"Wir sind erst mit dem großen Pokal zufrieden"

EHC-Star Abeltshauser spricht in der AZ über die Auszeichnung als „Verteidiger des Jahres“ , den Viertelfinalgegner und seine Titelträume
von  Interview: Matthias Kerber
Verteidiger des Jahres: EHC-Star Konrad Abeltshauser.
Verteidiger des Jahres: EHC-Star Konrad Abeltshauser. © GEPA pictures

Der 24-jährige Bayer Konrad Abeltshauser wurde in der DEL zum „Verteidiger des Jahres“ gewählt. Seit 2016 spielt er beim EHC Red Bull München, die im Viertelfinale ab Dienstag auf Bremerhaven treffen. Die AZ hat ihn zum Interview getroffen.

AZ: Herr Abeltshauser, wir gratulieren, dem Defensiv-Spezialisten des EHC Red Bull München, Sie wurden von der Liga als „Verteidiger des Jahres“ ausgezeichnet.

KONRAD ABELTSHAUSER: Vielen Dank, das ist echt brutal. Ich habe es schon als große Ehre empfunden, dass ich überhaupt im Kreis der Nominierten bin, dass ich auch noch gewinne, hat mich fast umgehauen. Das ist etwas ganz Besonderes. Ich freue mich extrem und bin natürlich auch stolz. Wobei man schon sagen muss: So toll diese Auszeichnung ist, sie ist nicht das, wofür wir hier Eishockey spielen. Diese Ehrung ist nicht, worüber wir hier bei den Red Bulls definieren, ob die Saison erfolgreich war. Ich, wir alle, sind erst zufrieden, wenn wir den großen Pokal gewonnen haben: die Meisterschaft!

Die Mission Titelverteidigung ist das erklärte Ziel beim EHC Red Bull München.

Es braucht jedes Jahr eine ganz spezielle, eine sehr besondere Truppe, um den Titel zu holen. Ich bin sicher, dass wir die auch in dieser Saison wieder haben. Aber wir sind uns sehr wohl bewusst, dass dies eine wahre Herkulesaufgabe ist. Es hört sich platt an: Aber wir müssen jetzt einen Schritt nach dem anderen machen, den Blick nicht zu sehr nach vorne richten, sonst stolpert man schnell man beim ersten Schritt. Aber wir sind eine sehr erfahrene, eine sehr gute Mannschaft, die weiß, was es braucht, den Titel zu holen.

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Wie in der Vorsaison. Da hatten Sie aber das große Pech, ausgerechnet in der Finalserie verletzt auszufallen.

Das war brutal und sehr bitter. Man kämpft so hart, für dieses Ziel und dann erwischt es einen ausgerechnet, wenn es um die Meisterschaft geht. Die Jungs haben es ja zum Glück auch ohne mich geschafft, das war ein gutes Trostpflaster, aber das ändert nichts daran, dass es eine schwere Zeit war. Es schießen einem so viele Dinge durch den Kopf. Die Meisterschaft, die WM-Qualifikation, all die Dinge, an denen man im Sommer arbeiten wollte, um sein Spiel zu verbessern. Und plötzlich weiß man, das Hauptaugenmerk ist nicht mehr die Verbesserung, sondern die Reha, überhaupt wieder gesund und fit zu werden. Aber unsere Mediziner haben das bei mit echt super hingekriegt. Diese Saison wäre ohne sie so für mich nicht möglich gewesen. Dafür sage ich danke!

Wie fühlt sich denn so ein Titel an, wenn man in der Finalserie nicht beteiligt war?

Schwer zu beschreiben. Es ist nicht so, dass man glaubt, dass man nicht dazu gehört, aber das letzte Bisschen, das fehlt dann doch für einen selber. Deswegen will ich auch in dieser Saison unbedingt wieder Meister werden.

Außerdem weiß man nie, wann man wieder die Chance bekommt, EHC-Kapitän Michael Wolf musste bis in den Herbst seiner Karriere warten, um Meister zu werden.

So schaut’s aus. Egal, wie gut man als Spieler oder Team ist, eine Meisterschaft ist nie eine Selbstverständlichkeit.

Im Viertelfinale geht es nun gegen Bremerhaven.

Das wird ein harter Fight, die haben uns in der Saison zwei Mal daheim besiegt, wir haben zwei Mal bei ihnen gewonnen. Sie spielen extrem diszipliniert, lassen nicht viel zu, und sie kämpfen, kämpfen und kämpfen. Man kann nur den Hut ziehen. Auch, wie sie in den Pre-Playoffs mit Ingolstadt kurzen Prozess gemacht haben, war beeindruckend. Das wird ein heißer Tanz, aber wir sind bereit. Wir haben unsere Lehren aus den Niederlagen der letzten Wochen gezogen. Jetzt geht es um das, wofür wir wofür die Saison gespielt, gekämpft haben.

Den großen Pokal.

So schaut’s aus. Erst dann war die Saison erfolgreich.