Nur Hohn für die Bayern

In Hamburg lästern sie über die Einkäufe der Münchner, und in Bremen spottet Rückkehrer Pizarro: „Wir bleiben vor ihnen.“
von  Abendzeitung
Ätsch: Ex-Bayer Claudio Pizarro verhöhnt den Rekordmeister.
Ätsch: Ex-Bayer Claudio Pizarro verhöhnt den Rekordmeister. © AP

In Hamburg lästern sie über die Einkäufe der Münchner, und in Bremen spottet Rückkehrer Pizarro: „Wir bleiben vor ihnen.“

WOLFSBURG Es gibt sie also doch noch: Holländer, die in der Bundesliga erfolgreich sind. Romeo Castelen (26), in Surinam geborene Niederländer in Dienstagen des Hamburger SV, fürchtete nach seinem Treffer am Sonntagabend sogar von den Kollegen erdrückt zu werden. „Als nach meinem Tor plötzlich alle Mitspieler auf mir lagen, bekam ich überhaupt keine Luft mehr", sagte das 65-Kilo-Leichtgewicht. „aber ich war so glücklich, da braucht man keinen Sauerstoff mehr."

Die Höhenluft, die der HSV nach dem 4:2 beim erstmals seit 15 Monaten wieder daheim besiegten Meister VfL Wolfsburg genoss, hatte besondere Heilungskräfte. Für einen Verein, dessen Cheftrainer und Sportdirektor erst kürzlich verlustig gingen und für Castelen, hinter dem eine lange Leidenszeit liegt. Exakt 617 Tage hatte Castelen verletzt gefehlt, „ich wusste nie, wann und ob ich wieder Fußball spielen würde."

Überhaupt war ja der gemeine Betrachter in einem der spektakulärsten Bundesligaspiele der jüngeren Vergangenheit wie vom Donner gerührt. Wie ein Orkan hatte der Hamburger Sturmwirbel die vermeintlich so sichere Wolfsburger Defensive ins Wanken gebracht - und nach dem kuriosen Eigentor von Diego Benaglio (3.) und Treffern von Eljero Elia (7.), Mladen Petric (75.) und eben Castelen (90.) „absolut verdient" (Armin Veh) gewonnen. Wolfsburg Trainer teilte hinterher mit. „Für uns geht es nicht um die Meisterschaft. Die läuft in diesem Jahr über den HSV." Vom FC Bayern sprach der Trainer des nächsten Gegners der Münchner in diesem Zusammenhang übrigens nicht.

Vor allem Elia und der Ex-Bayern Zé Roberto heben das Potenzial des HSV immens und werfen nebenbei die Frage auf, warum sich der FC Bayern aus der niederländischen Ehrendivision einen wie Danijel Pranjic köderte, wenn in derselben Preisklasse ein Wirbelwind wie Elia zu haben gewesen wäre. Der 9,5 Millionen Euro teure und 22 Jahre junge Dribbelkünstler aus Enschede hat alle Anlagen, die Bundesliga im Sturm zu erobern - famos seine Geschwindigkeit, virtuos seine Ballbehandlung. „Wir haben unglaubliche Kreativkräfte dazu bekommen", sagt Joris Mathijsen, noch so ein beim HSV erfolgreicher Holländer, der mit einer gewissen Häme betrachtet, dass die Münchner Bosse dem im x-ten Frühling befindlichen Zé Roberto nicht den verlangten Zwei-Jahres-Vertrag gegeben haben. „Es ist unglaublich, dass die Zé haben laufen lassen", feixte Mathijsen, „aber wir können ihn gut brauchen."

So ergeht es übrigens auch Claudio Pizarro in Bremen. Der Ex-Bayer schoss mit seinem beiden Traumtoren beim 3:0 gegen Gladbach Werder nach vorne – und lästerte später über seinen früheren Klub: „Normalerweise ist der FC Bayern eine Weltklassemannschaft. In dieser Saison sieht es nicht so aus. Ich denke, dass wir vor ihnen bleiben.“

Frank Hellmann