Das Gleiche in grün: Vettels Dilemma

Die Glitzer-Welt von Monaco ist nicht Sebastian Vettels Ding. Das Rennen schon. Ursprünglich. Ohne Schnickschnack. Motorsport für Puristen. Es könnte so schön sein für den zweimaligen Gewinner im Fürstentum. Ist es aber nicht.
| Von Jens Marx, dpa
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Hofft auf eine bessere Performance im Aston Martin: Sebastian Vettel.
Hofft auf eine bessere Performance im Aston Martin: Sebastian Vettel. © Sebastien Nogier/EPA Pool/AP/dpa
Monte Carlo

Sebastian Vettel war so verliebt. Der Blick ging immer wieder zu seinem neuen Formel-1-Rennwagen. Diesmal in grün, der rote hatte ausgedient.

Oder besser: Vettel hatte nach sechs Jahren ohne Titel bei Ferrari ausgedient. Die Hoffnung, dass bei Aston Martin, das noch unter Racing Point im vergangenen Jahr für viel Furore und vor allem reichlich Punkte gesorgt hatte, alles besser würde, war groß. James-Bond-Darsteller Daniel Craig grüßte bei der Vorstellung und auch Football-Megastar Tom Brady.

Teammitbesitzer Lawrence Stroll machte deutlich, was er will: Siege und irgendwann um die WM mitfahren - mit Vettel als Aufbauhelfer und Erfolgsbeschleuniger. "Er wird das Team in die Richtung führen, die wir unbedingt einschlagen wollen." Seit diesem Satz sind über vier Monate vergangen. Das Team, das auf den vierten Platz in der Konstrukteurswertung 2020 aufbauen wollte, ist in der gleichen Wertung aktuell Siebter mit mickrigen fünf Punkten. Vettel holte keinen davon. Sein Teamkollege, Lance Stroll, gleichzeitig der Sohn des Mitbesitzers, sammelte die wenigen Zähler.

Und dann klingen selbst vor einem Rennen wie dem Klassiker in den Gassen von Monte Carlo, auf den sich jeder Fahrer freut wie auf keinen anderen Grand Prix und wo Vettel 2011 im Red Bull und 2017 im Ferrari gewann, Aussagen des Hessen in offiziellen Verlautbarungen so: "Es liegt eine lange Saison vor uns, und die neuen Teile, mit denen wir in Barcelona gefahren sind, haben sich wie eine Verbesserung angefühlt und bringen uns weiter."

Immerhin. Es fühlt sich wie eine Verbesserung an. De facto qualifizierte sich Vettel zuletzt beim Großen Preis von Spanien als 13. und kam auf demselben Rang ins Ziel. Direkt danach hatte Vettel auch noch so geklungen: "Es war kein gutes Rennen für uns", sagte der Hesse: "Wir tun uns schwer, einen Schritt nach vorn zu machen."

Das Problem ist das, was vergangenes Jahr noch der Pluspunkt des Teams war und Vettel sicher auch Hoffnung gemacht hatte, nach der Tristesse bei Ferrari wieder ein bisschen mehr Spaß im Beruf zu haben. "Man hat ein Konzept übernommen von außen und kann jetzt den Grund nicht verstehen, warum es nicht funktioniert", urteilte jüngst Ex-Pilot Ralf Schumacher als Experte des TV-Senders Sky.

Um den Racing Point hatte es Diskussionen gegeben, manche hatten ihn als pinken Mercedes bezeichnet - der Branchenführer rüstete Racing Point und rüstet auch jetzt Aston Martin mit Antrieben und Getrieben aus. Zudem hatte es 2020 beim Design Parallelen gegeben.

Weil eine Regel geändert wurde, mussten Mercedes und auch Aston Martin an den Autos etwas verändern, die schwarz lackierten Silberpfeile sind weiterhin top, der grüne Aston Martin gehört bisher eher zur Kategorie Flop. Zu allem Überfluss aus Sicht von Vettel kommt sein ehemaliger Arbeitgeber Ferrari besser in Fahrt.

Eines wolle Lawrence Stroll sicher nicht: weiter verlieren, kommentierte Schumacher. Das sehe man schon, wenn der kanadische Milliardär durchs Fahrerlager gehe.

Um Siege kämpft Vettel nun aber schon lange nicht mehr. Der bis dato letzte gelang im September 2019 in Singapur. Auch seine Qualitäten auf der einen schnellen Runde, die er zu seinen Hochzeiten im Red Bull auch in Monaco nervenstark unter Beweis gestellt hatte - eher Fehlanzeige.

In seinen bisherigen vier Qualifikationen für Aston Martin kam Vettel nur einmal in die Top Ten. Platz 18 beim Auftakt in Bahrain, Rang 13 danach in Imola, ehe er Zehnter in der K.o.-Ausscheidung in Portimao wurde. Zuletzt in Barcelona reichte es wieder nur für Platz 13. Im Duell mit seinem Teamkollegen steht es 1:3. "Wenn er nicht klar besser ist und das Team nach vorn bringt, muss er sich irgendwann mal die Frage stellen, ob das noch sinnvoll ist", befand Ralf Schumacher: "Zwei, drei Rennen muss man ihm aber noch geben."

© dpa-infocom, dpa:210519-99-659431/2

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