Emanzipierte Bayern: Wie Trinchieris Team die Abgänge vergessen macht

Beim Duell des FC Bayern Basketball mit Valencia kommt es zum Wiedersehen mit Ex-Superstar Williams. "Jetzt haben wir andere Stärken", sagt Zipser.
von  Julian Buhl
"Wir spielen ein bisschen anders, wollen variabler sein", sagt Paul Zipser (r.) über das Spiel der Bayern Basketballer.
"Wir spielen ein bisschen anders, wollen variabler sein", sagt Paul Zipser (r.) über das Spiel der Bayern Basketballer. © imago/Oryk Haist

München - Wenn die Basketballer des FC Bayern am Freitagabend (20.30 Uhr) in der Euroleague auf Valencia treffen, werden sie dabei auch von ihrer eigenen Vergangenheit eingeholt. Die Spanier reisen schließlich mit einem gewissen Derrick Williams in ihren Reihen an.

Der NBA-erfahrene US-Amerikaner, der in der Saison 2018/19 noch mit den Bayern in der europäischen Königsklasse für Furore gesorgt hatte, tritt erstmals als Gegner im Audi Dome an. Die im März geplante Dienstreise nach München mit Fenerbahce, wohin Williams zunächst gewechselt war, war dem Corona-Lockdown zum Opfer gefallen.

Die Bayern wissen freilich ganz genau, was sie beim Wiedersehen mit Williams erwartet. "Er ist einer der besten Spieler der Euroleague", sagte FCBB-Coach Andrea Trinchieri über den Power Forward: "Wir alle wissen, was passiert, wenn er heißläuft. Hoffentlich ist am Freitag nicht einer dieser Tage."

Härtetest gegen Valencia für Bayerns Basketballer

Auch Co-Kapitän Vladimir Lucic weiß um die "große individuelle Qualität und die Athletik" seines ehemaligen Mitspielers. Um dessen Wirkung einzudämmen, helfe es "sicher, dass viele von uns ihn noch kennen".

Allerdings ist Valencia längst nicht so abhängig von Williams, wie es Bayern damals war. "Bei ihnen können wirklich alle fünf auf dem Feld werfen, das ist sehr selten", sagte Trinchieri und scherzte: "Ich denke, sogar der Konditionstrainer von Valencia ist ein Shooter." Das Duell mit dem direkten Tabellennachbarn wird für die mit fünf Siegen so furios gestarteten Bayern zum nächsten Härtetest.

Ein solcher Traumstart in die Euroleague-Saison kam wohl auch für die Bayern selbst ein wenig überraschend. Schließlich galt es neben Kapitän Danilo Barthel und Maodo Lo auch erneut auch ihren Starspieler zu ersetzen. Der hieß in der vergangenen Spielzeit Greg Monroe und hat sich nun Khimki Moskau angeschlossen. Auf den Center hatten die Münchner ihr Spiel sogar noch mehr fokussiert als im Vorjahr auf Williams.

Dank Trinchieri: Bayern mit neuer Variabilität

"Wir wollten damals viel über Greg im Low-Post spielen, weil er da ein super Spieler ist", sagte Nationalspieler Paul Zipser: "Jetzt haben wir andere Stärken, spielen ein bisschen anderes, wollen variabler sein. Das macht es schwer für den Gegner." Mal sind es Zipser oder Lucic, mal die dynamischen Guards Wade Baldwin und Nick Weiler-Babb oder Center Jalen Reynolds, die für Punkte oder andere spielentscheidende Aktionen sorgen.

Diese neue Variabilität hat auch viel mit Trinchieri und dessen Idee von Basketball zu tun. "Wir gehen in jedes Spiel mit einer anderen Ausrichtung. Wollen mal physisch und schnell, mal taktisch spielen", sagte Zipser. Der Coach kenne die Stärken seiner Spieler genau und wisse die perfekt auf den Gegner angepasst auszunutzen.

FC Bayern Basketball hat sich als Mannschaft gefunden

Auch in dieser Woche war Trinchieri wieder bei seiner detailversessenen Arbeit im Training zu beobachten. Immer wieder unterbrach er die Einheiten, um Dinge zu erklären, packte Spieler am Trikotärmel und positionierte sie ein paar Zentimeter weiter dort oder dort auf dem Spielfeld.

Seine Methoden und Maßnahmen wirken. Bayern ist es so in kürzester Zeit gelungen, sich von seinen ehemaligen Stars zu emanzipieren und als Mannschaft zu finden. Die basketballerische Teamchemie auf dem Court wirkt so gut wie lange nicht. "Wir haben uns auch letztes Jahr sehr gut verstanden", sagte Zipser, "konnten das aber nicht so gut aufs Feld bringen wie jetzt." Das soll am Freitagabend auch Williams zu spüren bekommen.