"Kein Freund": Ribérys Rückkehr nach Marseille

Alle Augen werden sich in Marseille auf Franck Ribéry richten. Der Franzose wird beim Champions-League-Spiel der Bayern gegen seinen Ex-Club im Fokus stehen.
von  dpa

Alle Augen werden sich in Marseille auf Franck Ribéry richten. Der Franzose wird beim Champions-League-Spiel der Bayern gegen seinen Ex-Club im Fokus stehen. Ein heißer Empfang scheint ihm sicher.

München – Auf diese Dienstreise freut sich Franck Ribéry seit der Auslosung seines Wunschgegners. Von 2005 bis 2007 rannte und dribbelte der kleine Franzose im Trikot von Olympique Marseille über den Platz und war oft der umjubelte Liebling der heißblütigen Fans im Stade Vélodrome. Am Dienstag kehrt der französische Nationalspieler mit dem FC Bayern München an seine frühere Wirkungsstätte zurück, im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League wird er dann am Mittwoch mit großen Gefühlen und ehrgeizigen Zielen den Rasen betreten.

„Ich freue mich, nach Marseille zurückzukehren. Es ist schon etwas Besonderes für mich. Denn ich hatte dort zwei schöne Jahre“, erklärte Ribéry vor dem Ausflug nach Südfrankreich. Monsieur Ribéry weiß natürlich am besten, was die Bayern insbesondere atmosphärisch in der Hafenstadt am Mittelmeer erwartet. „Die Stadt ist total fußballverrückt. Marseille wird super motiviert sein und von seinen Fans total unterstützt werden. Das wird kein leichtes Spiel.“ Auch für ihn selbst nicht: Denn erstmals tritt Ribéry als Gegner von Olympique an, das sei „ein bisschen komisch“, gestand er im Vorfeld.

In den zwei Jahren bei „OM“ stand Ribéry mit dem neunmaligen französischen Meister zweimal im Pokalfinale. 2007, als er für 25 Millionen Euro nach München wechselte, wurde der aufstrebende Star sogar zu Frankreichs Fußballer des Jahres gewählt. In insgesamt 60 Ligaspielen für Olympique erzielte der Flügelflitzer elf Tore.

Was Ribéry auch in München weiterhin fehlt, ist ein großer internationaler Erfolg. Am 7. April wird er 29 Jahre alt, die Zeit drängt langsam. Auch wenn die Bayern noch drei Titelchancen haben, Ribéry macht keinen Hehl daraus, dass die Champions League an erster Stelle steht, gerade in einem Jahr, in dem das Finale am 19. Mai in München stattfindet. Er hat zudem Nachholbedarf, nachdem er 2010 das Endspiel in Madrid gegen Inter Mailand (0:2) wegen einer dummen Roten Karte im Halbfinale gegen Olympique Lyon verpasste.

Gegen seinen Ex-Club Marseille könnte bei Ribéry auch wieder die Gefahr bestehen, dass er übermotiviert ist und auf dem Platz den Kopf verliert. Seine Emotionen zu kontrollieren, fällt ihm nicht leicht, zumal er bei seinen Dribblings ständig den Zweikampf sucht. Franz Beckenbauer, in der Saison 1990/91 Trainer und Technischer Direktor in Marseille, ist gespannt, welchen Empfang ihm die „OM“-Anhänger bereiten werden. „Er ist kein Freund mehr, er ist jetzt Gegner. Das Publikum dort ist fanatisch, für das gibt es nur OM. Der Gegner wird dort gnadenlos ausgepfiffen“, sagte Beckenbauer am Montag.

Auf Ribéry wird es jedoch wieder besonders ankommen. „Franck ist ein Ausnahmespieler“, betonte Beckenbauer. Der Franzose spielt eine hervorragende Saison, elf Tore hat der Mittelfeldspieler in der Bundesliga erzielt, seine 16 Torvorlagen ist er die Nummer 1.

Ribéry ist der Motor der Münchner Offensive. Großen Anteil daran hat Jupp Heynckes. Der erfahrene Trainer weiß mit seinem launischen Star umzugehen, auch wenn ihn dieser mal grußlos stehen lässt wie nach einer Auswechslung in Basel. „Franck ist ein Wohlfühl-Spieler. Er braucht Vertrauen, das bekommt er von mir“, sagte Heynckes. „Ich will wieder einer der Besten in der Welt werden“, erklärte Ribéry. Da darf die Endstation nicht Marseille lauten – sondern München, 19. Mai.