AZ-Interview - Ex-Formel-1 Fahrer Jarno Trulli: "Eine Klasse-Show"

Am Sonntag steht das Formel-1-Highlight in Monte Carlo an. Die AZ sprach mit Jarno Trulli, der dort 2004 triumphierte, über das Rennen, das Duell Hamilton gegen Vettel und seine neue Leidenschaft.
von  Alexander Maier
"Du brauchst viel Kondition, wenn du um die vorderen Plätze fahren willst", sagt Jarno Trulli über den Kurs in Monaco.
"Du brauchst viel Kondition, wenn du um die vorderen Plätze fahren willst", sagt Jarno Trulli über den Kurs in Monaco. © dpa

AZ: Herr Trulli, Sie waren 15 Jahre als Fahrer in der Formel 1 aktiv, heute sind Sie Winzer. Wie passt das zusammen – der schnelllebige Rennsport und die Ruheoase Weinbau?
JARNO TRULLI: Das Rennfahren war lange großer Bestandteil meines Lebens. Es hat mich um die ganze Welt gebracht. Mit dem Wein ist es genau andersherum: Er bringt mich zurück zu meinen Wurzeln, ich kann etwas Tolles in meiner Heimat, den Abruzzen, produzieren.

Das sind quasi zwei verschiedene Welten.
Absolut. In der Formel 1 geht es immer um Geschwindigkeit. Beim Wein geht es darum, Zeit zu haben, zu genießen. Aber Eines verbindet beides: das Streben nach Perfektion.

Sie haben sich schon während Ihrer aktiven Karriere für die Winzer-Tätigkeit interessiert.
Ich habe 2001 angefangen, Wein zu produzieren. Die Leidenschaft liegt in meiner Familie, schon mein Großvater war Winzer.

Hat Ihre Leidenschaft für Wein auch etwas mit den wilden Partys in der Formel 1 zu tun, von denen man oft hört?
Ja, in der Formel 1 gibt es viele Partys, aber das war nie meine Welt.

Ihr letztes Formel-1-Rennen war vor sechs Jahren. Vermissen Sie diese große Bühne?
Ganz ehrlich? Nein! Ich bin 15 Jahre Formel 1 gefahren, das ist eine lange Zeit. Ich war über 30 Jahre lang Rennfahrer in allen möglichen Disziplinen, also war es irgendwann Zeit, aufzuhören. Ich habe Familie, drei Kinder, also viel zu tun.

Sie kommen auf 252 Starts in der Formel 1. Fehlt Ihnen trotzdem etwas in Ihrer Karriere? Etwa, dass Sie nie um einen Titel mitfahren konnten?
Ich will nicht zurückblicken und mich über Dinge ärgern, die ich nicht mehr ändern kann. Ich habe immer alles gegeben, habe in dieser Zeit viel gelernt, vor allem von meinen Fehlern. Das bringt mich vorwärts in meiner Zukunft – und das ist das Einzige, was ich beeinflussen kann.

Sprechen wir über den Großen Preis von Monaco, ein besonderer Kurs – auch für Sie ganz persönlich!
In Monte Carlo hatte ich meinen ersten und einzigen Sieg in der Formel 1. Natürlich habe ich daran tolle Erinnerungen. Aber für mich ist dieses Rennen nicht das eine, das beste von mir. Es war einfach mein Tag.

Was macht die Strecke so einzigartig?
Es ist sehr stressig. Die Strecke ist mitten in der Stadt, es sind so viele Menschen überall, du kannst dich nirgends zurückziehen. Technisch ist die Strecke sehr anspruchsvoll, extrem eng. Dieses Jahr sind die Autos und Reifen noch breiter. Die Boliden werden schneller sein, aber Überholen wird aufgrund der Enge noch schwieriger. Du brauchst viel Fitness und Konzentration, wenn du um die vorderen Ränge fahren willst.

Was sagen Sie zum bisherigen Saisonverlauf in der Formel 1?
Ein toller Start in die Saison. Besonders Mercedes und Ferrari liefern eine Klasse-Show. Sebastian Vettel gegen Lewis Hamilton ist ein großes Duell. Dahinter kommt noch Red Bull, auch wenn sie noch einen Schritt hinter Ferrari und Mercedes sind. Aber sie haben Potenzial und könnten die Lücke schließen. Der Rest kann mit diesem Niveau aber leider nicht mithalten.

Bezüglich dieser Leistungsunterschiede haben Sie letzte Saison moniert, dass man nur Rennen gewinnen kann, wenn man für das richtige Team fährt. Diese Saison gibt es zumindest zwei Rennställe, die wirklich konkurrieren.
Ja, dieses Jahr ist es besser. Für die Fans, das Ansehen der Formel 1, eigentlich für alle. Aber es sind immer noch nur zwei Teams. Die anderen sind einfach zu weit weg.

Wie sehen Sie die Rolle der Fahrer in der neuen Saison, wird sie langsam wieder wichtiger?
Etwas. Sie sind zuletzt überholt worden von Technik und Ingenieuren. Es ist sehr komplex, die Technik eines Formel-1-Wagens zu kontrollieren. Die Fahrer arbeiten nach Anweisungen der Ingenieure. Sie können sich nicht auf das Fahren konzentrieren, sondern müssen mit der Technik klarkommen. Das finde ich nicht gut. Die neuen Reifen, oder dass Autos größer werden, ist wiederum gut, das erhöht den Einfluss der Fahrer.

Wer holt diese Saison den Titel: Vettel oder Hamilton?
Es ist noch zu früh, um Prognosen abzugeben. Sie haben beide das Potenzial, den Titel zu holen. Die Autos sind auf gleichem Niveau, beide Teams geben den Fahrern momentan alle Chancen und pushen sich damit gegenseitig zu Höchstleistungen. Es liegt also daran, welcher Fahrer bessere Leistungen zeigen kann.

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