Franck Ribéry: "Das ist lustig"

Die Fans seines Ex-Klubs Marseille beschimpfen Bayerns Topstar Franck Ribéry mit Plakaten und Schmährufen aufs Übelste. Der Franzose bleibt cool.
von  Patrick Strasser

Die Fans seines Ex-Klubs Marseille beschimpfen Bayerns Topstar Franck Ribéry mit Plakaten und Schmährufen aufs Übelste. Doch der Franzose bleibt in seiner alten Heimat erstaunlich cool.

MARSEILLE Nach 78 Minuten hatte Jupp Heynckes ein Einsehen. Die Tortour für Franck Ribéry in seinem ehemaligen Stade Vélodrome hatte ein Ende. Der Bayern-Trainer wechselte den Franzosen, der von seinen Landsleuten, den ehemals eigenen Fans, die er ab 2005 zwei Jahre beglückt hatte, für Danijel Pranjic. Ein letztes Mal zeigten die rund 40000 Franzosen auf der Baustelle im Osten der Hafenstadt Emotionen, sie pfiffen leidenschaftlich und gnadenlos, was sie noch konnten.

Ribéry hob die Arme und klatschte Richtung Bayern-Fans auf der Gegentribüne. Danke, Leute! Wenigstens ihr als Hort der Zuneigung in einem Stadion voller Hass. Noch am Dienstag bei der Ankunft des Bayern-Trosses in Marseille und auf der internationalen Pressekonferenz hatte sich der 28-Jährige charmant und freundlich gegeben, alle Fragen geduldig beantwortet, sich dabei selbst vom Französischen ins Deutsche übersetzt und umgekehrt.

Als ein Handybrummen die Mikrofone der Pressekonferenz störte, entdeckte er spät, dass es eines seiner Smartphones war und grinste wie ein Lausbub. Ja, er schämte sich sogar. Von wegen arrogant. Doch der Empfang gestern Abend fiel übel aus. „Scheiße Ribéry“ stand auf einem Plakat, das war noch die harmlose Variante. Schlimmer: „Ribéry arrete de courir, ton cerveau n'arrive pas a suivre.“ Heißt: „Ribéry, hör auf zu laufen, Dein Hirn wird es nicht schaffen, Dir zu folgen.“

Er ignorierte alle Pfiffe, Beschimpfungen und Beleidigungen. „Nun ja, das ist schwer, wenn ich nach Frankreich komme“, sagte er nach dem Abpfiff, fügte aber hinzu: „Das ist lustig, egal, was passiert.“ Dennoch trat er beim 2:0 nicht groß in Erscheinung. Olympique erledigten Gomez, Robben und Müller. Ribérys größte Leistung? Er ist cool geblieben. Ein weiterer Schritt für ihn in der endgültigen Emanzipation zum Weltklassefußballer.

Während es in Frankreich für ihn derzeit „ein bisschen schwer und komisch ist“, sei der FC Bayern „wie eine zweite Familie. Ich fühle mich zu Hause. Ich fühle mich komplett als Münchner", sagte Ribéry nach der Partie gegen seinen Ex-Klub, für den er von 2005 bis 2007 aktiv gewesen war. Zuvor bereits hatte er gesagt: „Ich bin glücklich und habe auf und außerhalb des Platzes Spaß. Ich habe den Eindruck, dass ich befreit bin. Das ist es, was mir fehlt, wenn ich nach Frankreich komme.“

Seine Zuneigung zu München geht inzwischen soweit, dass er sich vorstellen kann, den Bayern ewig die Treue zu halten. Dass er sich unweit des Trainingsgeländes kürzlich ein Haus gekauft hat, darf als Indiz dafür gewertet werden. Man wisse zwar nie, was passieren werde, aber „ich sehe mich meine Karriere in München beenden", so Ribéry in „L'Équipe“. Sein Vertrag endet 2015 - Verlängerung nicht ausgeschlossen. Grotesk: Bayern ist seine Heimat geworden, in Frankreich schlägt ihm fast nur Abneigung entgegen. Im Halbfinale wartet nun auf die Bayern wohl Real Madrid. Mit denen hat Arjen Robben eine gemeinsame Vergangenheit.