Bayerns Pokalgegner: Holstein stürmt aus dem Schatten des THW Kiel

Im handballverrückten Norden erlebt Bayerns Pokalgegner einen Höhenflug und kämpft um den Aufstieg in die Bundesliga. "Wir schauen uns mal an, was die Bayern so machen", sagt Coach Werner.
von  Maximilian Koch
Aktuell Tabellendritter in der Zweiten Liga: Holstein Kiel um den früheren Bundesliga-Profi Fin Bartels (l.).
Aktuell Tabellendritter in der Zweiten Liga: Holstein Kiel um den früheren Bundesliga-Profi Fin Bartels (l.). © imago images/Zink

München/Kiel - Vom Kieler Holstein-Stadion bis zur Sparkassen-Arena sind es nicht einmal vier Kilometer Entfernung. Einmal den Westring entlang, dann links abbiegen, am Schrevenpark vorbei und nur noch geradeaus Richtung Hafen und Ostsee: Schon ist man von der Heimat der Kieler Fußballer ins Herzstück des Kieler Handballs gelangt.

THW Kiel: Der FC Bayern des Handballs

Die räumliche Nähe der beiden Sportstätten täuscht aber: Denn in der Vergangenheit trennten Holstein Kiel und den THW Kiel wahre Welten. Hier die Fußballer, die 1912 zwar eine deutsche Meisterschaft bejubeln durften, sonst aber zwischen Profi- und Amateurbereich herumdümpelten.

Dort der ruhmreiche THW, Deutschlands Nummer eins, der Klub, der nicht ohne Grund "FC Bayern des Handballs" genannt wird. Passenderweise wurden sowohl Bayern als auch der THW im Jahr 2020 Champions-League-Sieger. Die Fußballer haben jedoch aufgeholt. Holstein, das 2017 in die Zweite Liga aufstieg und dort derzeit als Tabellendritter um den Sprung in die Bundesliga kämpft, stürmt immer mehr aus dem Schatten des THW heraus. Was im handballverrückten Norden mit Teams wie Kiel oder der SG Flensburg-Handewitt einem riesigen Erfolg gleichkommt.

Champions-League-Sieger 2020: Die Handballer des THW Kiel.
Champions-League-Sieger 2020: Die Handballer des THW Kiel. © Foto: Marius Becker/dpa

Pokalspiel gegen FC Bayern: Schwierige Aufgabe für Holstein

Mit der vorläufigen Krönung eines Pokalspiels gegen Bayern, in das man nicht mal komplett chancenlos geht. "Wir wollen das bestmögliche Spiel zeigen. Dann kann es sein, dass vielleicht ein Spielverlauf entsteht, bei dem sich die Tür möglicherweise ein Stück weit öffnet. Dann wollen wir mit einer guten Leistung da sein", sagte Holstein-Trainer Ole Werner, gerade 32 Jahre alt.

Aber Werner ist sich bewusst, wie schwierig die Aufgabe für seine Schützlinge ist: "Da kommt ein Spieltempo auf uns zu, das wir im Alltag so nicht gewohnt sind. Trotzdem habe ich eine Idee, wie Räume für uns entstehen könnten." An den Abläufen vor der außergewöhnlichen Partie habe er dennoch bewusst kaum etwas verändert.

Werner: "Wir schau'n uns mal an, was die Bayern so machen"

Mehr Erfahrung als Werner hat der ein Jahr ältere Fin Bartels im Umgang mit dem Rekordmeister. Für Hansa Rostock, den FC St. Pauli und Werder Bremen kreuzte der Routinier schon zwölfmal in Liga eins mit dem Bundesliga-Tabellenführer die Klingen - bei allerdings zwölf Niederlagen und 4:43 Toren. "Wir müssen giftig und vorne kaltschnäuzig sein. Hinten musst du ein paar Dinger halten, und du brauchst ein Quäntchen Glück", sagte der Mittelfeldspieler, der zu Saisonbeginn in seine Geburtsstadt zurückgekehrt ist.

Im Mai 1954 fegte Holstein den FC Bayern in der offiziellen DFB-Totorunde übrigens schon mal vom Platz, damals traf der Neunte der Oberliga Nord auf den Neunten der Oberliga Süd. Der Kieler Sieg war keine Sensation, diesmal wäre er hingegen genau das. "Wir schau'n uns mal an, was die Bayern so machen. Dann überlegen wir, was wir so machen. Und dann gucken wir, was am Mittwoch so herauskommt", so Werner. Über einen Triumph würde sich mit Sicherheit auch der große Nachbar THW Kiel freuen.