Interview

"Bergdoktor"-Star Monika Baumgartner: "Ich bin jeden Tag dankbar"

Schauspielerin Monika Baumgartner, die Mama vom "Bergdoktor", spricht in der AZ über ihr mittlerweile schmerzfreies Leben zwischen Berg und Tal.
von  Kimberly Hagen
Monika Baumgartner mit ihrem TV-Sohn, "Bergdoktor" Hans Sigl.
Monika Baumgartner mit ihrem TV-Sohn, "Bergdoktor" Hans Sigl. © Ursula Düren/ dpa

AZ: Liebe Frau Baumgartner, hören Sie überhaupt noch auf Ihren Nachnamen - oder soll ich lieber Frau Gruber sagen?
MONIKA BAUMGARTNER: (lacht laut) Ehrlich gesagt, hat sich das ein bisserl eingependelt. Es gab eine Zeit, da haben mich viele mit Frau Gruber angesprochen, dazu ein verschmitztes Lächeln, das suggerieren sollte, sie wüssten natürlich, dass das mein Serienname ist. Dann gibt es wirklich Leute, die überzeugt sind, dass ich die Frau Gruber bin, die Mama vom "Bergdoktor". Lustig, wie tief das in manchen verwurzelt ist.

"Der Bergdoktor" wird in vielen Sprachen ausgestrahlt

Sie drehen gerade die 14. Staffel "Bergdoktor" - war der Wahnsinns-Erfolg abzusehen?
Überhaupt nicht! Auch das ZDF ahnte nix. Die ersten Jahre durften wir erst nach den Einschaltquoten weitermachen. Die letzten Jahre wurden es immer mehr Zuschauer. Mittlerweile gibt's uns in vielen Sprachen, ein Freund schickte mir ein Video von "El Doctor de los Alpes". In Spanien gibt es ja auch Berge, wir haben halt nur kein Meer dazu.

Ist die Sehnsucht nach Natur und Heimat das Erfolgsrezept?
Es passieren viele schreckliche Dinge auf der Welt, das war auch vor Corona leider so. Die Menschen sehnen sich nach etwas Einfachem, nach Bildern, wo nicht alles nur furchtbar ist.

Sie hat viel durchgemacht, heute geht es ihr gut: Schauspielerin Monika Baumgartner ("Der Bergdoktor").
Sie hat viel durchgemacht, heute geht es ihr gut: Schauspielerin Monika Baumgartner ("Der Bergdoktor"). © imago images/Mary Evans

Monika Baumgartner über Schauspielerei: "Ich bin sehr dankbar"

Sie haben in 150 Filmen und Serien mitgespielt, nervt es Sie, auf den "Bergdoktor" reduziert werden.
Es ist das Schicksal von uns Schauspielern. Eine Festlegung passiert automatisch. Ich hab davor viele bäuerliche Frauen gespielt, die "Rumplhanni" war mein Durchbruch. Ich spiel die bäuerlichen Rollen gerne, zwischendrin wünsche ich mir hin und wieder andere Rollen. Ich hab den Beruf nicht ausgewählt, um Bäuerin zu sein, sondern Schauspielerin (lacht).

Auf der anderen Seite denk ich mir: Was will ich eigentlich? Ich bin seit drei Jahren in Rente, hab nächstes Jahr 70., konnte stets von meinem Job leben, trotz Existenzängsten, die es immer mal gibt, für all das bin ich sehr dankbar. Ich lebe und arbeite, wo andere Urlaub machen, kann unter tollen Leuten sein und bekomm dafür Geld. Was soll ich das hinterfragen, nein, mir geht's wirklich gut.

Wie gut wären Sie als echte Bäuerin?
Ich kann Kühe melken, Brot backen. Aber: Als Bäuerin könnte ich keine Tiere schlachten, obwohl ich nicht vegan lebe, gern mal Fleisch esse. Wobei ich kein Kalb mehr esse, seit ich letztes Jahr drei junge Kälber kaufte, die geschlachtet werden sollten. Ich bin eher eine Hobby-Bäuerin.

Ich verstehe alle Jüngeren, die es vermehrt aufs Land zieht, die Gemüse anbauen wollen, das habe ich auch gemacht, als ich vor 30 Jahren von München an den Stadtrand gezogen bin. Kartoffeln, Topinambur, Salat - wobei alle Salatköpfe zur gleichen Zeit reif waren (lacht). Selber was tun, in der Erde wühlen, das ist herrlich. Aber ich bin eh nicht der Typ, der nur auf der Couch liegt und wartet, dass was passiert. Ich bin ständig in Action, dazu hab ich meine Mama, die mit 92 im Betreuten Wohnen ist, mit meiner Schwester habe ich einen Raumausstatterladen in München - und mein Mann ist Anwalt, da ist immer was los.

Will Monika Baumgartner ihren Lebensgefährten bald heiraten?

Ihr Mann?
Mein Lebensgefährte, ich sag zwar Mann, aber offiziell verheiratet sind wir nicht.

Ist Hochzeit noch ein Wunsch?
Naa! Ich war verheiratet, ich weiß, wie das alles nicht funktioniert hat, deshalb will ich das nicht noch mal erleben. Ich bin mit meinem Partner seit 20 Jahren sehr glücklich, den Trauschein brauchen wir nicht.

Ihr Hans und Sie wurden damals verkuppelt…
Eine Bekannte sagte, da gibt's jemanden, der ist auch allein, könnt's ihr nicht mal zusammen zum Essen gehen. Ein Dreivierteljahr redete sie an uns hin. Wie wir uns getroffen haben, hat sich das sehr nett entwickelt. Es kann manchmal ganz einfach sein.

"Alles eine Frage der Einstellung - Mein Leben zwischen Berg und Tal" heißt Ihre sehr muntere Biografie doppeldeutig. Wie ist Ihre Einstellung?
Ich wünsche mir, dass sie immer optimistisch ist.

"15 Jahre hatte ich einen höllischen Schmerz"

Das Tal, der Tiefpunkt, war Ihr Schmerz-Leiden, oder?
Zwei tiefe Täler gab es: Zum einen mein erster Mann mit seiner Persönlichkeitsgeschichte, der plötzlich aus meinem Leben gegangen ist. Das zweite war sicher der Schmerz.

Sind Sie jetzt schmerzfrei?
Gott sei Dank, ich bin jeden Tag dankbar. Ich hab wirklich viel durchgemacht. 15 Jahre hatte ich einen höllischen Schmerz, den sie alle nicht fanden: Top-Ärzte, Wunderheiler, Heilpraktiker, ich war in der ganzen Welt unterwegs. Irgendwann hält man sich für verrückt, weil einem keiner glaubt. Bis ein Tumor in meiner Leiste gefunden und entfernt wurde.

Damit war es das leider nicht.
Vor drei Jahren kam ein anderer fürchterlicher Schmerz hinzu. Das war ein Dreivierteljahr sehr hart für mich. Ich war bei zwölf Ärzten, alle meinten, ich soll mich dran gewöhnen. Ich geh am Tag 17.000 Schritte, wie mir mein Schrittzähler sagt, das ist ja gut, aber mit Schmerzen fast unerträglich. Dem Hans Sigl verdanke ich es, dass er einen Arzt empfohlen hat, der mir sofort helfen konnte.

Der "Bergdoktor" hat Sie im echten Leben geheilt, beziehungsweise Ihnen eine richtige Diagnose verschafft?
Ganz schön verrückt. Fibromyalgie wurde erst diagnostiziert, ein Muskelschmerz. Der Arzt vom Hans meinte: Das ist keine Fibromyalgie, sondern Polymyalgie, eine Autoimmunkrankheit. Mit einer Cortisonspritze konnte man diesen Schmerz durchbrechen, eigentlich einfach, man muss es nur wissen. Mittlerweile halte ich selbst Vorträge über Schmerztherapie. Ich glaube, das Zuhören ist sehr wichtig. Viele Ärzte sind vollkommen überlastet, hören zu wenig zu oder haben zu wenig Zeit für den Patienten.