Filmfestival Cannes: Starke Statements gegen Rassismus und Sexismus

Spike Lee ist der erste schwarze Jury-Vorsitzende, die Jury selbst so weiblich wie nie. Doch mit ihren Statements machten die Stars in Cannes klar, dass sich trotzdem nicht allzu viel in der Gesellschaft geändert hat.
von  (smi/spot)
Jurypräsident Spike Lee mit seinen Jurykolleginnen beim Filmfestival in Cannes.
Jurypräsident Spike Lee mit seinen Jurykolleginnen beim Filmfestival in Cannes. © imago/Independent Photo Agency Int.

Am Dienstag, den 6. Juli 2021, starteten in Cannes die 74. Internationalen Filmfestspiele - mit Spike Lee (64) als erstem schwarzen Jury-Präsidenten der Geschichte des Festivals. Bereits 2020 sollte der Regisseur ("Da 5 Bloods") der Jury vorsitzen, die über die Vergabe der Goldenen Palme entschiedet, doch wegen der Corona-Pandemie fiel der Wettbewerb aus.

1986 stellte Spike Lee in Cannes sein Debüt "She's Gotta Have It" vor, 1989 war er mit seinem Durchbruchsfilm "Do the Right Thing" im Wettbewerb. Auf der Pressekonferenz zum Start des Filmfestivals wurde Lee auf letzteren Film angesprochen. Chaz Ebert (68), Anwältin und Witwe des 2013 verstorbenen amerikanischen Filmkritikerpapst Roger Ebert, erinnerte daran, dass sich 1989 in den USA viele Beobachter Sorgen machten, dass "Do the Right Thing" Rassenunruhen auslösen könnte. Schließlich geht es darin um die Ermordung eines jungen schwarzen Mannes durch die Polizei und daraus resultierenden Ausschreitungen.

Spike Lees Antwort auf die Frage nach Aktualität von "Do the Right Thing" war ein bitterer Verweis auf den Tod von George Floyd, der am 25. Mai 2020 starb, nachdem ein Polizist neun Minuten auf seinem Hals kniete: "Man sollte eigentlich glauben und hoffen, das mehr als 30 verdammte Jahre später Schwarze nicht mehr wie Tiere gejagt werden". Tosender Applaus bei den Pressevertretern.

Was ändert eine diverse Jury?

Das 74. Filmfestival von Cannes schrieb nicht nur wegen des ersten schwarzen Jury-Präsidenten Geschichte, sondern auch mit der weiblichsten Jury aller Zeiten. Mit Mati Diop (39), Mylène Farmer (59), Maggie Gyllenhaal (43), Jessica Hausner (48) und Mélanie Laurent (38) hatten weibliche Filmschaffende erstmals die Mehrheit in der neunköpfigen Jury.

Auf diesen Fakt angesprochen sagte die österreichische Regisseurin Jessica Hausner: "Das spiegelt die Entwicklung wider, dass die Gesellschaft bereit für Veränderungen ist, die eigentlich schon viel früher hätten passieren können".

Maggie Gyllenhaal spielte die Entwicklung herunter: "Ich glaube nicht, dass eine Jury mit weiblicher Mehrheit anders auf Filme reagiert", so die 43-Jährige. "Ich fände es gut, wenn die Frage auch den Männern in der Jury gestellt werden würde", sagte die französische Regisseurin Mati Diop.