Von A bis Z: Griechenland-Krise für Einsteiger

Grexit, Schuldenschnitt und Troika: Alle diese Begriffe stehen mittelbar in Verbindung mit dem hellenischen Schulden-Drama. Doch was bedeuten die Bezeichnungen? Das Finanz-ABC.
von  Otto Zellmer
Kehrt Griechenland zur Drachme zurück?
Kehrt Griechenland zur Drachme zurück? © dpa

München - Das Thema Griechenland beschäftigt die Medien bereits seit Wochen. Hilfspakete, Reformen, Schuldenerlass: Könnten Sie Ihren Kindern die komplexe griechisch-europäische Finanzwelt erklären?

Vielleicht hilft ja das AZ-ABC, im Schulden-Chaos den Überblick zu behalten:

A wie Ausgangslage: 2002 gab’s für Griechenland den Euro. Doch das Land hatte damals schon viel höhere Schulden als eigentlich erlaubt war. Die Regierungen nahmen immer neue Kredite auf – und häuften so einen riesigen Schuldenberg an.

B wie Beamte: Ein Wahlversprechen der aktuellen Regierung ist, entlassene Ex-Beamte wieder einzustellen. Diese sind aufgrund der Sparmaßnahmen ausgestellt worden.

C wie Charme: Alexis Tsipras, Griechenlands Regierungschef, könnte Schwiegermamas Liebling sein. Fast immer lächelnd, jugendhaft und vor allem charmant. Doch er kann auch Hardliner. Und das beweist er bei den Euro-Verhandlungen.

Ultimatum für Varoufakis' Schulden-Poker: Für Griechenland tickt die Uhr

D wie Drachme: 170 Jahre lang griechische Währung vor dem Euro; tritt Griechenland aus der Eurozone aus, bräuchten sie ein neues Zahlungsmittel. Der Weg für die Drachme wäre also frei.

E wie Eurozone: alle EU-Staaten, die den Euro als offizielle Währung besitzen. Sie besteht momentan aus 19 EU-Staaten.

F wie Forderungen: Premier Tsipras will einen Teilerlass der Staatsschulden und eine Lockerung der auferlegten Sparmaßnahmen. Das schmeckt den Euro-Finanzministern gar nicht.

G wie Grexit: Kofferwort aus dem Englischen; „Greece“ (Griechenland) und „exit“ (Ausgang). Bedeutet das mögliche griechische Ausscheiden aus der Eurozone. Wahrscheinlichkeit: 50 Prozent. Das Land würde im Choas versinken.

H wie Hilfspaket: Im Mai 2010 gab’s für Griechenland unter anderem von der EU das erste Rettungspaket; Umfang damals: 110 Milliarden Euro. Bis März 2012 lief ein zweites Hilfspaket mit einem Volumen von 109 Milliarden Euro.

I wie IWF: Internationaler Währungsfonds, eine Organisation der Vereinten Nationen; wacht über Vergabe der Kredite und Geldpolitik der Staaten. Mit mehreren Milliarden an den Griechen-Hilfspaketen beteiligt.

J wie Jobs: Die Arbeitslosenquote in Griechenland vervierfachte sich seit Juli 2008, hatte fünf Jahre später mit 28,0 Prozent einen neuen Rekordwert. Momentan liegt sie etwas niederiger. Problem: Jeder zweite Jugendliche sucht Arbeit.

K wie Kredite: Die Hellenen wollen weiter Kredite von den Euro-Partnern. Streitfragen: Wann soll Griechenland den Kredit zurückzahlen – wenn überhaupt?

L wie linksradikal: Politische Einstellung des Bündnisses Syriza, das im Januar mit Parteivorsitzendem Alexis Tsipras den Wahlsieg schaffte.

M wie Mindestlohn: Den will Tsipras in Griechenland anheben. Das hat er bei Amtsantritt versprochen. 2012 wurde der Mindestlohn wegen des Spardiktats auf 3,35 Euro pro Stunde gekürzt.

N wie Nazi-Verbrechen: Tsipras fordert Reparationszahlungen für die Verbrechen der Nazis. Es geht hauptsächlich um eine Zwangsanleihe der griechischen Nationalbank ans Dritte Reich. Die wurde nie zurückgezahlt. Die Bundesregierung lehnt eine solche Zahlung ab, die Ansprüche seien seit 1990 erloschen.

O wie Ouzo: Der wird seit Jahren immer günstiger, zumindest in Griechenland. Hauptgrund: Wegen der Krise geben die Leute immer weniger aus und warten, bis die Produkte noch billiger werden.

P wie Pleite: Am 28. Februar läuft das Rettungsprogramm für Griechenland aus. Verlängert Athen die Hilfen bis dahin nicht, gibt’s kein frisches Geld. Griechenland wäre spätestens im Sommer pleite. Noch wollen Tsipras und Co. keine Verlängerung, weil sie die an die Hilfsprogramme geknüpften Spardiktate ablehnen.

Schäuble stellt klar:

Q wie Quittung: „Ohne Rechnung keine Barzahlung“, hieß es vor zwei Jahren von der griechischen Regierung, um Steuerhinterziehern den Kampf anzusagen. Durch fehlende Belege entgehen dem Staat jährlich Milliarden – in Zeiten, wo Griechenland jeden Euro zweimal umdrehen muss.

R wie Reformen: Ökonomen kritisieren immer wieder, dass Griechenlands Politiker nicht bereit sind, ihre Sparprogramme umzusetzen. Vor allem am Abbau von bürokratischen Hemmnissen happert’s. Diese schrecken Investoren ab und lähmen die Wirtschaft.

S wie Schuldenschnitt: Griechenlands Regierung fordert, die Hälfte der Schulden zu erlassen. Bei momentan geschätzten 340 Milliarden Euro wären es dann nur noch 170 Milliarden – das wäre in Relation zur Größe des Landes der größte Schuldenschnitt aller Zeiten. Doch die Euroländer lehnen das ab.

T wie Troika: mittlerweile „Institution“; russisches Wort für Wagen mit drei Pferden; bezeichnet die Kooperation zwischen Europäischer Zentralbank (EZB), IWF und Europäischer Kommission. Die Institutionen überwachen in finanzielle Schieflage geratene Länder. Die Troika zwingt den Hellenen ein Spardiktat auf und steht daher bei Tsipras nicht gerade hoch im Kurs.

U wie Umschuldung: Weil sich Schuldenschnitt laut Griechen-Finanzminister Gianis Varoufakis „für westliche Länder wie Deutschland zu hart“ anhört, will dieser nun eine Umschuldung. Die Belastung soll hier etwa über Anleihen mit unbegrenzter Laufzeit tragbar gemacht werden.

V wie Verschuldung: Griechenland lebte vor allem in den 90er-Jahren über seinen Verhältnissen. Viele leisteten sich einen zu hohen Lebensstandard. Es gab zu viele Beschäftigte im öffentlichen Dienst und Steuerhinterziehung war eine große Staatskrankheit. So entgingen dem Staat Milliardeneinnahmen. Zugleich pumpten die Regierungen Geld in die Märkte, um die Wirtschaft stabil zu halten. Eine dramatische Erhöhung der Verschuldung war die Folge.

W wie Wachstum: Es geht wieder etwas aufwärts mit der hellenischen Wirtschaft. Das liegt beispielsweise an der Landwirtschaft, wo Oliven- und Milchprodukte weltweit reißenden Absatz finden.

X wie Xanthi: 65 000-Einwohner-große Stadt, die besonders vom Tourismus lebt. Dieser ist seit Jahrzehnten die Stütze der griechischen Wirtschaft. Und soll es auch bleiben. 2014 lockte das Land 19 Millionen Gäste an – ein Rekordjahr. Die Reisenden bringen der klammen Staatskasse Milliardeneinnahmen. Vor allem junge Leute, die wegen der hohen Jugendarbeitslosigkeit ohne Job wären, finden hier leicht Arbeit.

Y wie Yanis: Vorname des cool wirkenden griechischen Finanzministers Varoufakis, wobei auch Gianis gebräuchlich ist. Wirtschaftsprofessor, der bereits weltweit an Unis Vorlesungen hielt. Kommt zu vielen Euro-Sitzungen zu spät, trägt das Jackett offen und das Hemd über der Jeans. Sieht irgendwie aus wie Kultfigur Mr. Spock aus Startrek.

Z wie Zinsen: Trotz der Kredite muss das Land laut einem Zeitungsbericht zufolge viel niedrigere Zinsen als etwa Deutschland zahlen. 2,4 Prozent sind’s für die gesamte Staatsschuld. In Deutschland muss der Bund für ausstehende Anleihen einen Zins von durschnittlich 2,7 Prozent bezahlen.