Königin Rania: Die "Diana des Orients" wird 50

Rania von Jordanien ist nicht nur Königin. Sie ist auch eine Stil-Ikone, mutige Verfechterin für die Rechte von Frauen und Kämpferin gegen Extremismus.
von  (ln/spot)
Königin Rania von Jordanien wird 50
Königin Rania von Jordanien wird 50 © imago images / PPE

Man kennt sie nur lächelnd. Mit dem strahlendsten Lächeln der Welt, sagt man gern. Ihre Majestät Rania al Abdullah (50) kommt ihrem verzauberten Publikum in der westlichen Hemisphäre vor wie eine orientalische Offenbarung.

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Da werden sogleich Bilder wie aus "1001 Nacht" bemüht. Die Monarchin sei eine "Lady Diana des Orients", schwärmen europäische und amerikanische Medien - und darüber hinaus: "die schönste Königin der Welt". Eine Stil-Ikone, die von der Mode-Bibel "Vogue" "aufgrund ihrer klassisch geformten Kinnpartie, Lippen, Nasenbreite und Stirnfläche als schönste und attraktivste lebende Royal" gekürt wurde.

Diese wahrhaft königliche Erscheinung wird am 31. August 50 Jahre alt. Die scheinbar alterslose Königin von Jordanien ist seit 1993 mit König Abdullah II. (58) verheiratet, der 1999 auf den Thron kam.

Mit Kulinarik ihr Herz erobert

Das Paar hatte sich 1992 bei einem Bankett in der jordanischen Hauptstadt Amman kennengelernt. Abdullah war damals noch Kronprinz und Rania frisch gebackene Betriebswirtin mit Bachelor-Abschluss der amerikanischen Universität Kairo.

Das Magazin "Bunte" beschrieb das Zusammentreffen so: "'Wow!' soll ihm durch den Kopf geschossen sein, als er die dunkelhaarige Beauty mit den Rehaugen beim Dinner erblickte. Doch er musste hart um Rania kämpfen. Die erste Essenseinladung des Prinzen schlug sie aus. Ihr Herz eroberte Abdullah schließlich mit - Achtung! - belgischer Schokolade."

Beim ersten Date soll der Prinz für Rania "traditionelle japanische Küche" gekocht haben. Mit Erfolg. Schließlich habe Abdullah seiner Freundin bei einem Ausflug in die Tal-Al-Rumman-Berge mitgeteilt, "dass ihre Beziehung langsam ernst werde. Zwei Wochen später suchte sein Vater, der König, Ranias Eltern auf und hielt für seinen Sohn um die Hand ihrer Erstgeborenen an. Happy End programmiert!"

Die Stil-Ikone

Die schöne Königin ist seit gut zwei Jahrzehnten Darling der internationalen Modemagazine, die den geschmackvollen Look der Muslimin Rania - sehr stilvoll und nie schreiend - über alles lobpreisen. "Statt Kopftuch trägt sie westliche Designermode", schrieb die "Süddeutsche Zeitung".

Zum Kopftuch meinte sie: "Es ist wichtiger, was im Kopf drin ist, als was obendrauf ist. Denjenigen, die meinen, ich sollte öfter eine Kopfbedeckung tragen, sage ich, dass ich glaube, dass im Islam die Beziehung zu Gott sehr direkt und sehr persönlich ist, und entsprechend dürfen wir unsere eigenen Entscheidungen treffen."

Rania von Jordanien lebt und wirkt nicht in den komfortablen Wohlfühlzonen westlicher Königshäuser wie in den Niederlanden, in Schweden oder Norwegen. Sie ist Königin eines Landes mit konstitutioneller Monarchie. Der König aus der Dynastie der Haschemiten, die angeblich direkt vom Religionsstifter, dem Propheten Mohammed, abstammen, ist Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der Streitmächte eines arabischen Landes, das von inneren und äußeren Konflikten geprägt ist.

Auf Abdullahs Vater und Vorgänger König Hussein (1935-1999) wurden über 30 Attentate verübt, die er allesamt überlebt hatte. Der Urgroßvater König Abdallah ibn Husain I. wurde 1951 in Jerusalem von einem Palästinenser erschossen.

Eine Ehe mit Hintergedanken

Rania entstammt einer palästinensischen Familie. Ihre Heirat mit Abdullah II. war für den damaligen König Hussein ein Politikum. Man wollte mit dieser Ehe die palästinensischen Flüchtlinge, die über 50 Prozent der Bevölkerung des Landes ausmachen, besänftigen und die innenpolitischen Spannungen Jordaniens befrieden. Das ist leidlich gelungen. Rania setzt sich für die Flüchtlinge ein, immerhin herrscht in Jordanien seit Jahren der Status quo, das Königspaar funktioniert als Klammer zwischen den alteingesessenen Jordaniern und zugewanderten Palästinensern.

Die Königin zeigte wiederholt auch einen ungewöhnlichen politischen Mut. Schon vor zehn Jahren stellte sie die Terrormiliz "Islamischer Staat" an den Pranger. Auf der 5. Medienkonferenz in Abu Dhabi klagte sie in ihrer wortgewaltigen Eröffnungsrede die IS-Fanatiker an, sie würden den Islam missbrauchen. Mehr noch: Die arabischen Herrscher überließen mit ihrem Schweigen den "barbarischen Islamisten" in den sozialen Netzwerken "kampflos das mediale Feld" und damit die "Deutungshoheit".

Ein anderes Mal ging sie vehement die Praxis der Ehrenmorde an, bei denen Frauen von der eigenen Familie umgebracht und die Täter wenn überhaupt nur mild bestraft werden. Das sei "eindeutig unehrenhaft. Diese Schandtaten brechen sowohl menschliche als auch göttliche Gesetze, denn es ist verboten, einen Menschen zu töten oder das Gesetz selbst in die Hand zu nehmen", sagte sie zu "Bunte".

Westliches Lob für die Königin aus dem Orient

Applaus für ihren Mut bekommt Rania allerdings ausschließlich aus dem Westen. In ihrer Heimat und den arabischen Ländern werden solche Aktionen eher totgeschwiegen. Der größte arabische Nachrichtensender "Al Jazeera" und die wichtigste arabische Zeitung "al-Schark al-Ausat" erwähnten ihre flammende Rede gegen den IS mit keinem Wort. "Das hat viel damit zu tun, dass Rania, wenn auch Königin, 'nur' eine Frau ist, deren Wort in der patriarchalisch strukturierten arabischen Lebenswirklichkeit kaum etwas gilt", mutmaßt die Zeitung "Die Welt".

Dennoch lässt die Königin in ihrem Kampf für den Frieden und die Gleichberechtigung der Frau nicht nach, obwohl sich 36 hochrangige Führer von Beduinenstämmen öffentlich gegen sie gestellt und beklagt haben, Rania fröne in ihren Designerkostümen der "Verschwendungssucht auf Staatskosten".

Bei der Erziehung ihrer vier Kinder - Kronprinz Hussein (26), den Prinzessinnen Iman (23) und Salma (19) sowie Prinz Haschem (15) - hat sie Maßstäbe gesetzt: Salma hat mit 19 bereits einen Abschluss der britischen Militärakademie Sandhurst und ist die erste Hubschrauberpilotin der jordanischen Armee.

Rania ist auch in den sozialen Netzwerken eine echte Königin: 6,1 Millionen Abonnenten auf Instagram, 10,4 Millionen Follower auf Twitter, gut 16,7 Millionen auf Facebook. Dort hat sie - zur Empörung der Altvorderen - ihre Aufgabe auf dem Thron als "Mutter und Ehefrau mit einem wirklich coolen Tagesjob" beschrieben. Das wird die dominierende Männerwelt ihrer Heimat noch mal nachhaltig verstört haben.