Hertha und die Halli-Galli-Frage

Berlins Manager Michael Preetz spricht im Interview über seine Erwartungen an das Auswärtsspiel beim FC Bayern, die Entwicklung des Hauptstadtklubs, Neuzugang Weiser und Calmunds Telefonstreich.
von  Julian Buhl
Michael Preetz (kleines Bild) ist mit 93 Toren noch immer Rekordtorschütze von Hertha BSC. Seit 2009 ist er Manager bei den Berlinern.
Michael Preetz (kleines Bild) ist mit 93 Toren noch immer Rekordtorschütze von Hertha BSC. Seit 2009 ist er Manager bei den Berlinern. © firo/Augenklick

AZ: Herr Preetz, schön, dass wir Sie per Telefon erreichen. Zuletzt wurde Ihnen ja ein kleiner Streich gespielt, als Sie bei der TV-Show „Circus Halli Galli“ zwar von Reiner Calmunds Handy aus, aber in Wirklichkeit von den Moderatoren Joko und Klaas mit verstellter Stimme angerufen wurden. Da waren Sie sprachlos.

MICHAEL PREETZ: (lacht) Da muss man erstmal, so wie ich, auf die Idee kommen, sein Telefon wegzulegen, anstatt zu fragen, was für ein Clown da anruft. Im Nachhinein fällt mir ganz viel ein, was ich hätte sagen können. In dem Moment hat man das aber halt nicht so auf der Uhr. Es ist ja relativ schnell zu erkennen gewesen, dass Calmund nicht selbst am Telefon war.

Das hier ist zwar kein Telefonstreich, aber vielleicht gibt es am Samstag ja wieder Halli Galli.

(lacht). Ja, vielleicht.

Dann steht das Auswärtsspiel beim FC Bayern an. Mit welchen Erwartungen fahren Sie da hin?

In München haben wir lange nix geholt. Bei den Löwen schon, aber nicht bei den Bayern (lacht). Wir haben seit 38 Jahren nicht mehr bei Bayern gewonnen. Das zeigt das Kräfteverhältnis und das wird grundsätzlich auch am Samstag nicht anders sein. Wir versuchen, uns an den beiden Spielen der vergangenen Saison zu orientieren, die jeweils mit 0:1 relativ knapp waren. Vor allem in München haben wir da lange relativ gut ausgesehen.

Bis Mitchell Weiser das Siegtor für Bayern mit einem Sololauf in der 80. Minute vorbereitete.

Das passiert dieses Mal nicht.

Wie sehen Sie die Entwicklung Ihres Neuzugangs, der nach einer Sprunggelenkverletzung das Bayernspiel wohl verpassen wird?

Dass er ein Spieler mit großem Potenzial ist, war bekannt. Für ihn ging es jetzt darum, dauerhaft Spielpraxis zu bekommen. Er ist absoluter Leistungsträger bei uns und eine richtige Belebung für unsere Mannschaft.

Gute Außenverteidiger sind in Deutschland ja nicht einfach zu finden. Kürzlich gab Weiser sein Debüt in der U21.

Mit der Nominierung hat Horst Hrubesch seine Leistungen im Verein belohnt. Die Außenverteidigerpositionen sind umkämpft, auch mit Blick auf die A-Nationalelf. Er hat das Potenzial, es dorthin zu schaffen.

Ihr Trainer Pál Dárdai weiß ja, wie man gegen Bayern gewinnt. Bei den letzten beiden Siegen stand er 2009 und 2001, als auch sie noch mitwirkten, jeweils als Spieler auf dem Feld.

Wir haben zu unserer gemeinsamen aktiven Zeit die Bayern einige Male geschlagen, aber immer in Berlin. Damals war das mal noch möglich. Im Moment ist die Realität in der Liga die, dass es beinahe aussichtslos erscheint. Sie haben auf jeder Position Weltklasse und es macht wahnsinnig viel Spaß ihnen zuzugucken. Nur eben nicht, wenn du selber gegen sie spielst. Trotzdem könnte unsere Ausgangsposition nicht besser sein. Wir kommen mit 23 Punkten und Selbstvertrauen. Da ist es deutlich angenehmer nach München zu fahren, als wenn du mit dem Rücken zur Wand stehst.

Sie haben als Manager seit 2009 turbulente Zeiten in Berlin erlebt, mit zwei Ab- und Wiederaufstiegen.

Ich glaube, wir haben den Turnaround jetzt geschafft. Wir sind das dritte Jahr in der Bundesliga und haben uns im Vergleich zur letzten Saison auf allen Gebieten weiterentwickelt. Wir spielen einen anderen Fußball, sind defensiv stabil, im Mittelfeld griffig und bissig und haben mehr Spielkultur. Das ist bis hierhin eine tolle Saison für uns. Trotzdem ist es noch ein weiter Weg, um den Anschluss an die internationalen Plätze herzustellen.

Aktuell steht Hertha ja schon auf Rang vier. Die Fans träumen von der Champions League, Sie auch?

Es darf jeder träumen. Unsere Aufgabe ist es aber, einen realistischen Blick zu haben und den Abstand nach oben zu verkürzen. Das fängt bei den Umsatzzahlen an. Wir haben auch außerhalb des Fußballplatzes genug zu tun, die Rahmenbedingungen für Hertha zu verbessern. Langfristig ist es aber unser Ziel, um die internationalen Plätze zu spielen.

Nochmal zurück zu Calmunds Telefonstreich. Haben Sie sich schon etwas überlegt, um sich an ihm zu rächen?

(lacht) Nein, aber da sollte ich mal drüber nachdenken. Mit einem schönen Abendessen kann man ihn ja immer locken.