Deutsche Basketballer scheiden gegen Slowenien aus

Auch im dritten Versuch ist für die deutschen Basketballer im Viertelfinale der Olympischen Spiele Schluss. Trotzdem erreichten sie in diesem Sommer viel mehr, als ihnen zugetraut wurde.
| Von Thomas Wolfer und Florian Lütticke, dpa
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Die deutschen Basketballer sind im Viertelfinale ausgeschieden.
Die deutschen Basketballer sind im Viertelfinale ausgeschieden. © Swen Pförtner/dpa
Saitama

Der Frust über das Olympia-Aus wich bei Deutschlands Basketballern schnell dem Stolz auf das Erreichte. "Das war ein ganz besonderer Sommer", sagte Bundestrainer Henrik Rödl nach dem 70:94 (37:44) gegen die übermächtigen Slowenen.

Der Europameister mit dem genialen Lenker Luka Doncic war am Dienstag in Saitama mindestens eine Nummer zu groß, das erstmalige Erreichen eines olympischen Halbfinals für ein deutsches Team nie realistisch. Und trotzdem sagte Rödl nach seinem vielleicht letzten Spiel als Cheftrainer: "Jeder geht hier raus mit erhobenem Kopf und breiter Brust."

"Haben Basketball-Deutschland gut vertreten"

Denn alleine die Qualifikation für die Sommerspiele mit den zwölf besten Vertretern der Welt war für das Team des Deutschen Basketball Bunds ein riesiger Erfolg. Das erste Mal dabei seit 2008, das erste Mal seit 1992 sogar in der K.o.-Runde. Und das, obwohl gestandene NBA-Profis wie Dennis Schröder, Daniel Theis oder Maximilian Kleber nicht zur Verfügung standen. "Ich gehe mit einem guten Gefühl nach Hause, dass sich die ganze Ackerei gelohnt hat", sagte Flügelspieler Danilo Barthel: "Wir haben Basketball-Deutschland gut vertreten." Maodo Lo ergänzte: "Darauf können wir aufbauen, um uns zu etablieren in Europa und auch weltweit. Als Nation, die ernst zu nehmen ist."

Die DBB-Auswahl stand vor leeren Rängen in der Saitama Super Arena erst zum dritten Mal überhaupt in der Runde der besten Acht bei Olympia. 1984 in Los Angeles gab es das Aus gegen Gastgeber USA, acht Jahre später in Barcelona war die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten zu stark. In Japan reichte ein Sieg in der Vorrunde gegen Nigeria, um sich als einer der zwei besten Gruppendritten für den Kampf um die Medaillen zu qualifizieren. Die beiden Begegnungen gegen Italien und den Medaillenkandidaten Australien gingen verloren.

Slowenien mit NBA-Stars einfach zu stark

"Bis heute hatten wir in den Spielen immer eine Siegchance und haben uns gut präsentiert", bilanzierte Rödl. Gegen Slowenien sah es anders aus: "Das war ein Gegner, den wir hier am Ende nicht unter Kontrolle bekommen konnten." Maodo Lo war mit elf Punkten der beste Werfer im deutschen Team, auf der anderen Seite ragten Zoran Dragic (27) und Doncic (20) heraus. Der 22-Jährige von den Dallas Mavericks glänzte dieses Mal nicht als gnadenloser Scorer wie zum Olympia-Auftakt, als er 48 Punkte gegen Argentinien erzielte, sondern mit elf Vorlagen vor allem auch als cleverer Mannschaftsspieler.

"Man kann nicht erwarten, dass man so jemanden komplett ausschaltet", sagte Rödl zum derzeit vielleicht besten Spieler der Welt. Nun muss sich der Chefcoach nach vier Jahren im Amt auch mit seiner eigenen Zukunft beschäftigen, denn sein Vertrag endet mit dem Ausscheiden. Noch sei nicht geklärt, ob er weitermachen darf oder es eine personelle Veränderung gibt. "Wir werden uns zusammensetzen, das haben wir so vereinbart", sagte der 52-Jährige, der seit 2017 im Amt ist. Vor der Olympia-Qualifikation Anfang Juli galt es als offenes Geheimnis, dass der DBB mit Blick auf die Heim-EM 2022 mit einer Vorrunde in Köln und der Endrunde in Berlin einen neuen Coach sucht.

Rödl-Zukunft offen

Doch egal, wer künftig an der Seitenlinie stehen wird, die Zukunft des deutschen Basketballs könnte auch mit Blick auf die EM 2022 mit einer Vorrunde in Köln und der Endrunde in Berlin eine positive werden. "Wenn wir das viele Talent, das hier teilweise gefehlt hat, wieder zusammenbringen können, dann kann man vielleicht nochmal den nächsten Schritt gehen", sagte auch Rödl. Der gerade in die NBA gedraftete Franz Wagner (19) ist nur einer der Kandidaten mit Aussicht auf eine große Zukunft.

Die aktuelle Mannschaft wird noch bis Freitag in Tokio bleiben. Der Weltverband Fiba sorgt vor, falls in anderen Teams Corona-Fälle auftreten und diese nicht mehr spielen können. Rödl und Co. wollen die Tage in Japan genießen. Aufgrund der strengen Corona-Regeln sind Besuche bei anderen Sportarten zwar nicht gestattet, aber: "Ich gucke mir im Fernsehen alles an, was läuft. Interesse habe ich in alle Richtungen", sagte Rödl. Es sei "ein Traum in Erfüllung gegangen, dass wir es so unerwartet zu Olympia gekommen sind", betonte er noch einmal: "Wir sind super stolz, hier dabei gewesen zu sein."

© dpa-infocom, dpa:210803-99-676861/5

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