TV-Duell: Drei zu viel

 Anja Timmermann, die AZ-Redakteurin über das Format des Duells
von  Anja Timmermann
Angela Merkel und Peer Steinbrück beim TV-Duell. Von einem Schüler fühlte sich der Kanzlerkandidat jetzt aber besser interviewt.
Angela Merkel und Peer Steinbrück beim TV-Duell. Von einem Schüler fühlte sich der Kanzlerkandidat jetzt aber besser interviewt. © ARD/Max Kohr

Anja Timmermann, die AZ-Redakteurin über das Format des Duells

Wer nun der Sieger im Duell war, da gehen die Umfragen auseinander. Die Verlierer stehen auf jeden Fall fest: die Zuschauer, die sich ein echtes Gespräch erhofft hatten. Sorry, liebe Fernsehsender, aber von den vier Moderatoren waren mindestens drei zu viel. Das war kein Duell, das war allenfalls eine Pressekonferenz, halt mal mit zwei Teilnehmern gleichzeitig.


Wie hätte man sich gewünscht, gerade auch angesichts von Merkels Watte-Wahlkampf, dass die beiden sich tatsächlich mal miteinander unterhalten. Sich widersprechen, sich ergänzen, etwas erwidern. Fehlanzeige. Wenn so etwas überhaupt mal stattfand, dann trotz und nicht wegen der Moderatoren. Weil der eine Kandidat doch noch auf den anderen antworten wollte, obwohl schon der nächste Moderator eilfertig im Kampf um Redeanteile seine nächste Frage abgespult hat.

Und ein einzelner (versierter) Moderator hätte sich beim Nachhaken auch nicht so leicht – vor allem von Merkel – niederbügeln lassen wie der grummelnde Pulk in weiter Ferne.


Vielleicht nochmal zur Verdeutlichung: Das Format ist nicht in erster Linie dazu da, die Eitelkeiten der Sender zu befriedigen, sondern, ja wirklich, für den Zuschauer. Und damit der mal ein Duell erlebt, muss das Zwei-plus-vier-Modell reformiert werden.

Vorstellbar ist viel: Dass bei jeder Wahl ein anderer Sender dran ist. Oder dass es wie in den USA mehrere Duelle gibt, vielleicht eins mit nüchternen Themen bei den Öffentlich-Rechtlichen, ein freches bei den Privaten. Wie auch immer – nur nicht mehr so.