Vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs freigesprochen: Promi-Aufstand gegen Theaterchef Pekny

Nach dem Freispruch für Thomas Pekny, Chef der Komödie, gehen die ersten Schauspieler auf Distanz. Mehr noch: Viele möchten nicht mehr mit ihm arbeiten oder fordern seinen Rücktritt. Die Details.
von  Kimberly Hagen
Immer mehr Schauspieler distanzieren sich klar von Thomas Pekny (l.), Chef der Komödie im Bayerischen Hof (v. l.): Pascal Breuer, Susu Padotzke, Simone Rethel-Heesters, Anna Lena Class und Michael von Au (hier bei einem Fototermin von "Schwiegermutter und andere Bosheiten" vor einem Jahr in der Komödie).
Immer mehr Schauspieler distanzieren sich klar von Thomas Pekny (l.), Chef der Komödie im Bayerischen Hof (v. l.): Pascal Breuer, Susu Padotzke, Simone Rethel-Heesters, Anna Lena Class und Michael von Au (hier bei einem Fototermin von "Schwiegermutter und andere Bosheiten" vor einem Jahr in der Komödie). © imago/Future Image

"Dazu sage ich nichts" oder "Kein Kommentar" hört man derzeit oft – von berühmten Schauspielern, sonst bekannt für ihre klare Meinung, die plötzlich Angst haben, sich zu positionieren.

Aus Mangel an Beweisen: Freispruch für Thomas Pekny

Thomas Pekny, Chef der Komödie im Bayerischen Hof, wurde am Mittwoch vom Vorwurf des schweren sexuellen Missbrauchs freigesprochen - aus Mangel an Beweisen (AZ berichtete). Der Richter sagte, Pekny habe "mehr Glück als Verstand" gehabt. Stunden später reagierte die Komödie: "Thomas Pekny wird nach dem heutigen Freispruch selbstverständlich seine Ämter weiterführen, das betrifft sowohl die Intendanz als auch die Geschäftsführung der Theaterbetriebe Margit Bönisch GmbH."

Intimbereich fotografiert: Pekny bezeichnete sein Verhalten als "Kunst"

Pekny hatte vor Gericht beteuert, die betrunkenen und schlafenden Frauen, die er im Intimbereich fotografiert und berührt habe, seien damit einverstanden gewesen. Obendrein bezeichnete er sein Verhalten als "Kunst". Am Abend nach dem Freispruch fand sogleich die Premiere von "Rain Man" mit Richy Müller statt. Thomas Pekny ließ sich ausnahmsweise nicht, wie sonst, auf der Bühne blicken. Auffällig auch: Viele der prominenten Stammgäste fehlten.

Erste Aufführung nach Freispruch: Viele Promis fehlten

Schauspieler und Regisseur Pascal Breuer, sonst gern und oft auf der Bühne der Komödie, war einer der ersten Stars, der seinen Unmut zum Freispruch (der noch nicht rechtskräftig ist, weil die Staatsanwaltschaft Revision eingelegt hat) und dem ganzen Fall Pekny auf Facebook und Instagram teilte.

Anzeige für den Anbieter Instagram über den Consent-Anbieter verweigert

Dort schrieb er: "Hiermit distanziere ich mich privat wie beruflich von der Person Thomas Pekny. Nach Darlegung aller Ereignisse und Fakten ist für mich persönlich nicht mehr von einer moralischen UNschuld zu sprechen, unabhängig von der gesetzlichen "Recht"-sprechung. Diese seine Taten auch noch zu filmen und zu fotografieren und das als 'Kunst' zu bezeichnen, ist meines Erachtens der Gipfel des Hohns für die Betroffenen."

Pascal Breuer zieht Konsequenzen

Der Münchner Schauspieler zieht Konsequenzen für sich: "Deshalb werde ich zwar meinen bestehenden Vertrag (acht Vorstellungen und eine kurze Tournee) einhalten, schließlich geht es hier auch um den Erhalt eines Theaters und seinen doch zahlreichen Mitarbeitern, werde jedoch keine weiteren Verträge, weder als Regisseur noch als Schauspieler, mit diesem Theater eingehen, solange es unter der Leitung von Thomas Pekny steht. Ich bitte um Verständnis bei allen Mitarbeitern des Hauses, aber ich könnte nicht mehr ruhigen Gewissens für diesen Mann öffentlich tätig werden, geschweige denn für oder mit ihm in irgendwelche Kameras zu grinsen."

Pascal Breuers Fazit: "Abschließend möchte ich Thomas Pekny dringend empfehlen, das Theater vor weiterem Schaden zu bewahren und zumindest da mit ,Anstand' abzugehen. Kunst darf nämlich NICHT alles!"

Immer mehr prominente Kollegen unterstützen Breuer

So äußerte sich Simone Rethel-Heesters auf Facebook: "Ich stehe in KEINSTER Weise in dieser Sache hinter Thomas Pekny und bin in höchsten Maße empört über seinen Satz: ,Die Wahrheit hat gesiegt!' Im Übrigen großen Respekt für Pascal Breuers Statement."

Kollegin Dorkas Kiefer schrieb: "Lieber Pascal, danke für dein mutiges und so wichtiges Statement! Habe nie mit Pekny gearbeitet, werde es auch nicht mehr tun. Worte können nicht ausdrücken, wie angeekelt und fassungslos ich bin. Wer zu solchen Taten fähig ist, wird es immer wieder tun. Und ich hoffe, dass all die Frauen den Mut haben werden, sich zu melden, um diesen Mann dingfest zu machen."

"Es muss Konsequenzen geben! Widerlich!"

Schauspielerin Katharina Abt ergänzte auf Instagram: "Wie furchtbar ist das alles. Aber wahrscheinlich (hoffentlich) lässt sich das Publikum nicht beirren und geht nicht mehr hin, so lange Pekny noch Theaterleiter ist."

Mona Seefried ("Sturm der Liebe") forderte auf Facebook: "Es muss Konsequenzen geben! Widerlich!"

Ulla Wagener (spielte zuletzt bei "Ziemlich beste Freunde" in der Komödie): Obwohl ich diesem Theater seit vielen Jahren sehr verbunden bin, möchte ich mit diesem Wissen nicht wieder unter der Leitung von Pekny spielen. Hier ist ganz offensichtlich jeglicher Respekt vor Frauen völlig abhanden gekommen - und dies ist noch nett formuliert."

Promis äußern sich zum Fall Thomas Pekny

Schauspieler Oliver Geilhardt: "So gerne ich in München gespielt habe, auch für mich ist ein Haus unter seiner Leitung keine Bühne mehr, auf der ich mit gutem Gewissen stehen kann."

Schauspielerin Kim Zarah Langner: "Der Freispruch muss ein Schlag ins Gesicht der Opfer (und besonders der mutigen jungen Dame sein, die sich vor Gericht diesem Verfahren gestellt hat) sein."

Theater- und TV-Star Jutta Speidel zur AZ: "Ich möchte nicht in den Suppentopf reinspucken, aus dem ich über 30 Jahre gut und gerne gelöffelt habe. Man kann sich an fünf Fingern abzählen, wie ich, die mit Horizont e. V. viel mit Frauen und Kindern zu tun hat, die schrecklichen seelischen und körperlichen Missbrauch erleiden mussten, zu dem Fall Pekny stehe. Wenn der Richter so entscheidet und ihn freispricht, muss man das akzeptieren - ob es einem passt oder nicht."

TV-Ärztin Antje-Katrin Kühnemann, die zu den Stammgästen der Komödie zählt, zur AZ: "Mir tun alle Beteiligten leid. Aber mit Kunst hat Peknys Verhalten wirklich nichts zu tun."

Hotel-Chefin vom Bayerischen Hof über Thomas Pekny

Innegrit Volkhardt, Chefin vom Bayerischen Hof, zur AZ: "Ich muss Herrn Pekny vertrauen, auch wenn ich die persönliche Entwicklung sehr bedauere."