ-Gespräch über das Leverkusener Modell für den 1. FC Nürnberg - und, warum der Franke Lothar Matthäus nicht Trainer wurde.
| Oliver Trust
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Nürnberg - Auch Martin Bader hat die Aufrufe in manchem Fan-Forum gelesen, Lothar Matthäus als neuen Trainer oder wenigstens einen anderen namhaften Coach zu holen. Matthäus sei doch Franke hieß es. "Allen, die sich in diese Richtung Gedanken gemacht haben, haben wir eine Frage gestellt: Wozu?", kontert der Manager des 1. FC Nürnberg. "Die Antwort ist einfach: Es besteht kein Grund dazu. Trainer-Wechsel in der Winterpause bedeuten normalerweise, da stimmt was nicht im Kader oder mit dem Trainer und du hast 12 oder 13 Punkte. Bei uns stimmt' s, wir haben ehrliche 20 Punkte und die Mannschaft hat sich selbst aus einer tiefen Krise herausgearbeitet."

Zu einem Trainerwechsel war Bader kurz vor Weihnachten gezwungen, als am 20 Dezember Dieter Hecking anrief und schnell klar wurde, der Mann, der vor drei Jahren in Nürnberg anheuerte, würde zum VfL Wolfsburg gehen. Bader wird nun wegen seiner internen Lösung als mutig beschrieben. "Und war es wichtig, so gut wie möglich Kontinuität zu bekommen. Deshalb haben wir uns zur Lösung mit Michael Wiesinger und Armin Reutershahn entschieden und das ziemlich schnell."

Am 24. Dezember verkündete der Club die vorerst bis zum Sommer gültige Variante mit dem bisherigen U-23-Trainer Wiesinger und dem bisherigen Assistenten Reutershahn. "Es ist ein ähnliches Modell wie in Leverkusen", sagt Bader. Mit dem 39 Jahre alten Wiesinger als "endgültigem Entscheider".

Auf Moraldiskussionen rund um Hecking wollte sich Bader nicht einlassen. "Damals als er kam, hatten wir 12 Punkte, da muss man eine solche Ausstiegsklausel schlucken. Da bleibt sicher was in den Kleidern hängen, wir hätten es runder gefunden, er wäre erst im Sommer gegangen", meinte Bader. "Da hilft nur, Strich drunter und weiter machen."

Bader informierte einige der Führungsspieler und erntete Zustimmung für den Leverkusener Versuch unter Nürnberger Bedingungen. "Bis Sommer machen wir jetzt so weiter und ich bin optimistisch", betont Bader. Das Duo Wiesinger/Reutershahn stehe für Kontinuität und frischen Wind. "Beide kennen den Verein und fühlen sich wohl mit der Idee. Und wir haben Zeit, uns das bis Sommer anzuschauen."

Nun glaubt Bader an den Erfolg der Mission, obwohl weder Wiesinger (Aufstieg mit dem FC Ingolstadt 2010) noch Reutershahn die Herkunftsvorteile von Lothar Matthäus genießen. Wiesinger kommt aus dem oberbayrischen Burghausen, Reutershagen (seit 2009 beim Club) ist Duisburger.

Ob Baders Konzept aufgeht, werden die Ergebnisse in der Rückrunde zeigen. Vorerst darf man Bader abnehmen, dass er nach den relativ ruhigen drei Hecking-Jahren nicht allzu erpicht war auf überdrehtes Medienspektakel a la Lothar Matthäus. Der Rekordnationalspieler hätte womöglich wie Wiesinger argumentiert und gesagt, er begreife den Job als "große Chance" und traue sich "den Job zu", ab dem 3. Januar Chef beim Club zu sein.

"Wir haben in meinen neun Jahren in Nürnberg manchen Sturm überstanden. Ich bin fest überzeugt, dies hier wird gar keiner. Wir wurden kalt erwischt und haben darauf reagiert", sagt Bader. Sein Vertrauen sei groß. "Was glauben Sie, wer sich bei uns alles beworben hat. Aber wir brauchen keinen von außen. Unsere beiden haben nicht nur die Lizenz, sondern auch alles, was nötig ist,. Denen liegt der Club am Herzen."

Das muss in Nürnberg vorerst Lokalkolorit genug sein.

 

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