Ein Rekord-Leben: Die unglaublichen Zahlen des Gerd Müller

Seine Bestmarken sind legendär und bis heute meist unerreicht: Gerd Müller war der Mann der Titel und Triumphe. "Ich habe schöne Tore gemacht, aber das wichtigste war dieses Weltmeistertor".
von  Patrick Strasser
"Das wichtigste Tor war das Weltmeistertor": 1974 machte sich Gerd Müller im WM-Finale gegen die Niederlande unsterblich.
"Das wichtigste Tor war das Weltmeistertor": 1974 machte sich Gerd Müller im WM-Finale gegen die Niederlande unsterblich. © picture-alliance / dpa

Es müllerte immer und überall, der Bomber der Nation hat in seiner Karriere wohl mit jedem Körperteil ein Tor erzielt, in jeder Spielsekunde, in jedem Stadion, gegen jeden Gegner.

Würde Gerd Müller heute stürmen, seine Ablöse wäre schlicht unbezahlbar. Beim Jahresgehalt müssten sich selbst Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo, die Größten der Neuzeit, hintenanstellen. Als ihn der FC Barcelona in den 70er Jahren mit dem für damalige Verhältnisse astronomischen Jahresgehalt von 600.000 Mark köderte, lehnte er verständnislos ab und sagte, ganz bescheiden und geerdet: "I mog ned, i kann doch ned mehr als ein Schnitzel am Tag essen." .

In der Öffentlichkeit stehen? Nicht Müllers Ding

Die heutige Welt wäre ohnehin nicht Müllers Welt gewesen. Aufgrund der schnelllebigen Medien immer in der Öffentlichkeit zu stehen - nicht sein Ding. Dabei hatte er Sprüche drauf, die in den sozialen Medien Renner wären: "Wenn'st denkst, is' eh zu spät."

In der längeren Version: "I hau' halt immerzu aufs Tor. Wenn ich drei Sekunden zum Überlegen hätte, wär's vorbei." War es meist - für die Gegner.

Der Anfang des Titelhattricks im Europapokal der Landesmeister in den 70ern: Paul Breitner und Gerd Müller (r.) mit dem ersten Henkelpott.
Der Anfang des Titelhattricks im Europapokal der Landesmeister in den 70ern: Paul Breitner und Gerd Müller (r.) mit dem ersten Henkelpott. © imago images/Sven Simon

Gerd Müller: Seine Rekorde und Titel

Für den FC Bayern: Müllers Bilanz von 365 Treffern in 427 Ligaspielen für die Bayern ist bis heute unübertroffen. Die Titel seit seinem Wechsel 1964 nach München: Je viermal Deutscher Meister und DFB-Pokalsieger, dazu der Titel-Hattrick im Europapokalsieger der Landesmeister in den Jahren 1974, 1975 und 1976.

Obendrauf kam 1976 der Weltpokalsieg. Fast vergessen: 1967 holte Bayern den Europapokal der Pokalsieger, der Anfang der internationalen Trophäen-Hamsterei.

Für die Nationalelf: Weltmeister 1974, zwei Jahre zuvor Europameister in einer von Experten als "beste deutsche Nationalelf aller Zeiten" gefeierten Mannschaft. Und was wäre noch hinzugekommen, wenn er nach dem 2:1-Triumph von München 1974 gegen die Niederlande ("Ich habe schönere Tore gemacht, aber das wichtigste war dieses Weltmeistertor") aufgrund des Streits mit dem DFB um die Teilnahme der Spielerfrauen am Siegerbankett nicht vorzeitig zurückgetreten wäre.

Insgesamt traf er in 62 Länderspielen 68 Mal - ergibt eine Quote von 1,1 Treffern pro Einsatz.

Gerd Müller: Seine Ehrungen

1970 wurde er zu Europas Fußballer des Jahres ernannt, 1967 und 1969 zu Deutschlands Fußballer des Jahres gewählt. 1970 wurde er WM-Torschützenkönig (zehn Tore), 1972 EM-Torschützenkönig (vier Tore).

1977 erhielt er das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, zehn Jahre zuvor das Silberne Lorbeerblatt.

Für den bodenständigen bayerischen Schwaben wollte die schönste Ehre: 2008 wurde das rund 10.000 Zuschauer fassenden Nördlinger "Stadion im Rieser Sportpark" in "Gerd-Müller-Stadion" umbenannt.

Während seine Mitstreiter Franz Beckenbauer oder Uli Hoeneß nach der Karriere im Rampenlicht blieben, scheute Müller die Öffentlichkeit. Der gelernte Weber war kein Charismatiker, er hatte Probleme mit dem Leben außerhalb des Fußballs. In den 80er Jahren verfiel er dem Alkohol, geriet nach einer gescheiterten Restaurant-Eröffnung in Florida finanziell in Not.

Seine Spezln, der Franz und der Uli, fingen ihn auf, gaben ihm an der Säbener Straße eine Aufgabe als Co-Trainer und wieder Halt. Müller gestand einmal: "Ohne die Hilfe meiner Freunde hätte ich es wohl nicht geschafft."