Triumph in Krisenzeiten: VW gewinnt Rallye Dakar

Buenos Aires (dpa) - Ein großer Triumph vor eindrucksvoller Kulisse und begeisterten Fans: In wirtschaftlichen Krisenzeiten hat Volkswagen mit seinem Doppelerfolg bei der Rallye Dakar - dem ersten mit einem Wagen mit Diesel-Antrieb - einen enormen Prestigegewinn eingefahren.
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VW-Motorsportchef Nissen, Pilot de Villiers und Beifahrer von Zitzewitz (v.l.).
dpa VW-Motorsportchef Nissen, Pilot de Villiers und Beifahrer von Zitzewitz (v.l.).

Buenos Aires (dpa) - Ein großer Triumph vor eindrucksvoller Kulisse und begeisterten Fans: In wirtschaftlichen Krisenzeiten hat Volkswagen mit seinem Doppelerfolg bei der Rallye Dakar - dem ersten mit einem Wagen mit Diesel-Antrieb - einen enormen Prestigegewinn eingefahren.

Dank des deutschen Co-Piloten Dirk von Zitzewitz gab es nebenbei beste Werbebilder. Nach 9500 Kilometern durch die Steppen Patagoniens, auf den endlosen Schotterpisten der Voranden und den gefährlichen Dünen der chilenischen Atacama-Wüste durften sich der Südafrikaner Giniel de Villiers mit seinem «Lotsen» von Zitzewitz von Tausenden Zuschauern in Buenos Aires feiern lassen. Der Amerikaner Mark Miller mit Beifahrer Ralph Pitchford machten mit Platz zwei das Happy End nach zweiwöchiger Strapaze für VW perfekt. Offen ist noch, ob der Wolfsburger Automobil-Hersteller auch im kommenden Jahr dabeisein wird.

«Absolut zufrieden und glücklich. Weltklasse. Das ist irre gewesen», beschrieb von Zitzewitz seine Gefühle nach der Ankunft in der argentinischen Hauptstadt. Nach einer kurzen Nacht mit einer ausgiebigen Feier durfte der 40-Jährige aus dem norddeutschen Karlshof die Siegerehrung genießen. Danach hatte er nur noch einen Wunsch: «Ich möchte jetzt ganz schnell nach Hause zu meiner Familie und das Ganze sacken und ankommen lassen. Bei meiner Familie zu sein ist wie Urlaub für mich.»

Ob Volkswagen nach dem ersten Sieg seit dem Schweden Freddy Kottulinsky 1980 in einem privaten VW Iltis nun auch 2010 bei der härtesten Prüfung im Motorsport wieder an den Start geht, war kurz nach Ende des erstmals in Südamerika ausgetragenen Wüsten-Klassikers noch völlig ungewiss. «So wie die Stimmung im Team ist, kann ich mir nicht vorstellen, dass Volkswagen im nächsten Jahr nicht seinen Titel verteidigen wird», meinte von Zitzewitz. Er gehe fest davon aus, dass sie wieder dabei sind. «Aber das ist mein persönliches Gefühl.»

Motorsport-Direktor Kris Nissen vermied ein klares Bekenntnis zu einem weiteren VW-Engagement. «Die Entscheidung, 2010 wieder an den Start zu gehen, dafür ist es noch zu früh», sagte der Däne nach der Siegerehrung. «Wir haben Know-how im Haus, und eine Weiterführung dieses Sports ist natürlich von der wirtschaftlichen Seite ein viel geringerer Aufwand als ein Umsteigen auf ein anderes Programm.» VW-Personalvorstand Horst Neumann ging in seinem Statement auf die Frage nach der Zukunft nicht ein.

Jubel und Erleichterung nach einer beeindruckenden Vorstellung herrschte allerorten. «Volkswagen ist stolz darauf, heute ganz oben auf dem Siegerpodest der Rallye Dakar zu stehen», sagte Neumann und sprach von einer «fantastischen Leistung». Für Nissen Nissen war der Erfolg der Höhepunkt seiner Arbeit für VW: «Lange haben wir auf dieses Ziel hingearbeitet. Jetzt kommen die Emotionen erst langsam hoch, langsam beginnt man zu begreifen, was man geleistet hat.»

Vom ersten Tag an dominierte Volkswagen die Rallye. Zehn von 13 Etappen gewannen die «Blauen» aus Wolfsburg. Bis Donnerstag war sogar ein Dreifach-Erfolg möglich, ehe der Spanier Carlos Sainz und Michel Périn (Frankreich) in Führung liegend durch einen Unfall ausfielen. Doch das war der einzige Zwischenfall der die Bilanz von VW trübte.

Das Fazit der Südamerika-Premiere der «Dakar» konnte nicht nur positiv sein. Auch bei der 30. Auflage gab es Tote: Motorradfahrer Pascal Terry aus Frankreich sowie zwei Fahrer eines Transportfahrzeuges verunglückten und ließen die Gesamtzahl der Todesopfer auf 58 steigen. Kritik an den Organisation wurde auch wegen der Streckenführung und unzureichender Bordbücher laut. Doch die Begeisterung der Millionen Menschen an der Strecke entschädigte die Fahrer.

Die Euphorie zeigte sich noch einmal am Schlusswochenende: «Für nichts in der Welt hätte ich mir das entgehen lassen», meinte der 17- jährige Pablo. Wie andere Tausende Argentinier feierte der Jugendliche die Teilnehmer wie Helden. Darunter auch den Spanier Marco Coma, der die Motorrad-Wertung zum zweiten Mal nach 2006 gewann. Weniger als die Hälfte der etwa 530 Starter kamen durch. Und denjenigen, die es geschafft haben, waren die Strapazen anzusehen. «Die Dakar ist das härteste Rennen der Welt, das weiß man vorher. Das ist die Mutter aller Rallyes», meinte von Zitzewitz.

«Die Dakar gehört für mich zwar vom Gefühl her nach Afrika. Aber hier in Argentinien und Chile war es ein vollwertiger Ersatz, es war ein Rennen genauso anspruchsvoll wie sonst in Afrika», sagte er. Der Veranstalter ASO kündigte bereits an, auch im kommenden Jahr nach Südamerika gehen zu wollen.

Von Zitzewitz ist nach Gerd Löffelmann (1980) und Andreas Schulz (2001 und 2003) der dritte siegreiche Beifahrer aus Deutschland. 2001 gewann die Kölnerin Jutta Kleinschmidt im von Mitsubishi Deutschland eingesetzten Pajero als erste Frau die berühmt-berüchtigte Rallye.

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