Der Bayern-Schreck: Scottie Wilbekin ist Tel Avivs Matchwinner

Scottie Wilbekin sorgt mit seinen 28 Punkten mal wieder für eine bittere Niederlage des FCBB beim 68:69 in Tel Aviv. Ein 17-Punkte-Comeback der Münchner bleibt unbelohnt. "Gespielt wie Männer".
von  Julian Buhl
Auch sie können Bayern-Schreck Scottie Wilbekin (l.) nicht stoppen:Corey Walden (r.) und Othello Hunter (M.).
Auch sie können Bayern-Schreck Scottie Wilbekin (l.) nicht stoppen:Corey Walden (r.) und Othello Hunter (M.). © euroleague.com

München - Wäre Uli Hoeneß und nicht Sportdirektor Daniele Baiesi für die Transferpolitik des FC Bayern Basketball verantwortlich, könnte man davon ausgehen, dass Scottie Wilbekin längst in München spielen würde. Denn mit 28 Punkten - einem neuen persönlichen Euroleague-Rekord - war der Guard von Maccabi Tel Aviv am Donnerstagabend mal wieder hauptverantwortlich dafür, dass die Bayern eine bittere 68:69-Niederlage hinnehmen mussten.

Und das war nicht das erste Mal, dass der US-Amerikaner als personifizierter Bayern-Schreck in Erscheinung trat. Im März 2018 hatte Wilbekin zum Beispiel noch für Darussafaka Istanbul gleich 41 Punkte erzielt - und den FCBB damit aus dem Eurocup-Halbfinale geworfen. In dem neusten Basketball-Thriller wurde er nun in einer dramatischen Schlussphase - zum Leidwesen der Münchner - einmal mehr zum Helden. 13 Punkte markierte er allein in den letzten fünfeinhalb Minuten, darunter ein Dreier sowie die beiden spielentscheidenden Freiwürfe bei 29 Sekunden auf der Uhr. "Ich wollte das erste Spiel einfach nicht verlieren - mit all den Fans hier und dem großartigen Start, den wir - wahrscheinlich dank ihnen - hatten", sagte der Matchwinner, "ich bin einfach glücklich, dass wir durchziehen konnten und den Sieg geholt haben."

Bayerns Comebackqualitäten reichen nicht aus

Anfangs schien es noch so, als würde das im Vorbeigehen gelingen. Angeführt von Wilbekin, der zeigte, warum er einer der besten Spielmacher in Europa ist, führten die Gastgeber in Hälfte eins zwischenzeitlich bereits mit 17 Zählern. Doch die Bayern erwiesen sich - wie schon vergangene Saison, in der sie insgesamt elf Euroleague-Spiele nach zweistelligem Rückstand noch gewannen - mal wieder als Comebackkönige. Mit einem 16:2-Lauf gleich zum Start der zweiten Halbzeit kämpften sich die Münchner eindrucksvoll zurück ins Spiel und führten ihrerseits fünf Minuten vor dem Ende sogar mit acht Punkten.


"Wir gehen ohne Sieg nach Hause. Dabei haben wir die Zweier besser getroffen, haben mehr Rebounds gefangen", sagte FCBB-Coach Andrea Trinchieri hinterher, "doch wir haben wegen einer großen Vorstellung von Scottie Wilbekin verloren." Abgesehen vom Topscorer hielt Trinchieris Team sämtliche Spieler unter zehn Punkten, auch die beiden Ex-Bayern Jalen Reynolds und Derrick Williams (jeweils sechs). In den Schlusssekunden hatte der FCBB so noch zwei Mal die Chance auf den Sieg. Doch sowohl Deshaun Thomas (15 Punkte) als auch Darrun Hilliard (fünf Punkte, sechs Assists) vergaben ihre Dreier.

Gelingt dem FC Bayern am Sonntag der erste Saisonsieg?

"Dieses unglaubliche Spiel nach fast zwei Jahren ohne Zuschauer war eine große Sache, ich hatte Gänsehaut", sagte Trinchieri trotzdem in der mit 10.352 Zuschauern ausverkauften Menora-Arena. "Wir haben mit viel Charakter gespielt, sind zusammengeblieben", führte der Italiener, der corona- und verletzungsbedingt weiter auf sechs Profis verzichten musste, aus. "Ich denke, wir hätten gewinnen können und ich fühle mich nicht besiegt. Ich nehme heute viel Zuversicht mit, wir haben hier wie Männer gespielt."

Am Sonntag im Pokalachtelfinale gegen Bamberg (20.30 Uhr) unternimmt der FCBB nun den dritten Versuch für den ersten Saisonsieg. Helfen dürfte dabei auch, dass in Trinchieri Bambergs einstiger Meister-Macher und Bayern-Schreck mittlerweile ja bei den Münchnern an der Seitenlinie steht. Ganz im Sinne von Uli Hoeneß.