Kaymer: "Auf dem Weg nach ganz oben"

Sein Sieg bei der PGA-Championship war sein erster Erfolg bei einem Major-Turnier: Der Profi aus dem Rheinland, gerade mal 25 Jahre alt, steht nun in einer Reihe mit Golf-Giganten wie Player, Nicklaus, Azinger und Woods. Er selbst hofft, dass es „der erste von noch vielen Titeln“ ist.
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Glückwunsch von der Freundin: Martin Kaymer mit seiner Lebensgefährtin Alison Micheletti nach dem ersten Major-Triumph seiner Karriere.
AP Glückwunsch von der Freundin: Martin Kaymer mit seiner Lebensgefährtin Alison Micheletti nach dem ersten Major-Triumph seiner Karriere.

Sein Sieg bei der PGA-Championship war sein erster Erfolg bei einem Major-Turnier: Der Profi aus dem Rheinland, gerade mal 25 Jahre alt, steht nun in einer Reihe mit Golf-Giganten wie Player, Nicklaus, Azinger und Woods. Er selbst hofft, dass es „der erste von noch vielen Titeln“ ist.

KOHLER Als Martin Kaymer seine Freundin Alison Micheletti nach einer langen Umarmung wieder losgelassen hatte, kamen die Reporter. Sie fragten, was er denn gefühlt habe. Vor dem letzten entscheidenden Putt, als der Ball nur noch einen halben Meter vor dem Loch lag. Ob er nervös gewesen sei, gezittert habe. Kaymer lächelte nur, dann sagte er so ruhig, wie er eben immer redet: „Nein, ich wollte diesen Moment einfach nur genießen.“ Den Moment, in dem er sein erstes Major-Turnier gewann, die PGA Championship am Lake Michigan in Kohler, Wisconsin.

Nach dem Sieg, der ihm 1,028 Millionen Euro einbrachte (Gesamt-Preisgeld: 7,667 Millionen Euro), musste Kaymer zugeben, habe er aber doch „Goosebumps“ gehabt. Gänsehaut. Nach dem Sieg im Stechen am dritten Extra-Loch gegen Bubba Watson (USA). „Jetzt schon mein erstes großes Turnier zu gewinnen“, sagte der 25-Jährige ungläubig, „ich bin doch erst vier Jahre auf der Profi-Tour.“ Vier bewegte Jahre zwischen Erfolgen und Rückschlägen, sportlich und privat.

Im Juni 2008 der Heimsieg bei den BMW Open in Eichenried, nur zwei Wochen danach starb seine Mutter. Kaymer spielte wieder, aber nicht mehr so gut, erst im Juli 2009 folgten die nächsten Siege, zwei in einer Woche, die French Open und die Scottish Open. Ende August dann, im Urlaub, verunglückte der Rheinländer beim Go-Kart-Fahren in seiner Wahlheimat Arizona, brach sich drei Zehen. Erst im April nahmen ihm die Ärzte zwei Platten und acht Schrauben aus dem linken Fuß, Kaymer wirkte weiter gehemmt. Platz 54 beim Masters, in Eichenried gar am Cut gescheitert.

Aber selbst in Krisenzeiten blieb Kaymer besonnen, fernab exzentrischer Allüren wie bei John Daly oder Sergio Garcia. „Viele mögen die Deutschen für Langweiler halten“, sagte Kaymer am Sonntag und versuchte sich zu erklären: „Ich bin aber nicht langweilig. Ich bin halt nur kein verrückter Typ.“ Das zeigte sich auch im Moment des großen Siegs. Als der Ball im Loch war, nahm er die Mütze ab und verneigte sich. Gemütsregung? Nicht bei Kaymer.

„Martins Stärke ist seine Ruhe“, sagte Golflehrer Günter Kessler am Tag nach dem Triumph zur AZ, „er verliert nie die Geduld.“ Kessler kennt Kaymer schon lange, als Martin zwölf war, brachte er ihm im Golfclub Mettmann bei Düsseldorf erste Schwünge bei. „Er hat die Gabe, im richtigen Moment die richtigen Entscheidungen zu treffen“, sagt Kessler.

Auch wenn die Entscheidungen weh tun. Wie 2009, als Kaymer sich von seiner langjährigen Freundin Jenny trennte. Wie im Mai, als er seinen Caddie Justin Grenfell-Hoyle, der jahrelang seine Schläger schleppte, rauswarf.

Aber Kaymer hat sein Glück neu gefunden. Mit Alison Micheletti, seit Anfang 2010 seine Lebensgefährtin, selbst passionierte Golferin und Marketing-Assistentin am Wagner College in New York. Und mit Craig Connelly, seinem neuen englischen Caddie.

Als Kaymer am Sonntag nach dem sechsten Loch in Führung ging, sagte er zu ihm: „Craig, jetzt liege ich zum ersten Mal in meinem Leben bei einem Major vorne. Das ist ein schönes Gefühl.“ Noch schöner war es, als er dann den riesigen Pokal in Händen hielt.

In der Weltrangliste ist Kaymer nun Fünfter, und es wird noch weiter aufwärts gehen, glaubt Kessler. „Er hat sich enorm entwickelt“, sagt der Trainer, „wenn er weiter dazulernt, ist er auf dem Weg bis ganz nach oben.“

Das wünscht auch Kaymer selbst. „Ich hoffe, dass dies der erste von noch vielen Titeln war“, sagte er, bevor er sich in den zweiwöchigen Karibik-Urlaub verabschiedete und gelobte, diesmal in kein Go-Kart zu steigen: „Ich fahre höchstes Wasserski.“ Dann schaute er sich noch einmal die riesige Trophäe der PGA-Championship an. Darauf standen viele berühmte Namen. Gary Player. Jack Nicklaus. Paul Azinger. Tiger Woods. Und nun auch Martin Kaymer.

„Martin hat einen alten Kopf auf jungen Schultern“, so lautet ein berühmter Satz von Bernhard Langer. „Er hat das Zeug, ein ganz Großer zu werden.“ Nun ist Kaymer ein Großer. Florian Kinast

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